Erstellt am 09. März 2016, 05:44

von Martin Kalchhauser

Hitlers Horch restauriert. Historisches Auto kam in Kisten und Schachteln nach Rodingersdorf, dann legte Stefan Zimmermann Hand an. Auto soll in Berufsschule Eggenburg zu sehen sein.

Horch 830 Pullman wieder auf Hochglanz gebracht: Restaurator Stefan Zimmermann sowie Hannes und Franz Ruthner (von links), die ihr Haus in Rodingersdorf als Werkstatt zur Verfügung stellten. Fotos: Martin Kalchhauser  |  NOEN, Martin Kalchhauser

In seine Einzelteile zerlegt, lagerte ein Horch 830 Pullman, Baujahr 1938, jahrelang in Wien. Das Fahrzeug erstrahlt jetzt wieder in altem Glanz.

Besonderheit der Limousine: In ihr wurde einst Adolf Hitler in Bayern (München, Berchtesgaden) chauffiert. Und nach ihm benützte Baldur von Schirach, der von 1940 an Gauleiter in der damaligen Ostmark war, das Fahrzeug. Das ist durch eine Urkunde belegt.

Restaurierung im ehemaligen Schweinestall

Eigentümer des Fahrzeugs, von dem es mit „prominentem“ Vorbesitz nur mehr zwei (!) Exemplare gibt, ist der Besitzer des Wiener Etablissements „Maxim“, Josef „Pepi“ Stern. Er fand in Stefan Zimmermann aus Burgschleinitz einen geschickten Bastler und im Rodingersdorfer Franz Ruthner einen Quartiergeber.

In der Werkstatt im ehemaligen Schweinestall in dessen Haus ging Zimmermann ans Werk. 15 Monate oder 2.250 Stunden Arbeit waren nötig, um den Wagen komplett zusammenzusetzen, fehlende Teile zu eruieren.

Danach wurde der Horch wieder total zerlegt und nach akribischer Restaurierung aller Einzelteile erneut zusammengebaut. Dabei wurde unter anderem auch ein Schaden, der bei Verwendung durch Schirachs Chauffeur verursacht wurde, ausgebügelt.

Teile wurden aus Osnabrück herbeigeholt

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Jetzt ist das Werk vollbracht, und die fahrbereite Limousine erstrahlt in altem Glanz. „Es war nicht einfach, das hinzukriegen“, meint Zimmermann im NÖN-Gespräch.

Einzelne Teile mussten aus Osnabrück (Deutschland) herbeigeholt werden – etwa ein Aschenbecher um 500 Euro oder eine Stoßstange um 7.000 Euro.

Nun soll das Auto mit seinen Besonderheiten (Maßanfertigungen) wie einem speziellen Kofferraumaufbau, senkrecht schiebbaren hinteren Seitenfenstern und einer verlängerten Karosserie auch öffentlich zu sehen sein. Vonseiten der Landesberufsschule Eggenburg wurde bereits Interesse bekundet, das Fahrzeug zu präsentieren. Die Oldtimermesse in Tulln im Mai ist ein Fixtermin.

Der Wert des wie neu dastehenden und überwiegend mit original Ersatzteilen restaurierten Fahrzeuges ist fast unschätzbar. Ein potenzieller Kaufpreis würde Schätzungen von Experten zufolge bei 700.000 Euro liegen.

Übrigens: Der Name „Horch“ – damals eine der vier Marken der Auto-Union – ging später in Audi über. Das Markenzeichen mit den dafür typischen vier Ringen findet sich auch auf dem Kühlergrill.


Horch 830 Pullman

  • Der Horch 830 ist ein Pkw der Oberklasse mit 8-Zylinder-Motor, der im Februar 1933 als Nachfolger des Typs 430 vorgestellt wurde. Die ersten Fahrzeuge kamen im Herbst 1933 zur Auslieferung.

  • Bis 1940 (zur kriegsbedingten Einstellung) wurden im Werk in Zwickau insgesamt 11.625 zivile Pkw Horch 830/930 gebaut.

  • Das nun restaurierte Fahrzeug ist Baujahr 1938, der Motor hat 3,7 Liter Hubraum und bringt eine Leistung von 89 PS.