Horn

Erstellt am 09. April 2017, 22:01

von Martin Kalchhauser und Theresa Lang

Flüchtling erzählte über seine Wien-Erfahrungen. Pfarrhof als Ort des Begegnungscafés gut bewährt. Freigelände vor allem von Kindern gut genützt.

Ein Interview mit dem Syrer Aziz Jebrail, der zehn Monate im Haus Helina in Horn lebte und dann nach Wien ging, stand im Mittelpunkt des jüngsten Pfarrcafés des Vereins „Willkommen Mensch in Horn“.

Agnes Perneder führte das Gespräch

Interviewerin Agnes Perneder stellte ihm Fragen zu seinem Neustart in der Bundeshauptstadt. Bei herrlichem Frühlingswetter bewährte sich der Horner Pfarrhof als Veranstaltungsort einmal mehr, denn er bot Jung und Alt auch die Gelegenheit für Begegnungen und Spiele im Freien.

Gemeinsamer Schritt mit dem Bruder

Aziz Jebrail, vielen Aktivisten der Flüchtlingshilfe noch gut von seiner Zeit in Horn bekannt, ist nach zehn Monaten im „Haus Helina“ nach Wien übersiedelt. Im Gespräch ging es um die Frage, wie er sich in dieser Zeit in Wien eingelebt hat. Jebrail war mit seinem Bruder Boghos im Waldviertel. Nach dem Erhalt eines positiven Bescheids hat es die Brüder nach Wien verschlagen.

Hoffnung auf Arbeit und ein harter Anfang

„Die Anfangszeit war nicht leicht, denn wir mussten jenes Quartier nehmen, das uns angeboten wurde – und  das war ein kleines Zimmer in einer großen Wohngemeinschaft“, berichtete Aziz Jebrail. Verschiedenen Überlegungen, was das Beste für die Brüder sei, war der Gedanke entsprungen, dass es in Wien leichter sei, eine Arbeit zu finden. „Das hat unsere Entscheidung beeinflusst.“

Kontakte wichtig für Lernen der Sprache

Sich in Wien zurechtzufinden, so der Syrer, sei kein Problem, sofern man ein Handy bedienen kann. Das Knüpfen von Kontakten sei allerdings in Horn wesentlich einfacher gewesen. Kontakte nannte Aziz im Gespräch als wesentlichen Faktor für das Erlernen der deutschen Sprache. „Die Deutschkurse allein helfen nicht, man muss im Reden viel trainieren.“ Die Suche nach Arbeit gestaltet sich allerdings schwieriger als gedacht.

Warnung vor zu allzu großen Erwartungen

So hatten sich die beiden Brüder vorerst einmal auf den Besuch der Deutschkurse konzentriert um möglichst schnell das sogenannte „B2-Niveau“ zu erreichen, verbunden mit der Hoffnung, dass es dann leichter sei, Arbeit zu finden. Viele Menschen ziehen mit sehr großen Erwartungen nach Wien ziehen – das bringe dann oft große Enttäuschungen mit sich, so Aziz Jebrail.

Seine Erwartungen waren realistisch und sind somit auch in den letzten Monaten erfüllt worden. „Wichtig ist, dass man selbst viel beiträgt, sein Leben wieder in eine geordnete Bahn zu bringen. Dies bedeutet Anstrengung und ist nicht immer einfach, aber man wird dafür belohnt.“