Erstellt am 07. Oktober 2015, 05:37

von Martin Kalchhauser

27 Flüchtlinge avisiert: Kritik an später Information. Bewohner erst wenige Tage vor Ankunft in Kenntnis gesetzt. Grafenberger sind gegenüber Fremden überwiegend positiv gestimmt. Kritik an Bürgermeister Holluger.

Rainer Schnabl und seine Frau Mareike haben die vergangenen Wochen dafür aufgewendet, das geräumige Doppelhaus mit rund 390 m2 Wohnfläche und 3.500 Quadratmetern Grund mitten im Ort Grafenberg für die Flüchtlinge herzurichten. Heizung, Böden und Möblierung wurden komplett erneuert. Foto: Martin Kalchhauser  |  NOEN, Martin Kalchhauser

Seit Freitag der Vorwoche wohnen zehn Flüchtlinge aus den Irak in einem Privathaus in Grafenberg, Gemeinde Straning. Im Laufe der kommenden Wochen sollen weitere 17 dazukommen. Die angesichts der lediglich 200 Bewohner des Ortes einigen zu hohe Zahl sorgte bei manchen Bewohnern für Skepsis.

Fast überfallsartig zu Info-Event geladen

Kritik richtete sich an die Gemeindeführung, insbesondere Bürgermeister Albert Holluger, der die Bürger erst „im letzten Moment“ informierte.

Fast überfallsartig wurden die Grafenberger am 25. 9. von Holluger per Flugzettel für den 29.9. zu einer „Informationsveranstaltung“ eingeladen. Dort konfrontierten einige Gäste den Gemeindechef mit dem Vorwurf der (zu) kurzfristigen Info – sollten doch schon am 3.10. die ersten Kriegsflüchtlinge eintreffen.

Hollluger behauptete, selbst erst vor wenigen Tagen vom Plan des Hausbesitzers Rainer Schnabl und seiner Frau Mareike, im leer stehenden Haus Nummer 46 Flüchtlinge unterzubringen, erfahren zu haben.

Vor vier Wochen bereits grünes Licht gegeben

Dem widersprach Schnabl. Er habe Holluger schon vor rund vier Wochen von seinem Vorhaben in Kenntnis gesetzt. Was er im Gespräch mit der NÖN auch bekräftigt: „Ich habe mit dem Bürgermeister gesprochen, und er hat grünes Licht gegeben.“

Schnabl will im geräumigen (Doppel-)Haus 27 ihm vom Land zugeteilte Personen unterbringen. Die ersten zehn – drei Familien aus dem Irak – haben ihr Zuhause am 3. 10. bezogen.

Generell stellten sich die Grafenberger beim Info-Abend nicht grundsätzlich gegen den Plan, Flüchtlingen in ihrer Mitte ein Heim zu geben.

Ehepaar Schnabl will Gäste selbst betreuen

Allerdings gab es kritische Anmerkungen über ein fehlendes Betreuungskonzept und die hohe Zahl. Schnabl, der in Hadersdorf wohnt: „Meine Frau und ich werden die Gäste betreuen und abwechselnd hier sein, um sie bei Bedarf zum Arzt oder zum Einkaufen zu bringen.“ Die Zahl von 13 % stimme nur in Bezug auf den Ort. Auf die Gemeinde umgelegt seien 27 Personen lediglich drei Prozent.

Holluger beklagt seinerseits mangelnde Information durch das Land. Er habe tagelang versucht, zuständige Personen zu erreichen, und hatte am Tag vor der Ankunft der ersten Gäste noch keine genauen Angaben. Sind 27 Personen aus dem Kriegsgebiet verträglich? „Da müssen Sie mich was Leichteres fragen“, meint er. „Viel ist das schon für den Ort. Es ist halt fraglich, wer kommt!“

Grundsätzlich optimistisch ist Ortsvorsteher Herbert Haas. „Wenn alle zusammenhelfen, könnte das schon klappen“, verweist er darauf, dass geplant ist, in etwa einem Monat wieder einen Informationsabend zu veranstalten. „Ich kann mir vorstellen, dass diese Menschen von der Ortsbevölkerung gut aufgenommen werden.“

Kritik übt Haas lediglich am fehlenden Konzept für eine Freizeitbetreuung – und leise auch am mangelnden Informationsfluss in der Gemeindestube („Es muss ja ein Schreiben der Gemeinde gegeben haben!“) und damit auch an Holluger.