Erstellt am 22. September 2015, 09:59

von Martin Kalchhauser

Krottendorfer: „Das ist eine Bankrotterklärung der SPÖ!“. Bürgermeister Christian Krottendorfer, ÖVP, im Interview mit der NÖN.

Christian Krottendorfer. Foto: Herbert Gschweidl  |  NOEN, Archiv

NÖN: Wie haben Sie vom schwerwiegenden Schritt der SPÖ-Mandatare in der Gemeinde Röschitz erfahren?
Krottendorfer: Das war ein Knalleffekt, im wahrsten Sinne des Wortes. Erfahren habe ich es, nachdem am Montag, 14.9., die Frist für die Nachnominierung von Gemeinderäten als Ersatz für die vier mit 31. 8. zurückgetretenenen abgelaufen ist. Am Nachmittag habe ich mich, weil ich beruflich in Wien unterwegs war, telefonisch am Gemeindeamt erkundigt. Da ist mir gesagt worden, dass das noch nicht der Fall ist.

„Ein politisches Mandat ist ja nicht irgendetwas!“

Was haben Sie dann gemacht?
Ich habe den Fraktionsvorsitzenden Georg Platzer, der ja auch stellvertretender Zustellungsbevollmächtigter der SPÖ ist, gefragt, wie es ausschaut. Und er hat gemeint, wir sollten diesbezüglich reden. Wir haben dann ein Gespräch geführt, und in diesem ist mir mitgeteilt worden, dass die gesamte Fraktion, dass alle Mandatare einen Verzicht erklärt haben und uns dies am Dienstag in schriftlicher Form mitgeteilt werden wird.

Wie war Ihre Reaktion?
Natürlich war ich total überrascht und habe Georg Platzer darauf angesprochen, dass er eine gewisse politische Verantwortung zu tragen hat. Ich verstehe es auch nicht, dass man dieser Verantwortung nicht nachkommt. Ein politisches Mandat ist ja nicht irgendetwas! Immerhin wurde die SPÖ im Jänner von den Wählern mit sechs Mandaten ausgestattet. Diese Aktion ist aus meiner Sicht demokratiepolitisch sehr bedenklich. Noch dazu wurde mit Ausnahme von zwei Mandataren, die „persönliche Gründe“ angeführt haben, keine Erklärung für das Verhalten abgegeben.

In der ÖVP ist schon beim Rücktritt der ersten vier Mandatare im Juli von „Arbeitsverweigerung“ gesprochen worden. Sie haben sich da bewusst zurückgehalten. Wie sehen Sie das jetzt?
Ich denke, das kann man jetzt sehr wohl so nennen. Es hat mich sehr verwundert, dass man seitens der Opposition die Verantwortung so einfach abgibt. Für mich ist das sogar eine Bankrotterklärung der SPÖ.

War der Schritt in keiner Weise zu erahnen?
Nein. Wir hatten seit der Konstituierung des neuen Gemeinderates vier Sitzungen, bei denen 24 Beschlüsse gefasst wurden. Davon waren 23 einstimmig! Nur der eine, bei dem es um das geplante Veranstaltungszentrum gegangen ist, war mehrheitlich. Es sind ja nicht die Fetzen geflogen im Gemeinderat, sodass man hätte sagen können, es hat absolut nicht gepasst. Ganz im Gegenteil! Die Zusammenarbeit war mir wichtig, und das habe ich auch praktiziert.

„Gesprächsbasis zu Georg Platzer war immer hervorragend“

Sie könnten sich jetzt ja auch freuen: Ab sofort hat die ÖVP mit ihren 13 Mandaten im Gemeinderat 100 Prozent!
Für mich ist das auch nicht lustig. Zum einen ist etwa ein Prüfungsausschuss dazu da, den Bürgermeister zu kontrollieren. In diesem Fall muss in Zukunft die eigene ÖVP-Fraktion den gesamten Ausschuss besetzen und prüfen. Ist leider so. Es gibt politisch gesehen eine Wählergruppe, die Georg Platzer mit seinem Team das Vertrauen ausgesprochen hat und nun nicht vertreten ist. Ich sehe mich als Bürgermeister ohnehin als Vertreter aller Röschitzer Bürger, und bin auch weiterhin dazu bereit. Wenn das gewünscht wird, werden wir in irgendeiner Form einen „Bürgerdialog“ anbieten, denn wir müssen künftig der Bevölkerung noch offener gegenübertreten und unsere Arbeit kommunizieren. Zum Jubeln ist mir jedenfalls nicht zumute, weil wir von der ÖVP jetzt alleine die Verantwortung tragen.

Es ist in der jüngsten Vergangenheit immer wieder der Eindruck entstanden, SPÖ-Chef Georg Platzer war der Gemäßigte in seiner Riege und für eine Zusammenarbeit, dem aber von den anderen dann die Gefolgschaft verweigert wurde.
Wir haben seit meinem Amtsantritt im März gut zusammengearbeitet, viel gemeinsam gemacht. Aus meiner Sicht wurde auch, wie wir das angekündigt hatten, in den Ausschüssen viel gearbeitet. Es haben sich alle vernünftig eingebracht. Die Gesprächsbasis zu Georg Platzer war immer hervorragend.

Das Thema Veranstaltungszentrum war dann aber das Problem …
Der geplante Veranstaltungssaal ist nicht das Thema, das im Vordergrund steht. Es wird da nur jetzt immer alles daran aufgehängt. Ich sehe nicht hinein in die SPÖ, aber ich merke, dass es da schon seit längerer Zeit auch ganz andere Probleme gegeben hat.
 
Was passiert jetzt in der neuen Situation?
Wir sind dazu da, um für unsere Bevölkerung zu arbeiten, und wir arbeiten auch weiter. Wie ich schon gesagt habe müssen wir noch offener sein und unsere Arbeit transparent darstellen. Entweder wird es öffentlich zugängige Besprechungen geben oder Bürgermeister-Briefe und ähnliches. Was ich aber auf keinen Fall möchte, ist, dass die Menschen sagen: „Jetzt richten sie es sich!“ Noch dazu, wo wir seitens der Mehrheitsfraktion ja für die Situation überhaupt nichts dafür können.

Mehr zum Thema: