Erstellt am 20. April 2016, 05:34

von Thomas Weikertschläger

Bauen und Wohnen: „Leute in Region halten“. Gemeinden sehen in Infrastruktur wie Franz-Josefs-Bahn Vorteil im Rennen um Bauwillige.

Informierten sich bei Kurt Liball (WAV), Bürgermeister Hermann Gruber (von links) und Vizebürgermeister Karl Erdinger (rechts) über das aktuell geplante Reihenhausprojekt der Waldviertler Siedlungsgenossenschaft in Irnfritz: Kartin Mölzer, Sigrid Zimmermann und Silvia Selzer (von links). Foto: Thomas Weikertschläger  |  NOEN, Thomas Weikertschläger

Die Absiedlung von Betrieben, Schließungen oder Abbau von Stellen in öffentlichen Einrichtungen werden gerne als Gründe für die Abwanderung besonders junger Menschen aus dem Waldviertel genannt. Auf der anderen Seite beweisen Wohnbauprojekte in fast allen Gemeinden des Bezirks, dass unsere Region als Wohnraum weiter sehr attraktiv ist.

So verwirklichte etwa die Walviertler Siedlungsgenossenschaft (WAV) in den vergangenen Monaten Projekte in Straning, Eggenburg, Gars, Langau und Brunn und hat auch für die Zukunft (siehe Seite 3 der dieswöchigen Horner NÖN-Printausgabe) einiges geplant.

Die Vorstellung des Projektes in Irnfritz (12 Reihenhäuser sind in Planung) nahm die NÖN als Anlass, auch einen Blick auf das Bauplatz-Angebot im Bezirk Horn zu werfen.

Preise von 6 bis 35 Euro pro Quadratmeter

Während Bauplätze, die in privater Hand sind, derzeit kaum zu haben sind, bieten fast alle Gemeinden des Bezirks Bauplätze an.

Die Bandbreite der Preise ist dabei groß. Während man etwa in Japons, Drosendorf, Röhrenbach, Langau, Pernegg, Röschitz und Weitersfeld mit Preisen bis 10 Euro pro Quadratmeter günstig dabei ist, liegt Eggenburg mit Preisen ab 35 Euro an der Spitze.

In Gars und der Bezirkshauptstadt Horn gibt es allerdings derzeit keine Bauplätze seitens der Gemeinde, hier wären vermutlich noch höhere Preise fällig. Für Gars ist allerdings laut Bürgermeister Martin Falk geplant, demnächst wieder an ein Projekt heranzugehen.

Nachfrage nach Baugründen hoch

Und die Nachfrage nach Baugründen ist trotz oft negativer Stimmung und Abwanderungs-Debatte in vielen Gemeinden hoch. In Irnfritz etwa entstehen neben der geplanten Reihenhausanlage sechs weitere Baugründe. Bürgermeister Karl Gruber: „Fünf davon haben wir in den ersten Monaten des Jahres schon verkauft. Wir sind aber auch bemüht, in allen anderen Katastralgemeinden Gründe für Menschen anzubieten, um sie in der Region zu halten.“

In Drosendorf ist man – unter gewissen Auflagen – schon ab 6 Euro dabei. „Das gilt, wenn eine Familie mit zwei Kindern die Baugründe kauft“, erzählt Bürgermeister Josef Spiegl. Derzeit gibt es in Drosendorf noch zehn Bauplätze aus Gemeindehand, die Aufschließung weiterer Bauplätze ist geplant. Spiegl: „Derzeit gibt es zwar eine Nachfrage, sie ist aber nicht so hoch wie wir gerne hätten.“ Je weiter Gemeinden von Ballungszentren entfernt seien, umso schwieriger sei es, Bauwillige zu finden.

Ein Problem, das Eggenburg nicht hat. Für Bürgermeister Georg Gilli stellt – ähnlich wie in Irnfritz – die Lage an der Franz-Josefs-Bahn ein wichtiges Kriterium für die Bereitschaft junger Leute, in der Gemeinde zu bleiben oder sich hier anzusiedeln, dar.

„Die Situation für Pendler ist gut, man ist in einer Stunde in Wien“, meint er. Die Gemeinde habe – nachdem lange Mangel an geeigneten Baugründen herrschte – in den letzten Jahren in der Mozartstraße Möglichkeiten für Häuslbauer geschaffen. Auch wenn derzeit noch 12 Bauplätze bei der Gemeinde zu haben sind, so gibt es schon Pläne für weitere Aufschließungen, so Gilli.

Röhrenbach: Jugend setzte ein Zeichen

Eine „Zeit der Stagnation“ hat auch die Gemeinde Röhrenbach dank des Projektes „Dei Platzl am Land – Träumst du noch oder röhrenbachst du schon?!“ hinter sich.

Eine Gruppe der Landjugend nahm es in die Hand, ihren zukünftigen Lebensraum selbst zu gestalten – und trug so maßgeblich bei, attraktive Bauplätze zu schaffen. Daraus entwickelte sich ein 8.000 m2 großes neues Wohngebiet mit sieben Bauplätzen, von denen fünf bereits vergeben sind, wie Bürgermeister Gernot Hainzl nicht ohne Stolz erzählt.

Auch zwei Engländer, die in Horn wohnen, konnten so zu „Röhrenbachern“ gemacht werden. Mit Preisen um 7,27 Euro pro Quadratmeter – und dank der Nähe zu Horn – ist Röhrenbach wohl eine der attraktivsten Wohngemeinden des Bezirks.