Erstellt am 17. Dezember 2015, 05:28

von Martin Kalchhauser

Kraftwerk „Affront gegen Naturschutz“. "Flüsse-Gipfel" beim Land gefordert. EVN betont: "Befürchtungen unbegründet!"

Einig im Eintreten gegen umweltschädlichen Kraftwerks-Ausbau: WWF-Flussexperte Christoph Litschauer, Naturschutzbund NÖ-Geschäftsführerin Margit Gross, Autor und Fotograf Werner Gamerith sowie Riverwatch-Geschäftsführer Ulrich Eichelmann (von links).  |  NOEN, Barbara Krobath

"Der geplante Ausbau des Kampkraftwerks Rosenburg ist ein Affront gegen den Naturschutz und die Bürgerbeteiligung!" Heftige Kritik übten Vertreter dreier Umweltorganisationen (WWF, Naturschutzbund NÖ und Riverwatch) sowie des Zusammenschlusses „Aktionsgruppe Lebendiger Kamp“ im Zuge einer Pressekonferenz in Wien. Die EVN weist die Vorwürfe zurück.

„Energetisch und für den Klimaschutz spielt es keine Rolle, aber es vernichtet kilometerweise Flussnatur“, sind sich die Kritiker (die NÖN berichtete) einig. Sie fordern Landeschef Erwin Pröll und Landesrat Stephan Pernkopf auf, einen „Flüsse-Gipfel“ einzuberufen, „um weitere Konflikte zu vermeiden und intelligente Lösungen zu finden“.

Konkret bekritteln die Gegner, dass der Ausbau durch Erhöhung des Dammes (Wehr) auf 6,5 Meter und die Eintiefung des Bereichs nach dem Werk um 1,5 Meter den Stauraum auf einen Kilometer verlängern würde. „Das würde einen ökologisch wertvollen, äußerst idyllischen Talabschnitt mit Wildnis-Charakter in einen öden See verwandeln.“

Klimaschutz nicht gegen Naturschutz ausspielen

Werner Gamerith, Sprecher der Aktionsgruppe „Lebendiger Kamp“, sieht „die Glaubwürdigkeit der NÖ Landespolitik in Energie- und Umweltfragen auf dem Prüfstand“. Margit Gross, Geschäftsführerin des Naturschutzbundes NÖ, konstatiert einen „Missbrauch der Bereitschaft der NGOs (Nicht-Regierungsorganisationen, Anm.), sich fachlich einzubringen“.

Riverwatch-Geschäftsführer Ulrich Eichelmann erkennt eine „Flusszerstörung im neuen Gewand“. Und Flussexperte Christoph Litschauer vom WWF erinnerte daran, dass es sich beim betroffenen Abschnitt des Kamps um ein Europaschutzgebiet handelt. „Es ist sinnvoll, bestehende Kraftwerke zu optimieren. Entscheidend für den Ausbau ist jedoch die Wahl der richtigen Standorte!“ Generell wird argumentiert, man dürfe den Klimaschutz (Förderung erneuerbarer Energie) nicht gegen den Naturschutz ausspielen.

Zach nennt andere Zahlen

EVN-Sprecher Stefan Zach nennt andere Zahlen. „Der Stau verlängert sich bei einer Erhöhung der Wehranlage um lediglich 300 Meter, von derzeit 700 auf 1.000 Meter. Die etwa 15 Kilometer lange, freie Fließstrecke verkleinert sich also nur sehr geringfügig“, hält er fest. „Die Befürchtungen der NGOs sind hier wirklich unbegründet.“

Dass es sich beim Projekt um eine Pseudo-Beteiligung der Naturschutzorganisationen handelt und auch die Bevölkerung mit den Präsentationen vor vollendete Tatsachen gestellt wurde, will Zach ebenfalls nicht gelten lassen. „Diese Kritik kann ich beim besten Willen nicht nachvollziehen. Alle Stellungnahmen der NGOs sind vollinhaltlich in die Variantenstudie aufgenommen worden.

Sie fließen so auch in die Projektplanung ein.“ Zach gibt sich trotz der geschlossenen Front gegen die EVN optimistisch für das Finden einer guten Lösung: „Es wird uns gelingen, die Modernisierung des historischen Wasserkraftwerks Rosenburg umweltverträglich zu gestalten.“