Erstellt am 27. Januar 2015, 09:48

von Martin Kalchhauser

Gemeinderatswahl: Liste als Wirbelwind. Windparkgegner schafften in Sigmundsherberg vier Mandate. ÖVP weiter in allen 20 Gemeinden fest im Sattel.

Alle 20 Bürgermeister bleiben dank 20 absoluter Mehrheiten in der Hand der ÖVP. Bezirksgeschäftsführer Herbert Gswchweidl, Johann Glück (Geras), Franz Göd (Sigmundsherberg), Stadträtin Gerda Erdner (Horn), Albert Holluger (Straning-Grafenberg) und Leopold Winkelhofer (Burgschleinitz-Kühnring, von links) präsentierten die Ergebnisse.  |  NOEN, Kalchhauser

Für Spannung war bei der Gemeinderatswahl im „tiefschwarzen“ Horn (die ÖVP hält in allen 20 Gemeinden die absolute Mehrheit) diesmal in Sigmundsherberg gesorgt. Die Bürgerliste (BLS), ein Zusammenschluss von Gegnern eines hier geplanten Windparks, sollte für die größte Überraschung des Wahlsonntags sorgen (im Bild links: Listenführer Peter Hasenberger).

Zuletzt hatte sogar ÖVP-Bürgermeister Franz Göd um seine mit 12:7 Mandaten abgesicherte Mehrheit gebangt. Doch die BLS holte ihre Stimmen für vier Mandate (!) großteils von der SPÖ, die in der Eisenbahnergemeinde beinahe halbiert wurde und nun ebenfalls nur mehr vier Sitze hält.

ÖVP hielt in allen Gemeinden die „Absolute“

Auch wenn es nicht überall so dramatisch war wie in Sigmundsherberg: Bis auf wenige Lichtblicke bietet das Ergebnis der Gemeinderatswahl am Sonntag für die SPÖ keinen Grund zur Freude.

Die ÖVP hatte im Bezirk Horn nicht nur zwanzig absolute Mehrheiten, sondern auch einen extrem hohen Mandatsanteil von 76 Prozent zu verteidigen. Diese beiden Ziele wurden erreicht. „Das freut mich irrsinnig, denn normalerweise ist zu befürchten, dass neue Gruppen der Mehrheitsfraktion mehr wegnehmen werden“, meint Bezirksparteiobmann Jürgen Maier zum Resultat der Wahl am Sonntagabend. „Man merkt aber an unseren Ergebnissen, dass die Bürgermeister gute Arbeit geleistet haben, was die Leute zumindest bei uns am Land auch wirklich noch schätzen.“

Auch Wähler, die bei überregionalen Wahlen ihr Kreuz bei einer anderen Gruppe machen, konnten auf Gemeindeebene für die ÖVP gewonnen werden. Ein paar Ergebnisse freuen Maier natürlich besonders. „In Sigmundsherberg wurde das wahltaktische Spielchen des Herrn Treiber abgestraft. Die Bürger haben aber klar bewiesen, dass sie Bürgermeister Franz Göd wollen.“

Horner ÖVP behauptet Vormachtstellung

In der Stadt Horn konnte die ÖVP ihre Vormachtstellung mit 19 der 29 Mandate halten. Eine Freude ist für Maier auch das Abschneiden der ÖVP in Gars am Kamp, wo das Team Falk-Gröschel zugeschlagen habe und die SPÖ „eine auf den Deckel“ bekommen habe. Die Fünffach-Meldung und Dreifach-Kandidatur des SPÖ-Bezirkschefs Josef Wiesinger sei für dessen Partei ein Nachteil gewesen.

„Die Leute können sehr wohl eins und eins zusammenzählen und fragen sich, was er eigentlich will.“ Auch Bürgermeister Georg Gillis Eggenburger Ergebnis ist beachtlich, und auch in Japons habe sich Bürgermeister Karl Braunsteiner gut gehalten. „Die Leute wollen hören, wofür man ist, und nicht nur immer wogegen.“

Die ÖVP bleibt also weiterhin dominierend (274 der 362 Mandate) und stellt wieder alle Bürgermeister. Die SPÖ schrumpfte nach dem Debakel 2010 weiter (61) – das können auch einzelne kleine Gewinne nicht beschönigen. FPÖ und Grüne geben nur Statisten ab.

Zuletzt hatte es im Wahlkampf noch Aufregung gegeben, weil in Röhrenbach, wo 2010 die ÖVP allein angetreten war, durch einen Fehler des Gemeindesekretariats an Briefwähler alte Stimmzettel ausgeschickt worden waren. Diesmal kandidierte aber auch die SPÖ. Nach der Überprüfung aller Zettel für den Wahlsonntag und einem klaren Ergebnis von 14:1 wird die SPÖ die angekündigte Wahlanfechtung wohl noch einmal überdenken.

Für SPÖ-Bezirksvorsitzenden Josef Wiesinger (Zweiter von links) war das Wahlergebnis »durchwachsen mit einigen Enttäuschungen«. Dazu zählte auch der Mandatsverlust für die Horner SPÖ mit Jürgen Rochla und Johanna Leithner. Über ein Mandat mehr dürfen sich Josef Heimberger (Geras) und Johann Hirsch (Weitersfeld, von rechts) freuen.

Wiesinger: „Ergebnis ist durchwachsen!“

Als „durchwachsen“ bezeichnet SPÖ-Bezirksvorsitzender Josef Wiesinger das Wahlergebnis, wobei es auch einige Enttäuschungen, speziell in Horn und Sigmundsherberg, gegeben habe. „Dass Jürgen Rochla mit zwei Mandaten weniger so abgestraft wurde, hat er sich nicht verdient, auch er hat die letzten fünf Jahre unermüdlich gearbeitet.“ In Sigmundsherberg hätten die Windkraftgegner ihre Stimmen eher von der SPÖ als von der ÖVP geholt, was dort zum schmerzlichen Verlust von drei Mandaten geführt habe.

Er freue sich allerdings für die Gemeinden Brunn, Geras und Irnfritz-Messern, dass die SPÖ hier einen zusätzlichen Sitz im Gemeinderat geholt habe, besonders aber für Röhrenbach, wo nach 30 Jahren wieder ein Sozialdemokrat vertreten ist.

An der Arbeit der SPÖ werde sich auch in den nächsten fünf Jahren nicht viel ändern: „Die einen Bürgermeister sind kooperativer, die anderen nicht.“


Zitate

„Man wechselt seine Meinung nicht wie die Unterhosen. Das wurde bei der SPÖ Sigmundsherberg abgestraft.“ ÖVP-Bezirksparteiobmann Jürgen Maier

„Mit seinen Zweitwohnsitzer-Spielchen hat Josef Wiesinger seiner Partei einen Bärendienst erwiesen.“
derselbe

„Wir werden schauen, was die neuen Blauen in Horn können und ob sie eins und eins zusammenzählen können.“ derselbe

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