Geras

Erstellt am 06. Juli 2016, 16:00

von Martin Kalchhauser

Viele Überraschungen bei Auftritt. Musikalische Perfektion, ein Schuss Humor und viel Tempo: Catch-Pop String-Strong begeisterten ihr Geraser Publikum restlos.

Frech, fröhlich, fetzig: Organisatorin Gerlinde Hofbauer (M.) hat mit dem Engagement der Musikerinnen Rina Kaçinari (Violoncello, l.) und Jelena Popr- žan (Bratsche) einen Volltreffer gelandet.   Foto: Martin Kalchhauser  |  Martin Kalchhausedr

Musikalisch perfekt und doch voll vermeintlicher Leichtigkeit, unverstärkt und doch so stark, vor allem aber schräg: Das Duo Catch-Pop String-Strong wurde bei seinem Auftritt im Rahmen der Konzertreihe „Geras klingt“ allen Erwartungen gerecht. Mit der (ehemaligen) Kosovarin Rina Kaçinari (Gesang, Violoncello) und Jelena Popržan (Gesang, Bratsche, Maultrommel) aus dem Kosovo ist den Veranstaltern ein sommerlicher Glücksgriff gelungen.

Popržans Stimme: sensationell

Doch selbst, wer sich schon im Vorfeld über die beiden informiert hatte, blieb vor positiven Überraschungen nicht gefeit. Die Musikerinnen entlockten ihren Instrumenten nicht nur ein Kreischen, Wimmern, Stöhnen und Weinen, es kam trotz hoher Professionalität der Spaß nicht zu kurz. Oder hatten Sie gewusst, dass man den Stachel eines Violoncellos streichen und diesem tatsächlich einen Ton entlocken kann?

In spontaner Reihenfolge gab das Duo seine Stücke zum Besten, darunter die Eigenkomposition „Catch a Folk“, die entstand, weil „flotte Stücke für Streicher keiner schreibt“. In das Lied „Nostalgie“ legte Kaçinari den ganzen Trennungsschmerz von ihrer Mutter, die im Kosovo zurückblieb. Melancholie und Wehmut in vielen Facetten waren hör- und spürbar. „Ska Tango“ („Kein Tango“) wurde in einem Flieger erfunden. Und mit „Jodel“ würde Popržan wohl die Prüfung für die Zuerkennung der Staatsbürgerschaft spielend meistern.

Wie überhaupt Popržans sensationelle Stimme mit unglaublichem Umfang für viele die größte Überraschung war.

Dass die beiden die Rolle der Menschen vom Balkan in unseren Breiten auch humorvoll auf die Schaufel zu nehmen imstande sind, zeigte „Turbofolk Queen or Slavica the Cleaning Maid“, in dem eine Putzfrau nächtens immer zur Disco-Queen wird. Köstlich!

Unterm Strich: ein unterhaltsamer, musikalisch großartiger Abend – mit einem einzigen Makel: Er war zu schnell vorbei.