Erstellt am 09. November 2011, 09:13

Lachen als Rezept gegen Tragik. KRITIK / Rap-Theater für jedermann: Kunterbunte Schauspielgruppe erzählte mit Liedern, Geschichten und Regieanweisungen das tragische Schicksal des Bajazzo.

Waren schwer verliebt: Maximilian Häckel und Emilia Semper.  |  NOEN
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VON JENNY SELLNER

HORN / Einem bunten Publikum, das nicht wusste, was es erwartet, stand im vollen Festsaal des Kunsthauses eine kunterbunte Gruppe von Schauspielern, Sängern und Rappern bei „MCBajazzo“ gegenüber.

Als Leitfiguren führten Viola Semper in der Rolle einer Schriftstellerin und Marlene Pregesbauer, die eine Musikerin verkörperte, durch den Abend und durch Ruggiero Leoncavallos Oper „Der Bajazzo“, die im Hintergrund von Emilia Semper, Maximilian Häckel, Oliver Heger und Patrick Sindelir szenisch dargestellt wurde. Durchzogen waren die Regieanweisungen mit Auftritten der Geraser Singgruppe, des Clownchors der Volksschule Horn unter (Gesamtorganisatorin) Andrea Klotz und des Rappers Freezy Trap mit seiner Crew Locz Grip. Bemerkenswert, wie sich die jungen Schauspieler in dem durch rasche Szenenwechsel verwirrenden Spiel über Wasser hielten und mit Talent und Mut brillierten.

Marlene Pregesbauer mit  Stimmgewalt & Tonvielfalt

Neben ihrer Bekleidungskombination aus Rot, Grün, Orange, Violett und Gelb stach Marlene Pregesbauer, die seit zwei Jahren spielt, vor allem mit ihrer Stimme hervor. Die ganze Stimmung veränderte sich, als sie mit Stimmgewalt und Tonvielfalt die Arie der Nedda zum Besten gab. Sie riss damit das gesamte Publikum mit und erntete viel Applaus. An ihrer Seite zeigte auch Viola Semper (Schauspiel-Debut: 2006), warum sie auf die Bühne gehört: In einem klassisch rot-schwarzen Kostüm verschenkte sie nicht nur ihr Lachen, sondern auch echte Tränen. Ihr Buch-Erstling „Der Fremde“ diente als Grundlage einiger Textpassagen. Detail am Rande: Die in das Stück eingebauten Muffins stammten aus ihrer Küche. „Das waren die besten Muffins, aber ich war nervös beim Backen!“, gestand sie nach der Premiere in Horn.

Definitiv nicht im Hintergrund standen auch Emilia Semper, Maximilian Häckel, Oliver Heger und Patrick Sindelir, die dem Stück mit faszinierender Mimik und gekonnt übertriebenem Spiel Humor schenkten. Hervorzuheben ist an dieser Stelle die erst 10-jährige Emilia Semper, die neben grünen Haaren und einem altersuntypischen Können, auch in fünf Jahren erworbenes Können am Kontrabass aufzuweisen hatte.

Fehlende Proben brachten  Technik-Probleme mit sich

Für musikalische Untermalung war durch die Singgruppe Geras gesorgt. Kleine Beeinträchtigungen gab es durch die nicht immer funktionierende Technik – kein Wunder, wenn das Team aus Zeitgründen kein einziges Mal gemeinsam geprobt hat!

Der absolute „Hinhörer“ waren Rap-Stücke Freezy Traps und seiner Crew, die diese Oper in unsere heutige Zeit umlegten und in Vertretung vieler Jugendlicher fragten: „Wir wissen nicht, wohin mit unseren Gefühlen, lass ma s‘ einfach liegen oder bring ma s‘ noch zum Spielen? Weil wir wissen nicht, wohin wir damit sollen, das Leben geht dahin, was wir gar nicht wollen.“

Clownfrau Andrea Klotz  ging im Projekt voll auf

Ebenfalls etwas für das Auge war das Outfit der Clownin Andrea Klotz, die in ihrer Rolle sichtlich aufging und mit Charme und Selbstwitz in ihren Bann zog. Während die einen sich noch zögernd umsahen, ob Lachen denn „erlaubt“ sei, hörten die meisten bereits nach kurzer Zeit auf, die Sinnhaftigkeit ihres Verhaltens zu hinterfragen – und lachten einfach mit der „Spielfrau“ mit.

„Das Publikum zum Lachen bringen – was wirklich nicht einfach ist!“ Damit brachte Viola Semper ein Ziel des Abends zum Ausdruck. Andrea Klotz und ihrem Team ist es gelungen.