Erstellt am 18. November 2015, 05:23

von Martin Kalchhauser

Kraftwerk: Kampf der extremen Positionen. Einige Umweltschützer fordern Abbau, EVN präsentiertunrealistische „Maximallösung“. 150 Gäste bei Protest-Wanderung.

»Hände weg vom Kamp!« Ihre Forderung, beim Kraftwerk Rosenburg keine Baumaßnahmen zu setzen, brachten die Umweltschützer - im Bild auch Bernd Lötsch (Zweiter von links), Martin Scheuch (Vierter von links) und Werner Gamerith (Dritter von rechts) - auch mithilfe von Transparenten zum Ausdruck. Foto: Martin Kalchhauser  |  NOEN, Martin Kalchhauser

„Hände weg vom Kamp!“ und „Fluss-Sanierung statt Kraftwerksausbau!“ stand auf den Transparenten, die rund 150 Teilnehmer einer von der „Aktionsgruppe Lebendiger Kamp“ initiierten und vom NÖ Naturschutzbund (NSB) mitgetragenen „Kamp(f)wanderung“ am Samstag, 14. 11.,

„Ideal wäre, das Wehr abzubauen und dem
Kamp seinen Naturlauf zurückzugeben.“
Werner Gamerith

Die Veranstaltung ist ein Zeichen dafür, dass sich die Debatte um den geplanten Ausbau des Kraftwerks verschärft. Der EVN gilt der Vorwurf, bei der Vorstellung von vier Ausbauvarianten auch eine Extremlösung als „Schreckbild“ präsentiert zu haben, damit die endgültige Lösung weniger dramatisch erscheine.

Einige Umweltschützer wie Aktivist Werner Gamerith verlangen dafür sogar, das Kraftwerk aufzulassen, das Wehr abzutragen und dem Kamp „den Naturlauf zurückzugeben“.

„Elektrovampire in die Schranken weisen!“

In Rosenburg gab es kämpferische Töne. Vor laufenden Kameras forderte etwa der Biologe Bernd Lötsch, man solle „die Elektrovampire endlich in ihre Schranken weisen“. Der lächerlich geringe Stromgewinn durch den Umbau rechtfertige nicht die Schwere des Eingriffs.

Gamerith sieht in der „ökologisch optimierten Variante“ der EVN einen „Etikettenschwindel. Da ist nichts ökologisch.“ Er hoffe auf Bürgerwiderstand. „Wir dürfen vom Kamp, der schon total verstaut und zerstückelt ist, keinen Meter mehr opfern. Eine prachtvolle Landschaft steht auf dem Spiel!“

„Der Kamp ist hier Naturschutzgebiet“, stellt sich auch Martin Scheuch von der Regionalgruppe Kamptal des Naturschutzbundes gegen das EVN-Vorhaben. „Zwei frühere Minister haben gemeinsam mit dem WWF diesen Abschnitt sogar mit ihrer Unterschrift zum ,Flussheiligtum‘ erklärt.“

Zach: „Bedenken werden in Studie eingearbeitet“

EVN-Sprecher Stefan Zach, den die NÖN mit den Vorwürfen und Ideen der Umweltschützer konfrontierte: „Es werden immer mehrere Varianten dargestellt, von der Minimal- bis zur Maximalvariante. Jetzt können die NGOs (Non-Government Organisations wie WWF, NSB und andere, Anm.) Wünsche und Bedenken äußern. Alles wird dann in die Studie eingearbeitet.“

Auf deren Basis werde die EVN eine Entscheidung treffen: „Wer in der Maximalvariante ein ,Schreckbild‘ vermutet, hat diesen Prozess nicht ganz verstanden.“

Eine aus Sicht des Betreibers vertretbare Modernisierung des historischen Wasserkraftwerks führe im besten Fall zu einer Leistungsverdopplung. „Nach dem Umbau könnte es Strom für 3.000 Haushalte in der Region erzeugen. Das ist gut für die Versorgungssicherheit unserer Kunden und den Klimaschutz.“

Abriss des Kraftwerks wäre „Lachnummer“

Ein ganz klares „Nein“ kommt seitens der EVN zur Idee des Abbaus des Wasserkraftwerks Rosenburg. Man wolle die Klimaschutzziele des Landes unterstützen (mehr Energie aus Wind, Sonne, Biomasse und Wasserkraft). Der Abriss eines Wasserkraftwerks wäre gerade im Vorfeld des Klimagipfels ein falsches Signal. „Er würde höchstens international für Gelächter sorgen.“

Was bleibt? Laut NSB spreche nichts gegen eine Erhaltung des Bestands und eine Optimierung bei den Turbinen. Jeglicher Eingriff in die Fließstrecke wird abgelehnt. Dafür wäre eine „Rückgabe“ der sogenannten Umlaufstrecke an den Kamp (Abbau) „eine schöne Geste“. Der Infoabend, zu dem die EVN am Dienstag, 1. 12., 18 Uhr, in den Gasthof Mann in Rosenburg lädt, wird spannend …

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