Erstellt am 27. April 2016, 03:54

von Martin Kalchhauser und Rupert Kornell

„Blaues Wunder“: FPÖ nach Triumph siegessicher. Hofer holte in schwarzer Hochburg 35,5 %. Parteichef Kofler: „Am 22. Mai sind wir Bundespräsident!“

Gemischte Gefühle in der ÖVP-Zentrale: Bürgermeister Josef Gumpinger, Vize Petra Zach und Gemeindeparteiobfrau Christine Stöger, Bürgermeister Johann Glück (Geras), Gemeindesekretärin Monika Neumeister und Bürgermeister Franz Huber aus Pernegg, der Japonser Vize Eduard Kranzl, Bezirksparteiobmann Jürgen Maier sowie Vize Karl Erdinger und Bürgermeister Hermann Gruber aus Irnfritz-Messern (von links). Foto: ÖVP/Herbert Gschweidl  |  NOEN, ÖVP/Herbert Gschweidl
Einen Erdrutsch Richtung „Blau“ erlebte der tiefschwarze Bezirk am Sonntag. 35,5 % der Wähler gaben ihre Stimme für Norbert Hofer ab. In keiner Gemeinde lag der FPÖ-Kandidat unter 27 %.

Lediglich in fünf Kommunen konnte ÖVP-Kandidat Andreas Khol einen Sieg einfahren – was im bei allen Wahlen „tiefschwarzen“ Bezirk einem Erdbeben gleichkommt.

„Eine ,g’mahde Wies’n ist das noch nicht“

„Beim Ergebnis braucht man nichts schönreden. Auch wenn die Freiheitlichen das jetzt ihrem Kandidaten zuschreiben, war das eine Abrechnung mit der Bundesregierung“, ist ÖVP-Bezirkschef Jürgen Maier vom Abschneiden des ÖVP-Spitzenkandidaten enttäuscht. „Er ist gut und hat sich dieses Resultat nicht verdient.“

Für den zweiten Wahlgang ist für Maier alles offen: „Wir sollten uns jetzt nicht auf irgendeine Seite schmeißen. Von einer Wahlempfehlung der ÖVP würde ich abraten, und ich werde auch keine abgeben.“

Der Jubel im FPÖ-Büro kannte keine Grenzen. „Ich bin wahnsinnig froh über das beste Ergebnis, das wir bei einer Wahl je gehabt haben. Viele Wähler hatten den Mut, einmal anders zu wählen“, meinte FPÖ-Bezirkschef Klemens Kofler und gibt sich auch für die Stichwahl siegessicher: „Am 22. Mai sind wir Bundespräsident!“

Den Optimismus teilt auch Stadtparteichef Ronald Zöchmeister: „Eine ,g’mahde Wies’n ist das noch nicht, aber wenn man wieder mobilisieren kann, wird es gut gehen. Man darf sich auch auf diesem historischen Ergebnis nicht ausruhen!“

SPÖ und Grüne vom Ergebnis enttäuscht

Für SPÖ-Bezirksvorsitzenden Josef Wiesinger kommt der Hofer-Sieg nicht überraschend: „Die FPÖ hat alles auf das Thema Flüchtlinge ausgerichtet und damit gepunktet.“

Das Ergebnis im Bezirk liegt für ihn „in der landesweiten Norm“. Es zeigt, dass die Wähler allgemein mit der Politik nicht zufrieden sind. Mit nicht einmal zehn Prozent im Bezirk für „seinen“ Kandidaten Rudolf Hundstorfer habe er nicht gerechnet. „Er hat sein Bestes gegeben, sich um einen sachlichen Wahlkampf bemüht, aber die Flüchtlingsdebatte hat ihm geschadet.“

„Enttäuscht von über 30 % für Hofer“, ist Walter Kogler von den Grünen. „Selbst Protestwähler hätten ja auch andere Möglichkeiten gehabt!“ Er vermutet, dass sich zu viele Grün-Sympathisanten aufgrund der Prognosen zu siegessicher waren. „Ich glaube aber, dass es am 22. Mai zu schaffen ist.“