Erstellt am 18. November 2015, 04:53

von Jutta Hahslinger

Ex-Stephansheimleiter: „Habe wie verrückt für die Stiftung gearbeitet“. Ehemaliger Verwalter der Bürgerspitalstiftung und Leiter des Stephansheims in Horn beteuert seine Unschuld zu Untreue-Vorwurf.

Ex-Heimleiter Edgar Führer vor Gericht: »Nicht schuldig. Die Vorwürfe sind absurd!« Foto: NÖN-Archiv  |  NOEN, NÖN-Archiv
„Nicht schuldig. Die Vorwürfe sind absurd“, kommt es harsch vom 75-jährigen Pensionisten Edgar Führer. Er will sich in den 23 Jahren als Heimleiter und Verwalter der Bürgerspitalstiftung in Horn nur „abgerackert“ haben. Der erhobene Untreue-Vorwurf der Kremser Anklagebehörde trifft ihn sichtlich schwer.

Vorwurf: Essensmahlzeiten zu überhöhten Preisen

Unter anderem wirft ihm Staatsanwalt Franz Hütter vor, er habe Essensmahlzeiten für die Heimbewohner zu überhöhten Preisen (zuletzt 28,60 Euro täglich pro Person) von der „Service-Betriebe GesmbH“ bezogen, daraus sei der Stiftung ein Schaden von über 50.000 Euro erwachsen.

Und der Ankläger betont, dass Führer bei der GesmbH auch als Geschäftsführer fungiert habe und merkt kritisch an: „Als  d e r  Heimexperte schlechthin im Land wollen Sie die üblichen Taggelder (zwischen zehn und zwölf Euro pro Person) der anderen Heime nicht gewusst haben?“

Alois Autherith, der Verteidiger des 75-Jährigen, kontert: „Die Firma ist eine 100-prozentige Tochter der Stiftung. Wo ist der Schaden?“

„Wahrnehmung war damals vielleicht getrübt“

Zum weiteren Vorwurf, er habe es trotz Aufforderung durch das Stiftungskuratorium unterlassen, bestehende Pachtverträge zu überprüfen, wodurch der Stiftung Einnahmen für die Jahre 2007 bis 2009 in der Höhe von 19.050 Euro entgangen seien, meint der ehemalige Verwalter lapidar: „Dafür war vor und während meiner Amtszeit ein anderer zuständig, dem ich voll vertraut habe.“

Der Angesprochene, der damalige Leiter des Verrechnungswesens, Stefan L. (53), der „Herr der Bücher“ wie ihn Ankläger Hütter bezeichnet, gibt sich im Zeugenstand wortkarg. Belastungszeuge L., der bei der Polizei noch klare Worte gegen Führer fand, rudert überraschend zurück. Spricht von schweren Zeiten wegen seines damaligen Alkoholproblems. Vom Ankläger verbal in die Zange genommen, beteuert er: „Meine Wahrnehmung war damals vielleicht getrübt. Heute kann ich das nicht mehr sagen.“

Der Prozess geht am 23. November mit der Einvernahme der Stiftungskuratoren weiter: Die Zeugeneinvernahmen sollen klären, ob der damalige Verwalter die Kuratoren über die ruinöse Finanzsituation der Stiftung informiert hat. Führer behauptet: „Ja.“