Altenburg

Erstellt am 05. November 2017, 05:14

von Martin Kalchhauser

Scheidender Abtpräses hat keinen „Pensions-Schock“!. Interview: Der scheidende Abtpräses der Benediktiner, Christian Haidinger, über bereichernde und lehrreiche acht Jahre an der Spitze und anstehende Herausforderungen für den Orden.

Der scheidende Abtpräses Christian Haidinger (Dritter von links) mit dem neuen Team an der Spitze der Benediktiner: P. Daniel Sihorsch (Kremsmünster), Erster Assistent Abt Petrus Pilsinger (Seitenstetten), Nachfolger Abtpräses Johannes Perkmann (Michaelbeuern), Zweiter Assistent Erzabt Korbinian Birnbacher (St. Peter, Salzburg) und Prior Laurentius Eschlböck (Schottenkloster Wien, von links).    |  Martin Kalchhauser

Der Altenburger Altabt Christian Haidinger (73) hat ein Amt weniger. Beim Konvent der österreichischen Benediktiner im Kloster Frauenchiemsee (Bayern) wurde der Abt des Klosters Michaelbeuern (Land Salzburg), Johannes Perkmann (49), zu seinem Nachfolger gewählt. Die NÖN sprach mit dem Benediktiner, der nun (voraussichtlich bin 2019) nur noch ein überregionales Amt, den Vorsitz der Superiorenkonferenz, innehat.

NÖN: Wie fällt Ihre Bilanz über acht Jahre an der Spitze der österreichischen Benediktiner aus?
Haidinger: Es ist schwierig, im Rückblick von „Bilanz“ zu sprechen. In unserem benediktinischen Selbstverständnis ist jedes Kloster autark, jeder Abt für seinen Konvent und dessen Aktivitäten verantwortlich. Kirchenrechtlich sind die Klöster weltweit in 19 Kongregationen zusammengefasst. Der Abtpräses leitet und präsentiert die Kongregation. Er ist der Kontaktmann hin zum Abtprimas in Rom. Zu seinen Aufgaben gehört auch die kirchenrechtlich alle sechs Jahre vorgeschriebene Visitation, und er steht den Abtwahlen in den Klöstern vor, wird zudem manchmal beratend in schwierigen Situationen beigezogen. Dankbar blicke ich auf diese Jahre zurück. Vieles war für mich sehr bereichernd und lehrreich.

Was ist Ihnen bzw. den Benediktiner in der Zeit gut gelungen?
Haidinger:
Als Benediktiner sind wir in der Kirche Österreichs gut integriert, vor allem durch unsere pastoralen Schwerpunkte in der Pfarrseelsorge und die Klosterschulen. Unser pastorales Engagement wird geschätzt. Mit der Kirche Österreichs sind wir auf der Suche nach neuen Wegen in den Herausforderungen der Gegenwart und nächsten Zukunft, vor allem, was die Sicherstellung der Pfarrseelsorge anbelangt. Der Mangel an jungen Mitbrüdern ist zum Teil sehr bedrückend, dennoch spüre ich keine Resignation. Gerade durch die lange und wechselvolle Geschichte einzelner Klöster – mit vielen Auf und Abs – sind wir ermutigt und ermächtigt, uns den neuen Herausforderungen zu stellen.

Was sind die wichtigsten Aufgaben oder Maßnahmen, die Ihr Nachfolger in Angriff nehmen muss?
Haidinger:
Wir stehen vor großen – übrigens weltweiten – Veränderungen und Herausforderungen. Die österreichische Benediktinerkongregation mit ihrem neuen, jugendlich agilen Abtpräses Johannes Perkmann ist auf einem guten Weg und wird sich diesen Herausforderungen kreativ und hoffnungsvoll stellen. Die Frage der kleiner werdenden Kommunitäten bei wachsenden Aufgaben zählt gewiss zu den schwierigsten Fragen. Dafür gibt es aber keine Patentantworten.

Welchen auf Ihrer Erfahrung basierenden Rat würden Sie Ihrem Nachfolger mitgeben?
Haidinger: Von drei Leitsätzen, die uns Papst Franziskus für das „Jahr der Orden“ im Jahr 2015 mitgegeben hat, habe ich mich ermutigen und motivieren lassen – und diese immer wieder auch weitergegeben: Dankbar in die Vergangenheit schauen, die Gegenwart mit Leidenschaft leben und die Zukunft voll Hoffnung ergreifen!

Wie werden Sie Ihr Mehr an Freizeit nützen?
Haidinger: Meine wichtigste „Freizeit“ ist eine kurze Siesta, die ich mir gönne, wann immer es möglich ist. Ich stelle mich den Aufgaben als Vorsitzender der Superiorenkonferenz der männlichen Orden Österreichs. Da tauchen immer wieder auch neue Aufgaben auf. Seit ich nicht mehr amtierender Abt bin, nehme ich auch die Einladung zur Begleitung von Exerzitien für Ordensleute an und bin für 2018 schon „ausgebucht“. Ich habe wirklich keine Angst vor einem Pensions-Schock …