Altenburg , Horn

Erstellt am 25. August 2016, 03:28

von Rupert Kornell

„Aus der Neuen Welt“: Eine exzellente Gala. Mit Bernstein, Ives und Gershwin sowie mit Dworáks bekannter Symphonie Nr. 9 die Zuhörer begeistert.

Bijan Khadem-Missagh leitete die Tschechische Philharmonie Brünn beim Galakonzert in der Altenburger Stiftsbibliothek, Dorota Szczepanska interpretierte die bekannten Songs „I got rhythm“und „Summertime“ des amerikanischen Komponisten George Gershwin. Foto: Dieter Schewig  |  Dieter Schewig

Der stimmungsvolle Hof des Horner Kunsthauses wäre eigentlich Schauplatz des Galakonzerts von Allegro Vivo gewesen, aber der für den Abend vorhergesagte Regen – der dann nicht kam – ließ die Veranstalter vorsichtig agieren und das Konzert ins Stift Altenburg verlegen. Die prächtige Bibliothek war dann ein mehr als würdiger Ersatz.

Der Auftakt mit Leonard Bernsteins „Divertimenti für Orchester“ entsprach punktgenau dem diesjährigen Motto „Neue Horizonte“ mit der Musik Amerikas. Der herausragende Dirigent, Pianist und Komponist – man denke nur an die „West Side Story“ – zeigte in kurzen Sequenzen die ganze Bandbreite der Musik Amerikas mit Blues und Jazz und natürlich dem Einfluss der europäischen Musik auf. So klang beispielsweise im letzten Stück der „Radetzkymarsch“ an.

Wohl eines der zartesten Pianissimi, die man in der Bibliothek gehört hat, bot die exzellente Tschechische Philharmonie Brünn unter Maestro Bijan Khadem-Missagh mit Charles Ives „The Unanswered Question“. Das in symphonischen Werken übliche Aufgreifen eines Themas eines Instruments oder eines Registers und das Weiterspinnen durch das Orchester war unvollständig, die Frage (question) der Bläser ließen die Streicher unbeantwortet (unanswered) …

Noch ein typischer Amerikaner vor der Pause: George Gershwin und seine allseits bekannten Songs „I got rhythm“ und „Summertime“. Mezzosopranistin Dorota Szczepanska konnte zwar mit einer ausgezeichneten Stimme aufwarten, den Rhythmus Amerikas ließ sie aber leider etwas vermissen.

Gewaltiger Abschluss war Antonín Dworáks Symphonie Nr. 9 e-Moll „Aus der Neuen Welt“. Der getragenen Einleitung folgt der unvergleichliche zweite Satz mit dem Englischhorn-Solo, das wohl die ganze Sehnsucht Dworáks nach seiner tschechischen Heimat ausdrücken soll.

Zu Recht gab es minutenlangen Applaus und Bravo-Rufe für Khadem-Missagh und das Orchester, die zu einem harmonischen Ganzen zusammenwuchsen und die – obwohl der Dirigent mit Ende dieses Festivals dessen Leitung zurück- und in die Hände seines Sohnes Vahid legt – auch im nächsten Jahr bei der Gala wieder eine musikalische Einheit bilden werden.