Altenburg

Erstellt am 11. August 2016, 04:32

von Rupert Kornell

Berührende Eröffnung zum Festival-Start. Im Stift Altenburg begann das Kammermusik Festival Allegro Vivo mit einer Uraufführung und dem Barber-Adagio „In memoriam Shirin Khadem-Missagh“.

Caroline Jestaedt war Solistin beim von Bijan Khadem-Missagh geleiteten Eröffnungskonzert von Allegro Vivo in Altenburg. Foto: Dieter Schewig  |  Dieter Schewig

Es gab wohl kaum einen Zuhörer in der voll besetzten Bibliothek des Stiftes Altenburg beim Eröffnungskonzert des 38. Internationalen Kammermusik Festivals Allegro, der nicht von der berührenden Innigkeit des ersten Teils und dem rhythmischeren nach der Pause gefangen gewesen wäre.

Pater Hüttl: „Dann ist wirklich Sommer!“

Doch der Reihe nach: In der Einführung wies Geschäftsführer Nikolaus Straka auf den Abschluss der 25 Jahre dauernden musikalischen Reise vom Fernen Osten über Europa und nun nach Amerika zu „Neuen Horizonten“, dem Thema des diesjährigen Festivals, hin, auf eine Uraufführung und auf Shirin Khadem-Missagh, die Gattin des Maestros Bijan, die „Seele des Festivals“, die im Frühjahr viel zu früh verstorben ist.

Michaela Reingruber war Solistin beim von Bijan Khadem-Missagh geleiteten Eröffnungskonzert von Allegro Vivo in Altenburg. Foto: Dieter Schewig  |  Dieter Schewig

Pater Michael Hüttl („Wenn Allegro Vivo hier bei uns ist, dann ist wirklich Sommer!“) forderte auf, während des Konzerts die Gedanken darauf zu richten, dass erst, wenn wir selber neu werden, auch die Welt neu werden kann. Und Landesrätin Barbara Schwarz fand Worte des Dankes für alle, die das Festival möglich gemacht haben, und des Lobes für die großartigen Konzerte, bei denen die Zuhörer immer wieder mit Neuem konfrontiert werden.

Nicht nur Uraufführung war viel bejubelt

Den Auftakt machte die Academia Allegro Vivo unter der gewohnt souveränen Leitung des Festivalgründers und -leiters Bijan Khadem-Missagh mit Igor Strawinskys „Concerto in D“. Der gebürtige Russe schrieb dieses Werk 1946 in Hollywood, womit die erste Verbindung zum Leitthema hergestellt war.

Gelang schon das erste Stück bravourös, verursachte das zweite, Samuel Barbers „Adagio für Streichorchester“, Gänsehaut – und eine gewisse Beklemmung, war es doch Shirin Khadem-Missagh gewidmet. Erstmals – und völlig zu Recht – verzichtete das Publikum auf Applaus, gab ihn aber bei Heitor Villa-Lobos‘ „Bachianas Brasileiras“ mit der ausgezeichneten Sopran-Solistin Carolina Jestaedt umso enthusiastischer und steigerte ihn noch bei „Jayeechi“, einem Konzertstück für Saxophon (fabelhaft-virtuos Michaela Reingruber), Percussion (Joachim Murnig) und acht Celli von Alejandro del Valle-Lattanzio. Der in Wien lebende Kolumbianer holte sich die Inspiration für dieses erstmals aufgeführte Auftragswerk von den Wayuu, einem indogenen Volksstamm seiner Heimat.

Den vielbejubelten Abschluss bildete „Amerikanisches“ von Antonin Dvorak, der Musik seiner Heimat mit jener der Neuen Welt zu verbinden wusste.