Erstellt am 04. Mai 2016, 05:04

von Martin Kalchhauser

Ein Mai-Strich mit Symbolkraft. Martin Kalchhauser über die fragile Stimmungslage in der Flüchtlingsfrage.

„Mai-Striche“ oder „Mai-Steige“ sind am Land Tradition. Früher wurden so vor allem Verbandelungen zwischen jungen Leuten öffentlich gemacht. Schon immer gab es aber unter dem Schutz der Anonymität auch Anschuldigungen oder Beschimpfungen, oft gegen „Zuagroaste“.

Dass die diesjährige Schmiererei in Drosendorf für heftige Reaktionen sorgte, darf nicht verwundern. Helfer, für deren Engagement es noch vor kurzem Beifall gegeben hätte, werden scheel beäugt, als „Gutmenschen“ belächelt oder eben denunziert. Dass dem Ehepaar „illegales“ Verhalten unterstellt wird, ist ein starkes Stück.

Es ist aber auch das Symbol eines langsamen Wechsels der Stimmung in Bezug auf das Thema Flüchtlinge, die schon sehr fragil ist. Nach anfänglichem Enthusiasmus werden immer mehr kritische Stimmen laut.

Dass Impulse dafür von außen kommen – Diskussionen im Zuge der Präsidentschaftswahl ebenso wie schlimme Vorfälle, etwa in Wien – tut nichts zur Sache. So gesehen ist die Anzeige ein wichtiges Signal, ein Zeichen dafür, dass nach wie vor gilt: Wehret den Anfängen!