Horn

Erstellt am 08. November 2017, 05:37

von Martin Kalchhauser

Flüchtlingsfamilie musste zurück ins Kriegsgebiet. Noch lange kein Friede im Irak, aber Familie Al Sawaidi musste heimfliegen.

Freiwillige Rückkehr in den Irak, schwerer Abschied aus Horn: Pater Albert Groiß (links) und Stefan Lang (rechts) mit Familie Al Sawaidi: Nazar (34), Sama (7), Aws (5) und Halla Alobaidi (von links).  |  Martin Kalchhauser

Zwei Jahre war die vierköpfige Familie Al Sawaidi aus Mossul im Irak in Horn zu Gast, hat sich hier gut eingelebt. Doch am Montag mussten Vater Nazar (34), seine Frau Halla (36) und die beiden Kinder Sama (7) und Aws (5) in ihre Heimat zurückkehren. Um 11 Uhr wurden sie in Horn abgeholt, um 15 Uhr hob der Flieger nach Bagdad ab.

An Frieden ist im Irak nicht zu denken. „Das Haus, wo wir gewohnt haben, wurde von einer Bombe getroffen, die Hälfte ist zerstört“, berichtete Nazar. Daher müsse die Familie bei seinen Eltern in Erbil unterkommen. In der Kurdenstadt sei die Lage einigermaßen stabil, rundum aber gebe es Kämpfe.

Pater kritisiert die Dauer der Entscheidung

Die Al Sawaidis kamen vor zwei Jahren über die Türkei nach Österreich, landeten nach einem Monat in Wien im Haus Helina und konnten im September 2016 in eine Wohnung im Pfarrhof einziehen.

„In der Ablehnung des Asylantrags heißt es, dass zu Hause alles sicher sei“, bedauert Hausherr Pater Albert Groiß. Er versteht, dass seine Untermieter nach Hause zurückkehren, und kritisiert die Dauer der Entscheidung: „Es hat eineinhalb Jahre gedauert bis zum ersten Interview in Traiskirchen. Das war im Februar, und jetzt hat es den negativen Bescheid gegeben.“ Die Berufung könne wieder zwei Jahre dauern …

„Wollen nicht wieder zwei Jahre warten!“

„Der Abschied ist schwer, aber wir können nicht wieder so lange warten – ohne Deutschkurs (den Unterricht, den die Al Sawaidis bekamen, gaben Ehrenamtliche, Anm.) und Arbeitsmöglichkeit“, bedauert Halla Alobaidi. Die Lehrerin und der Buchhalter wollen sich im Irak um Jobs bemühen.

Im Kindergarten und in der Schule gab es Abschiedsfeste für Aws und Sama. Rührend ist der Dank, den Nazar Al Sawaidi via Facebook verbreitete. Er gilt Pater Albert und den Freiwilligen von „Willkommen Mensch! in Horn“. „Wir lernten viele Menschen kennen, die wir nie vergessen werden. Vielen Dank Österreich für die Aufnahme. Wir hoffen, euch wieder besuchen zu können – aber als Touristen, nicht als Flüchtlinge. Vergesst uns nicht!“