Erstellt am 25. November 2015, 03:48

von Jutta Hahslinger

Weiße Weste erhielt Tupfer: Strafe für Führer. Ex-Stiftungsverwalter von Untreue-Vorwürfen im Zweifelfreigesprochen. Als Geschäftsführer setzte es Bewährungsstrafe.

Ein lachendes und ein weinendes Auge: Freisprüche und ein Schuldspruch für Edgar Führer. Foto: Martin Kalchhauser  |  NOEN, Martin Kalchhauser

Bis zuletzt beteuerte Edgar Führer, 75, vor einem Kremser Schöffensenat seine Unschuld. Der Pensionist wollte als ehemaliger Verwalter der Bürgerspitalstiftung und Leiter des Stephansheims in Horn keine Untreuehandlungen punkto Pachtverträge oder Mahlzeitenberechnung für Heimbewohner begangen haben.

Auch als Geschäftsführer der „Service Betriebe GmbH“, einer Tochterfirma der Stiftung, habe er keine Malversationen begangen.

Trio ließ Kuratorium im Unklaren

Nach einem umfangreichen Beweisverfahren in drei Verhandlungstagen stand zweifelsfrei nur eines mit Sicherheit fest.

„Die Stiftung betrieb über hunderte Jahre Pflegeheime. Nach der Arbeit des Verwalters Führer gibt es diese Stiftung in dieser Form nicht mehr. Mit der Gemeinnützigkeit ist es vorbei. Die Stiftung besteht nur mehr aus Wiesen und Feldern“, brachte es Staatsanwalt Franz Hütter drastisch auf den Punkt.

Das Pflegeheim ging in andere Hände über. Wie es dazu kommen konnte: Hauptakteure waren ein gelernter Drucker als Stiftungsverwalter, ein Uhrmacher, der nach nur einem Buchhaltungskurs die Bücher führte, und ein Steuerberater. Ein Trio, das dem Stiftungskuratorium Sand in die Augen streute und es über die wahre finanzielle Situation im Unklaren ließ.

Die Kuratoren wurden über die ruinöse Finanzsituation nicht ausreichend informiert und konnten deshalb auch nicht reagieren und gegensteuern. Der Untergang – Stiftung am Rande der Zahlungsunfähigkeit – war nur eine Frage der Zeit.

Untreue mit Schaden von 28.172 Euro

„Misswirtschaft ja, aber wissentlicher Befugnismissbrauch ist dem Angeklagten zweifelsfrei nicht nachweisbar“, befand der Schöffensenat, und er sprach Edgar Führer zu den Untreuevorwürfen als Stiftungsverwalter mit einem bezifferten Schaden von über 800.000 Euro im Zweifel frei.

Als Geschäftsführer der Service Betriebe GmbH, der eine Angestellte der Tochterfirma über Jahre für betriebsfremde Arbeiten (Tätigkeiten für das Hilfswerk Horn) eingesetzt hat, wurde Führer der Untreue mit einem Schaden von 28.172 Euro für schuldig befunden.

Richter Michael Marvan verhängte über den bislang unbescholtenen Pensionisten sechs Monate auf Bewährung. Führer mit Rechtsbeistand Alois Auterith erbat Bedenkzeit.

Ankläger Franz Hütter meldete hingegen sofort Rechtsmittel an. Das Urteil ist somit nicht rechtskräftig.