Erstellt am 04. Mai 2016, 04:34

von Thomas Weikertschläger

Frost: „Blaues Auge“ für Landwirtschaft. Während die meisten Bereiche der Landwirtschaft der Kälte trotzten, rechnen Obstbauern mit Schäden.

Noch sind die Schäden an den Christbaumkulturen des Rodingerdorfers Franz Raith nicht abzuschätzen. Vermutlich ist aber auch er wie ein großer Teil der Landwirtschaft im Bezirk Horn in den Frosttagen der Vorwoche mit einem blauen Auge davon gekommen. Foto: Martin Kalchhauser  |  NOEN, Martin Kalchhauser
Auch, wenn der Frost an einigen Tagen der Vorwoche die Landwirtschaft auch im Bezirk Horn hart getroffen hat, meinen Bauern verschiedener Bereiche, dass sie heuer mit einem „blauen Auge“ davongekommen seien.

Rückstand war in diesem Fall ein Vorteil

Während österreichweit vor allem an Wein-, Obst- und Kürbiskulturen ein Schaden von insgesamt 200 Millionen Euro entstanden sein dürfte, hält sich der Schaden im Bezirk in Grenzen. Und der Grund dafür ist einer, der sonst meist als Nachteil unserer Region gesehen wird: Der Rückstand in der Entwicklung der Pflanzen gegenüber anderen Regionen.

Einer, der diese Meinung vertritt, ist der Rodingersdorfer Franz Raith, Obmann der ARGE der Christbaumbauern. Er meint: „Die Pflanzen sind in unserer Gegend in der Entwicklung später dran. Daher ist der Frost im April für sie nicht so schlimm, im Mai hingegen würde das anders aussehen.“

Gerade im Christbaumbereich ließen sich mögliche Schäden auch erst in ein paar Wochen abschätzen. Raith: „Die Knospen erst kurz vor dem Aufspringen. Man kann sie jetzt nicht – wie beim Obst – aufschneiden und schauen, ob sie betroffen sind.“

Härter betroffen sind dagegen die Obstbauern. Der Missingdorfer Gerald Göthans befürchtet bei einzelnen Kulturen wie Marillen und Birnen gröbere Ausfälle, aber auch beim Apfel seien 50 bis 80 Prozent der Blüten beschädigt. Jetzt würden die Schäden der Versicherung gemeldet, das genaue Ausmaß sei aber noch nicht abzuschätzen.

Winzer setzen auf „altbewährte Methode“

Für den Weinbau rechnet der Röschitzer Winzer Franz Stift mit Ausfällen von 15 bis 20 Prozent, auf einzelnen Hängen je nach Lage bis 30 Prozent. „Das ist aber verkraftbar“, so Stift. Allerdings räumt auch Stift ein, dass man die tatsächliche Höhe der Schäden erst in einigen Tagen sehen wird können.

Damit sich beim Wein die Ausfälle in Grenzen halten, bedienen sich die Winzer einer alten Methode. Dabei werden die Weinstöcke „geräuchert“ und in den Weingärten Stroh und Klee angezündet. Stift: „Vielleicht haben sich da viele Leute gedacht, dass das stinkt. Aber so macht man Nebel, der die Weinstöcke schützt.“ Für die kurzfristige Geruchsbelästigung bittet er die Anrainer um Verständnis.

Ein Anliegen, das auch Bezirksbauernkammer-Obmann Herbert Hofer teilt. Leider gebe es in anderen Regionen, etwa dem Kamptal, wo Weinbau eine bedeutende Wertschöpfungsgrundlage für die gesamte Region sei, seitens der Bevölkerung kaum Verständnis für diese Vorgehensweise. Hofer: „Man muss schon sehen, dass damit die Existenzgrundlage für viele Menschen gesichert wird.“

Was die Schäden in der Landwirtschaft durch den Frost betrifft, sieht Hofer den größten Schaden im Bezirk bei einzelnen Obstkulturen. Auch bei Nussbäumen gebe es größere Schäden, davon gibt es im Bezirk Horn aber nur wenige. Vereinzelt sei auch die Rübe betroffen. Beim Raps werde sich erst kurz vor dem Dreschen zeigen, ob es Schäden gibt.