Erstellt am 06. Oktober 2015, 12:57

von Rupert Kornell

Abflug nach Schiltern? Modellbauer sagen „Ade“. Erlebnisgärtner Reinhard Kittenberger will in Schiltern mit einem Investor eine „Modellbahnwelt“ auf die Beine stellen, die Garser „Bastler“ sollen dort einziehen.

Erlebnisgärtner Reinhard Kittenberger will in Schiltern eine Modellbahnwelt errichten.  |  NOEN, Foto: H. Lechner

Vor einem „Abflug“ aus Gars und einer „Landung“ in Schiltern steht der Modellbauverein Gars. Die letzten Gespräche stehen noch aus, aber dass die Reise nach Süden gehen wird, gilt als so gut wie fix.

„Auch Gemeinde und EVN wollen ihr Geld“

Seit gut acht Jahren werken die Modellbauer im zweiten Stock des ehemaligen Buhl-Baumarkts, wo ihnen vom Besitzer, der Immobilien GmbH, zu deren Gesellschafter unter anderem Nationalrat Werner Groiß gehört, an die 700 Quadratmetern überlassen wurden.

„Ohne Miete“, wie Groiß betont und wie auch Vereinsobmann Bernhard Smöch bestätigt. „Es waren nur die Betriebskosten zu bezahlen.“

Laut Groiß sei der Besitzer dem Verein ohnehin sehr großzügig entgegengekommen, „doch auch die Gemeinde und die EVN wollen ihr Geld“. Die genannten Betriebskosten beliefen sich immerhin auf 25.000 Euro im Jahr. „Und das ist für den Verein nicht weiter finanzierbar“, wie Smöch erklärt.

Hatten die Vereinsmitglieder selbst schon eigenes Geld für diese Ausgaben berappt, griff Modellbau-Fan Max Hengl, der dort auch einen Shop betreibt, dem Verein großzügig unter die Arme und brachte die Differenz auf diesen Betrag auf.

„Aber ich will nicht mehr“, erklärt er auf NÖN-Anfrage und versichert, dass es keine wie immer gearteten Differenzen mit dem Verein gegeben habe, der (finanzielle) Rückzug aus ganz persönlichen Interessen erfolge.

Zukunft der Modellbauer liegt in Schiltern

Den Abgang könne auch eine Unterstützung seitens der Gemeinde nicht verhindern, um die man angesucht habe. „Im Gemeindevorstand sind schon 4.000 Euro beschlossen worden“, weiß Bürgermeister Martin Falk, „Aber bevor er noch in die Gemeinderatssitzung gekommen ist, wurde er zurückgezogen.“

„Aber nicht schriftlich“, erklärt Smöch, wobei jedoch Hengl einräumt, dass man die Gemeinde habe wissen lassen, dass man vorläufig davon zurücktrete, weil die Zukunft des Vereins in Gars unsicher sei und man nicht ungerechtfertigt um eine Subvention ersuche.

Diese Zukunft könnte also jetzt in Schiltern liegen, genauer gesagt bei Reinhard Kittenberger und seinen weithin bekannten Erlebnisgärten. Die will er um eine weitere Attraktion bereichern. Er bezeichnet sie als „Vision Schiltern 2020“ und kann sich vorstellen, dass in die neue „Modellbahnwelt“ die Garser gleichsam mit Sack und Pack in eine noch zu errichtende etwa 1.300 m Halle einziehen.

„Die Übersiedlung des Modellbauvereins von Gars
nach Schiltern ist eine klare win-win-win-Situation.“
Modellbauer Max Hengl

„Ich mache das nicht selbst“, stellt Kittenberger klar, „ich sorge nur für einen Investor, der das Projekt realisiert.“ Der scheint auch gefunden zu sein, denn sonst hätte man keine Machbarkeitsstudie in Auftrag gegeben. „Es schaut gut aus“, gibt Kittenberger zu, „2016 könnten wir starten.“

Insider wollen wissen, dass die „Modellbahnwelt“ zum einen auf schon vorhandene Bauten der Garser wie das St. Pöltner Regierungsviertel, das Volksfest Krems, der Kletterfelsen bei Dürnstein zurückgreift, zum anderen etwa die Mariazellerbahn oder das Loisium Langenlois neu gebaut werden – und natürlich ebenfalls mit vielen detailgetreuen Nachbildungen.

„Das wäre dann eine klare win-win-win-Situation“, meint Hengl. „Der Verein hätte ein neues, noch viel größeres Zuhause, Kittenberger eine neue Attraktion und schließlich ich selbst, weil ich finanziell dadurch entlastet werde.“