Erstellt am 10. Dezember 2015, 04:03

von Martin Kalchhauser

Kraftwerk: Fronten verhärtet. EVN will 10 Millionen Euro in Revitalisierung der Anlage in Rosenburgstecken. Kamp-Schützer befürchten dadurch massive Eingriffe in den Flussverlauf.

Positiv gestimmt: EVN-Pressesprecher Stefan Zach mit den Bürgermeistern der Anrainer-Gemeinden, Wolfgang Schmöger (Rosenburg-Mold) und Markus Reichenvater (Altenburg), sowie den Rosenburger Gemeinderätinnen Doris Mann und Anita Mailer (von links). Fotos: Martin Kalchhauser  |  NOEN, Martin Kalchhauser
„Revitalisierung“ des 1907 errichteten Kraftwerkes Rosenburg nennt die EVN ihr Vorhaben, das sie am 1. Dezember in Rosenburg den Gästen des (bereits zweiten) Infoabends vorstellte. Einen Ausbau mit massiven Nachteilen für die Natur sehen die Gegner darin.

x  |  NOEN, Martin Kalchhauser


Die „Variante 2“, mit der die EVN nun ins Genehmigungsverfahren geht, sieht eine Erhöhung der Staustufe um 2,5 Meter sowie eine Unterwassereintiefung (nach dem Kraftwerk) um 1,5 Meter vor. Knapp 10 Millionen Euro sollen in die Maßnahmen fließen.

Nach dem Umbau könnte das Werk für 2.250 (statt derzeit 1.200) Haushalte Strom erzeugen. Unter anderem auf der Liste der Maßnahmen: eine Ertüchtigung der Wege zum Wehr, Bau einer neuen (befahrbaren) Brücke anstelle des bestehenden Stegs und Rückbau des Krafthauses auf den Stand von 1908.

EVN will bei Umbau „behutsam vorgehen“

Mit den folgenden Bildern versucht die EVN, die Kritiker des Kraftwerk-Ausbaus zu überzeugen. Einfach auf die Bilder klicken, um die Foto-Collage zu öffnen:
x  |  NOEN, Collage Bruckmüller, Fotomontage: EVN


EVN-Sprecher Stefan Zach meinte an Ort und Stelle, wo sich auch die dem Projekt aufgeschlossen gegenüberstehenden Bürgermeister Wolfgang Schmöger (Rosenburg-Mold) und Markus Reichenvater (Altenburg) informierten, dass es seitens der Gegner allenfalls Bedenken wegen der geplanten Unterwassereintiefung nach dem Werk auf rund 700 Metern geben werde.

Die Verlängerung des Staus um rund 300 Meter sei kein Problem. „Wie die Visualisierungen zeigen, steht dabei allerdings weniger die Ökonomie als die Umweltverträglichkeit im Vordergrund“, betont Zach, dass behutsam vorgegangen werde.

Die immer wieder erhobene Forderung, das Kraftwerk gänzlich aufzulassen und den Fluss zu renaturieren, sieht Zach als problematisch und sieht Rückwind für die Pläne der EVN. „Wir möchten möglichst viel Strom aus erneuerbaren Ressourcen erzeugen. Das deckt sich auch mit den Wünschen der überwiegenden Mehrheit der Bevölkerung.“

Gamerith kündigte Widerstand wie 1981 an

Seitens der Umweltschutzorganisationen (WWF, Naturschutzbund, Riverwatch, Birdlife, …), die sich „vor vollendete Tatsachen gestellt“ sehen, gibt es herbe Kritik. Von „Frozzelei“ und „Pseudo-Einbindung der Bevölkerung“ ist in einer Aussendung der „Aktionsgruppe Lebendiger Kamp“ zu lesen.

Hier werde „unter dem Deckmantel des Klimaschutzes eine der wertvollsten Flussstrecken Österreichs zerstört“.

x  |  NOEN, Martin Kalchhauser


Werner Gamerith von der Aktionsgruppe („Wir lassen uns das Kamptal nicht zerstören!“) kündigte Widerstand wie 1981 an, als zwei Staustufen – eine 40 Meter hohe in Steinegg und eine 22 Meter hohe in Rosenburg – geplant waren, das Vorhaben aber nach starkem Widerstand in der Region letztlich von der Nö. Landespolitik abgeblasen wurde.

Bei einer Pressekonferenz am 10.12. wollen Vertreter von Umweltorganisationen (Aktionsgruppe Lebendiger Kamp, Naturschutzbund NÖ, Riverwatch und WWF) „den Weg für eine nachhaltige Zukunft der Lebensader Kamp“ aufzeigen.

Die Fronten sind verhärtet …

NÖN.at hatte zum Thema berichtet: