Erstellt am 29. Mai 2016, 05:04

von NÖN Redaktion

Fässer aus Edelstahl nach Maß. Seit 1893 produziert die Familie Böck aus Burgschleinitz Fässer. Seit rund 40 Jahren bestehen diese aus Edelstahl.

Die Fässer können maßgefertigt und an individuelle Kundenwünsche angepasst werden.  |  NOEN, Franz Baldauf
„Ein Holzwurm wird nie Edelstahl bearbeiten können – das haben sie mir damals erklärt“, erzählt Hermann Böck, Fassbindemeister der Familie Böck in fünfter Generation. Weil die Holzfassbinderei immer schwerer
wurde und sich die Aufträge Richtung Null bewegten, hatte er 1976 die Idee, der traditionellen Familien-Fassbinderei in Burgschleinitz neuen Schwung zu verleihen: Er beschloss die Fässer nicht mehr aus Holz, sondern aus Edelstahl zu fertigen.

Aller Anfang ist schwer

„Also habe ich eine extra Ausbildung mit den dazugehörigen Prüfungen gemacht und einige Monate als Freiwilliger in einem Edelstahlbetrieb in Langenlois die Praxis erlernen dürfen“, sagt Böck. Leicht sei das aber nicht gewesen: „Der Edelstahl ist sehr schwer zu bearbeiten und wir mussten alle Maschinen neu kaufen.“ Doch auch nach den großen Investitionen lief das Geschäft nur schleppend an. „Um das Vertrauen zum Edelstahl
aufzubauen, musste ich die Fässer am Anfang zum Materialpreis an Bekannte verkaufen“, meint Böck. Erst nach vier bis fünf Jahren sei das Geschäft dann angelaufen.

Edelstahl statt Polyester

Doch was macht die Edelstahlfässer der Familie Böck damals wie heute zu etwas Besonderem? „In den 80er-Jahren kamen Fässer aus Polyester als Alternative zu denen aus Holz auf“, erzählt Böck. Diese hätten
aber vor allem bei der Reinigung große Probleme bereitet. Die Edelstahlfässer seien dagegen wesentlich hygienischer und leichter zu reinigen. „Gegenüber den Holzfässern kann man diese auch immer wieder
für verschiedene Weinsorten neu verwenden“, meint Böck.

Für Rotwein würden heute zwar in manchen Fällen noch immer Holzfässer verwendet werden – das sei aber für „denbesonders guten, holzigen Geschmack“. Edelstahl dagegen gebe keinen Geschmack ab. Zudem
hält sich der Wein in den Stahlfässern wesentlich länger
fruchtig.

Edelstahlfässer nach Maß

„Heute heben wir uns von unseren Konkurrenten dadurch ab, dass wir die Edelstahlfässer maßanfertigen“, erklärt Roland Weißinger-Böck, der mit seiner Frau Martina Böck in sechster Generation den Betrieb leitet.
Ob rechteckig, oval oder rund – jeder Kunde komme auf seine Kosten. „Am beliebtesten sind aber die Ovaltanks, weil die gut in die Gewölbekeller passen“, erklärt Weißinger-Böck. 

Produziert werden Fässer ab 200 Liter. „Am meisten werden heute 2.000, 5.000 oder 10.000 Liter-Fässer bestellt“, so der Chef. Innerhalb von zwei bis drei Tagen ist ein solches Fass fertig. 50.000 bis 100.000 Liter
sind das Maximum. Fässer in einer solchen Größe werden dann direkt vor Ort zusammengeschweißt und aufgebaut.

Dieses Service gebe es aber auch für kleinere Fässer, sagt Weißinger-Böck: „Wenn jemand zum Beispiel einen sehr engen Kellereingang hat und wir den Tank da nicht durchbekommen, können wir ihn auch direkt dort zusammenschweißen und aufbauen.“

Je nach Kunde könne dann auch noch auf die individuellen Wünsche eingegangen werden. Die Edelstahlexperten produzieren Basistanks, zu denen immer noch Zusatzausstattung dazukommen kann. Diese zusätzliche Ausstattung kann beispielsweise ein Kühlmantel und eine Temperatursteuerung sein. Über einen Kühlmantel oder eine Kühlplatte im Tank kann dann die Temperatur zur perfekten Aufbereitung und  Gärung genau gesteuert werden. „Heutzutage kommt es bei den Weinen auf die Qualität an – da wollen die Winzer natürlich alles kontrollieren können“, weiß Weißinger-Böck.

200 Jahre Lebensdauer

Zwei bis drei Generationen oder 150 bis 200 Jahre – so lange hält ein solcher Edelstahltank normalerweise. Das habe für die Fassbinder aber nicht nur positive Seiten, zeigt sich Weißinger- Böck nachdenklich: „Man merkt, dass der Markt schon sehr gesättigt ist.“ Zusätzlich mache sich halt auch die schwierige Wirtschaftslage bemerkbar. Vor zehn Jahren hatte das Unternehmen noch acht bis zehn Mitarbeiter und produzierte im Jahr rund 500 Fässer. Heute zählt die Firma vier Mitarbeiter und stellt rund 150 Fässer pro Jahr her. „Wir haben heute auch immer weniger Großprojekte und es sind eher kleinere Tanks, die bestellt werden“, sagt Weißinger-Böck.

Deshalb produziert die Familie schon seit den 80er-Jahren nicht nur für Winzer. „Rund 80 Prozent unserer Fässer sind zwar noch für den Wein, der Rest ist aber für die Industrie“, erfährt man. Ob Milch, Bierbrauerei,
Wasseraufbereitung oder Biomasse – die Behälter seien vielseitig einsetzbar. Im Grunde genommen könne
also auf jeden Wunsch eingegangen werden – egal, wie individuell oder neu dieser ist. „Und genau das macht uns aus“, ist Weißinger-Böck überzeugt.