Erstellt am 06. April 2016, 05:24

von Thomas Weikertschläger

Bio-Landwirtschaft: Aus „Vögeln“ wurden „Pioniere“. Ein Viertel aller Betriebe des Bezirks Horn setzt bereits auf Bio. Dennoch machte nun ein wichtiger Betrieb dicht.

„Mit gutem Gewissen Gutes genießen!“ Die Pernegger BIO-Bauern Peter, Elisabeth und Stefan Spitaler konnten sich mit ihren Produkten einen Kundenstamm aufbauen, der die Vorzüge biologisch produzierter Lebensmittel zu schätzen weiß.  |  NOEN, Weikertschläger

„Als wir begonnen haben, wurden wir als Vögel bezeichnet. Jetzt nennt man uns anerkennend Pioniere“, fasst der Pernegger Peter Spitaler, der seit über 30 Jahren seinen Hof gemeinsam mit Frau Elisabeth und Sohn Stefan als Bio-Bauer bewirtschaftet, die Entwicklung der öffentlichen Wahrnehmung der Bio-Landwirtschaft in den letzten Jahrzehnten zusammen.

Die Nachfrage nach – und auch das Bewusstsein für – biologisch produzierte Produkte habe in den letzten Jahren großen Aufschwung erfahren.

Auch Herbert Hofer, Obmann der Bezirksbauernkammer Horn, ortet im Bio-Bereich rege Kundennachfrage, wenngleich es große Unterschiede zwischen den einzelnen Sparten gebe.

Während die Nachfrage im Milchbereich nach wie vor hoch sei, gebe es im Schweinefleischbereich noch Aufholbedarf. „Da liegt der Wert unter 2 Prozent“, so Hofer, der weiter meint: „In Umfragen geben viele Konsumenten an, dass ihnen Bio und Regionalität wichtig sind. Es wäre schön, wenn sich das an der Supermarktkassa widerspiegeln würde.“

Persönliche Gründe: Aus für den Meierhof

Dass es einen Markt für Produkte gibt, beweise auch die steigende Zahl an Bio-Betrieben. Im Bezirk Horn beträgt der Anteil der Bio-Betriebe (310) knapp 25 Prozent, flächenmäßig liegt der Bio-Anteil sogar noch etwas höher, weil „fast alle Groß- und Gutsbetriebe auf Bio umgestellt haben“, erklärt Hofer.

Damit firmiere der Bezirk Horn landesweit im Spitzenfeld. Stolz sei er auch darauf, dass es im Bezirk Horn – im Gegensatz zu anderen Gebieten – ein funktionierendes Miteinander zwischen Bio- und konventioneller Landwirtschaft gebe: „Wir haben in beiden Bereichen vernünftige Leute, die sich gegenseitig nicht schief anschauen. Wünschenswert wären für beide einfachere Umstände.“

Auch wenn der Bio-Bereich also weiter im Aufschwung ist, stellten Helma Hamader und Sepp Ehrenberger nach 15 Jahren „Meierhof“ die Verarbeitung des von ihnen angebauten Urgetreides in ihrem Betrieb in St. Bernhard mit Ende März ein. Vor 20 Jahren begannen sie, mit Urgetreide zu experimentieren. Verarbeitet und vermarktet haben sie ihre Produkte selbst.

„Wir sind Bauern und keine Landwirte“

Als Grund für das Ende nannte Hamader nicht wirtschaftliche Aspekte, sondern ihre persönliche Situation: „Ich habe einen Hauptberuf und drei Kinder im Teenageralter. Dieser Betrieb kostet zu viel Kraft, um ihn nebenbei zu führen.“ Auch die Rahmenbedingungen wie das Lebensmittelgesetz oder ein ausgeklügeltes Warenwirtschaftssystem würden ein hauptberufliches Führen eines derartigen Betriebes erfordern.

Die Entscheidung falle schwer, weil Verkaufs- und Umsatzentwicklung positiv seien: „Der Bio- und Demeterbereich ist im Kommen. Es gibt große Nachfrage nach diesen Produkten“, so Hamader, die aber weiterhin Urgetreide anbauen möchte. Unter dem Markenbegriff „Demeter“ versteht man Produkte, die nach dynamisch-organischen Gesichtspunkten erzeugt wurden. Das bedeutet, dass der Bauer seine Arbeit an die Bedingungen des jeweiligen Hofes anpasst und seinen Hof als Betriebsorganismus versteht.

Dass die Bürokratie mit Kennzeichnungs- und Etikettierungsvorschriften immer mehr Zeit in Anspruch nehme, bestätigen die Spitalers. Für sie macht das aber dennoch Sinn, schaffe man damit doch Transparenz und mache die Entstehung der Produkte nachvollziehbar. Stefan Spitaler: „Die Kunden wollen sehen, wo die Produkte herkommen. Wir kennen fast alle unsere Kunden persönlich. Dass die meisten davon Stammkunden sind, ist die ,schönste Ernte‘, die man als Bauer einfahren kann.“

Und auch die Bezeichnung als „Bauern“ ist den Spitalers wichtig. „Wir sind keine ,Landwirte‘, die ihr Land als Wirtschaftsfaktor sehen. Es geht darum, den Boden nicht auszubeuten. Man muss den Boden in Ordnung halten. Nur dann kann er ein gesundes Fundament sein, auf das man die Produktion gesunder Lebensmittel aufbauen kann“, meint Elisabeth Spitaler.

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