Eggenburg

Erstellt am 11. August 2016, 05:22

von Martin Kalchhauser

Trauer um Theatermacher Karl „Carlo“ Frank. Gründer der Theatergruppe der Stadt Eggenburg gab 30 Jahre lang den Ton an. Hauptschullehrer wagte 1992 sogar einen Ausflug in einen Profi-Betrieb.

Karl „Carlo“ Frank beim 40-Jahr-Jubiläum der Theatergruppe Eggenburg (2014) mit seiner Nachfolgerin an der Spitze des Vereins, Elfriede Jordan (rechts), und der Schauspielerin Brigitte Zach, die mit vielen Inszenierungen als Regisseurin sein Werk fortführt. Foto: Martin Kalchhauser  |  Martin Kalchhauser

Nur wenige haben einen Verein so sehr geprägt wie Karl „Carlo“ Frank, der sein Leben ganz dem Theater verschrieben hatte. Der Gründer und langjährige Obmann der Theatergruppe der Stadt Eggenburg starb 76-jährig am 6. August nach kurzer, schwerer Krankheit in seinem Haus in der Wolfkersbühelstraße.

Als Student mit dem Theater-Virus infiziert

Eigentlich sollte der gebürtige Eggenburger Pfarrer werden und besuchte nach der Volksschule als Internatsschüler bei den Redemptoristen in Katzelsdorf das Gymnasium Wiener Neustadt, ehe er 1960 in Wien maturierte. Während seines folgenden Studiums (Theaterwissenschaften und Germanistik) schnupperte er als Statist am Burgtheater erstmals Theaterluft. Die Leidenschaft für die Bretter, die die Welt bedeuten, sollte ihn nicht mehr loslassen.

Nach einigen Jahren als Bankangestellter absolvierte Frank 1966 die Ausbildung zum Pflichtschullehrer, war ab 1967 an der VS Straning sowie ab 1971 (bis zur Pensionierung 1995) als Hauptschullehrer (für Deutsch und Geschichte) in Eggenburg tätig.

Unvergessen bleiben werden Karl Franks Verdienste um das Theater. 1974 wurde auf seine Initiative hin die Theatergruppe der Stadt Eggenburg gegründet, der er 30 Jahre lang als Obmann vorstand. 16 Jahre lang spielte er Hauptrollen in anspruchsvollen Stücken (u. a. der Autoren Johann Nestroy, Ödön von Horvath, Felix Mitterer und Peter Turrini), 24 Jahre lang war er für die Regie verantwortlich. 41 Stücken drückte er durch seine Inszenierung den Stempel auf, 42-mal schlüpfte er hier in Rollen unterschiedlichster Genres, die er vor allem mit seiner unnachahmlichen Mimik belebte.

Gastspiele in Guntersdorf, Oberhöflein, Floridsdorf

Bei zahlreichen Gastspielen bei anderen Theatergruppen wie dem TWW Guntersdorf, im Franziskushof Oberhöflein, im Brandlhof Hollabrunn und bei den Sommerspielen Floridsdorf lebte er seine Leidenschaft aus. 1992 ließ sich der Theater-Enthusiast sogar vom Schulbetrieb karenzieren, um im „Forum Stadtpark“ einen bejubelten Ausflug ins Profitheater zu wagen. Im selben Jahr wurde sein enormes Engagement mit der Ehrennadel der Stadt Eggenburg in Gold gewürdigt. 2004 gab er die Leitung des Vereins an Elfriede Jordan ab und wurde zum Ehrenobmann ernannt.

Vor mehr als einem Jahr erkrankte Frank an einer besonders schweren, rapide voranschreitenden Form von Alzheimer. Um den Verstorbenen trauern mit seinen Schwestern Maria und Elisabeth Frank – letztere kümmerte sich zuletzt gemeinsam mit Sohn Guido (dem von Frank wie einen Sohn geliebten Neffen) rührend um ihn – viele Freunde und Bekannte. „Carlo“ wird am Freitag, 19. 8., 14 Uhr, auf dem Eggenburger Friedhof beigesetzt.