Erstellt am 09. September 2015, 12:37

von Thomas Weikertschläger

Abend der Solidarität. Bei Treffen konnte man syrische Familien, die in Geras, Langau und Drosendorf untergebracht sind, kennenlernen.

Dolmetsch Basem Khalil (links) übersetzte die Dankesworte, die Familienvater Fakhri mit Sohn Nedim im Namen der in Drosendorf untergebrachten Flüchtlinge an die Zuhörer richtete. Fotos: Thomas Weikertschläger  |  NOEN, Thomas Weikertschläger

Während sich die Politik von Ungarn über Österreich bis auf EU-Ebene weiterhin nicht auf eine gemeinsame und sinnvolle Flüchtlingspolitik einigen kann, zeigen Gruppen engagierter Ehrenamtlicher in vielen Gemeinden Österreichs vor, wie Flüchtlingshilfe und Integration in der Realität aussehen können.

Großes Interesse am Kennenlernen

So werden auch im Norden des Bezirks Horn in den Gemeinden Geras, Langau und Drosendorf – die NÖN berichtete – einige Familien aus Syrien untergebracht. Nun veranstaltete ein Team rund um Mella Waldstein, Sabine und Wolfgang Müller-Funk einen Solidaritätsabend im Gasthaus Failler, der helfen sollte, Akzeptanz und Verständnis zwischen den syrischen Familien und „Einheimischen“ zu vertiefen.

Dass das Interesse am gegenseitigen Kennenlernen groß war, zeigte sich schon an der Tatsache, dass der Kinosaal im Gasthaus Failler aus allen Nähten platzte und Sessel eingeschoben werden mussten.

Als es dann losging, verlasen Wolfgang Müller-Funk und die geflüchtete Abeer eine Erklärung, in der die Tradition Österreichs in der Flüchtlingshilfe (Ungarnkrise 1956, Prager Frühling 1968, Fall des Eisernen Vorhangs 1989, Jugoslawienkrise in den 90ern) angesprochen wurde

„Österreich hat die Genfer Konvention unterzeichnet. Es ist zur Hilfe von Asylsuchenden und Flüchtlingsaufnahme rechtlich und vertraglich verpflichtet“, hieß es ebenso.

Flüchtlinge zeigten ihre Dankbarkeit

Dass die Ehrenamtlichen in den Gemeinden keine Verträge oder Verpflichtungen brauchen, um zu helfen, kam in vielen weiteren Wortmeldungen zum Ausdruck.

„Ich bin Fadi. Ich bin ein Geraser“, meinte etwa ein Familienvater, der in den wenigen Wochen in Geras dank eines Kurses erste Deutschkenntnisse gesammelt hat. Ein anderer Familienvater brachte nicht nur mit seinem „Drosendorf-Leiberl“ seine Dankbarkeit für die Aufnahme zum Ausdruck.

Edin und Amra Karadza, die in den 90ern (Jugoslawien-Krise) als Flüchtlinge nach Zissersdorf kamen, appellierten an die Bevölkerung, den Flüchtlingen heute die gleiche Unterstützung zukommen zu lassen, wie ihnen damals. Mit einem syrisch-waldviertlerischen Buffet, einer Filmvorführung, einer Lesung von Polt-Autor Alfred Komarek, anregenden Gesprächen und viel Musik wurde der gelungene Abend abgerundet.


Zitiert: „Ich bin dankbar“

„Als wir diesen Abend geplant haben, haben wir noch nicht gewusst, welche Brisanz dieses Thema jetzt hat – wir haben aber auch noch nicht gewusst, wie offen die Zivilgesellschaft in Österreich für die Aufnahme von Flüchtlingen ist.“
Mella Waldstein in ihrer Eröffnungsrede über aktuelle Entwicklungen in der Flüchtlingsthematik und die Hilfsbereitschaft der Bevölkerung in Geras, Drosendorf und Langau

„Seit Ihr da seid, ist unser Leben spannender, aufregender und farbiger geworden.“
Ulrike Kirchweger über die Bereicherung, die die syrischen Gäste in den Gemeinden darstellen

„Ich bin sehr dankbar dafür, wie wir hier in Drosendorf aufgenommen wurden.“
Neo-Drosendorfer Fakhri