Horn

Erstellt am 18. August 2016, 05:33

von Thomas Weikertschläger

Ernte: „Liegen EU-weit im Spitzenfeld!“. Bauern des Bezirks Horn fuhren überdurchschnittliche Ernte ein, befürchten aber niedrige Preise.

Auch, wenn die Bauern des Bezirks mit der heurigen Ernte zufrieden sind: Bei den Erntearbeiten selbst machte den Landwirten häufig das Regenwetter einen Strich durch die Rechnung. So auch Christoph Hofer beim NÖN-Foto-Termin am Sonntag-Nachmittag auf seinem Feld zwischen Goggitsch und Dallein. Nach 20 Metern war hier für den Mähdrescher deshalb Endstation, da sich das niedergedrückte Getreide nicht mähen ließ.  |  NOEN, Weikertschläger

Auch, wenn die Bedingungen während der Ernte heuer durch die vielen Niederschläge im Sommer keine einfachen wahren: Die Bauern des Bezirks Horn blicken zufrieden auf die – noch nicht gänzlich abgeschlossene – Ernte zurück. Bei der Menge werde man leicht über dem Durchschnitt liegen, erklärt Bezirksbauernkammer-Obmann Herbert Hofer.

Große finanzielle Gewinne warten dennoch nicht

Im Pro-Hektar-Ertrag werde man den Vorjahreswert bei Roggen (4,8 Tonnen) und Winterweizen (5,5 Tonnen) übertreffen, ergänzt BBK-Sekretär Leopold Weiß. Was die Qualität betrifft, liege der Protein-Gehalt des Getreides zwar etwas tiefer als im Vorjahr, das beeinträchtige die Verarbeitungsqualität des Korns aber nicht.

Den internationalen Vergleich brauche man daher nicht zu scheuen: „Im Vergleich mit anderen EU-Regionen liegen wir heuer sicher im Spitzenfeld“, so Hofer. Die genauen Qualitätsprüfungen seitens der Lagerhäuser stünden aber noch aus, meint Weiß.

Auf große finanzielle Gewinne dürfen sich die Bauern aber trotz der guten Mengenergebnisse nicht freuen. Weiß erwartet, dass die Anzahlungspreise, die Ende August von den „Getreide-Märkten“ fixiert werden, unter jenen des Vorjahres liegen werden. „Angebot und Nachfrage bestimmen den Preis. Gibt es mehr Getreide, sinkt natürlich der Preis“, so Weiß.

Als besonderes Beispiel nannte er dabei den Dinkel. Hier wurde heuer die Anbaufläche wesentlich erweitert, durch die guten Erträge „fällt der Preis ordentlich“, so Weiß. Auch beim Weizen ist eine ähnliche Entwicklung zu erwarten.

Probleme im Osten des Bezirks, etwa beim Raps

Unterschiede gebe es aber zwischen konventionellen Betrieben und Bio-Betrieben. Durch die vielen Niederschläge seien die Pflanzen heuer mit „Rost- und Pilzkrankheiten“ konfrontiert gewesen. Diese beeinflussen zwar die Qualität der verarbeiteten Produkt nicht und wirken sich nicht auf die Qualität des Korns, aber auf das Wachstum der Pflanzen aus.

„Im Bio-Bereich hat man keine Möglichkeiten, diese Krankheiten zu behandeln“, erklärt Hofer. Auch gegen die durch den Niederschlag stärkere „Verunkrautung“ könne man im Bio-Bereich weniger gut vorgehen. „Daher war die heurige Saison für Bio-Bauern noch herausfordernder“, meint Weiß.

Aber auch was die geografische Lage betrifft, gibt es Unterschiede. Währen die Region um Irnfritz und Röhrenbach in heißen Sommern begünstigt ist, so gebe es hier heuer aufgrund der Nässe Probleme. Neben dem Zeitdruck (aufgrund der Wetterbedingungen gab es nur wenige Tage Zeit zur Ernte) tritt das Problem der Bewirtschaftung der feuchten Böden. Mit modernen Erntemaschinen werde der Boden „verdichtet“, was sich langfristig negativ auf den Boden auswirke, so Weiß.

Probleme habe es auch im Osten des Bezirks etwa beim Raps gegeben. In der Region von Lehndorf bis Röschitz liege der Ertrag mit rund 2,5 Tonnen pro Hektar klar hinter dem Vorjahreswert von 3,2 Tonnen. Hier hätten sich neben dem Hagel im Sommer auch die Minusgerade im Frühjahr ausgewirkt.

Winzer hoffen noch auf zwei warme Wochen

Was den Weinbau betrifft, ist der Röschitzer Winzer Franz Stift „guter Hoffnung“, dass es ein gutes Jahr wird. Die Minusgrade im Frühjahr hätten sich nur wenig ausgewirkt, der Hagel habe hingegen rund ein Drittel der Weinbau-Fläche in Mitleidenschaft gezogen. „Einzelne Lagen sind mit bis zu 70 Prozent Ausfall betroffen“, so Stift. Durch die hohe Feuchte sei auch im Weinbau der „Pilzdruck“ groß gewesen, man habe die Situation aber im Griff.

Für den August hofft Stift noch auf zwei warme Wochen, dann würde die Ernte, die für Oktober geplant ist, gute Weine ermöglichen. Im Vorjahr musste aufgrund der Hitze schon im September geerntet werden, weil sonst der Zuckergehalt in den Trauben – und damit der Alkoholgehalt im Wein – zu hoch geworden wäre.

Für Aussagen zur Ernte bei anderen Früchten wie Kürbis, Zwiebel, Erdäpfel oder Mais sei es laut Hofer noch zu früh.

Ernteflächen 2016:

Bezirk Horn (in Hektar)
Winterweizen   13.085 (+2%)
Roggen   1.733 (-6%)
Triticale   3.378 (+6%)
Dinkel   1.642 (+42%)
Wintergerste   923 (+12%)
Sommergerste   3.657 (-16%)
Hafer   697 (-13%)
Körnererbse   466 (-3%)
Winter-Raps   4.564 (+6%)
Körnermais   1.422 (-15%)
Silomais   1.876 (+7%)
Kartoffel   529 (+6%)
Grünbrache   1.872 (+3%)
Mariendistel   604 (-5%)
Ölsonnenblume   414 (-30%)
Ölkürbis   2.741 (+7%)
Ackerbohne   796 (-12%)