Erstellt am 16. Dezember 2015, 06:03

von NÖN Redaktion

Gericht verurteilte auch das Jugendamt. Situation weiter unbefriedigend. Mädchen (11) weint bei jedem Abschied. Richter unterstellt Behörde Parteilichkeit.

Bei jedem Abschied der 11-Jährigen von ihrer Mutter gibt es Tränen. Dem Jugendamt sind die Hände gebunden.  |  NOEN, Shutterstock/Altanaka

Nach wie vor unbefriedigend gelöst ist die Auseinandersetzung um die Obsorge für ein mittlerweile 11-jähriges Mädchen, das im „Scheidungskrieg“ seiner Eltern zwischen die Fronten geraten ist. Mittlerweile gibt es eine neue Entscheidung, die auch für das Jugendamt der BH Horn ein Affront ist.

Nachdem das Gericht die Kleine dem Vater zugesprochen hatte, sie aber bei der Mutter blieb, entführte sie der Vater im Mai 2014 in einem Geschäft im EKZ Horn ( die NÖN berichtete ). Das Mädchen durfte seine Mutter nur selten und „unter Aufsicht“ sehen. Das jüngste Urteil des Horner Bezirksgerichts, vor dem es auch Interventionen von Freunden des Kindesvaters gab, zementiert die Situation. Nun gäbe es nur mehr einen außerordentlichen Rekurs, doch die Frau ist nach der jahrelangen Auseinandersetzung mit Nerven und Geld am Ende.

Aktuell ist das Kind alle zwei Wochen bei seiner Mutter. Jeder Abschied ist mit Tränen verbunden. „Das ist ein Albtraum für mein Kind, daher verzichte ich teilweise darauf“, sagt die Betroffene. „Dem Gericht ist das Kindeswohl egal.“

Keine Auskunft zum Fall

Seitens des Horner Bezirksgerichts gibt es keine Auskunft zum Fall. „Die Entscheidung ist getroffen“, meint Pressesprecher Richard Simsalik vom Landesgericht Krems. „Es wäre natürlich ein neuer Antrag der Mutter möglich, dann müsste wieder entschieden werden.“

Einen solchen Antrag könnte auch das Horner Jugendamt stellen. „Kontrolle ist eine unserer Aufgaben. Aber es ist nicht möglich, dass wir uns selbst ein Bild machen“, bedauert Behördenchef Johannes Kranner mangelnde Kooperationsbereitschaft des Vaters. Er stellt sich vor seine bemühten Mitarbeiter, die in der Kritik stehen, weil sie auch die Bedürfnisse der Mutter und des Kindes sehen. „Wir schauen uns das jetzt auch juristisch an. Es gibt seitens des Gerichts Aussagen, bei denen wir nicht gut wegkommen, uns auch, vorsichtig formuliert, nicht fair behandelt fühlen.“

Meistens stehe im Streit um das Sorge- und Besuchsrecht Aussage gegen Aussage. Kranners ungebrochene Hoffnung: Dass endlich von allen Seiten das Kindeswohl in den Vordergrund gestellt wird. „Das Kind soll einmal unbeschwert Kind sein dürfen!“