Erstellt am 30. Oktober 2015, 03:52

von Martin Kalchhauser

Lieblosigkeit im skurrilen Wettstreit. Theatergruppe zeigte bei Uraufführung der Tragikkomödie „STOPP“ viel Mut und Einsatz.

Brigitte Zach mit den »Neuen« auf den Brettern der Eggenburger Bühne, Wolfgang Weidinger, Max Pernerstorfer, Mathias Jarmer und Jana Czvitkovits (von links). Foto: Martin Kalchhauser  |  NOEN, Martin Kalchhauser

An schwere Kost wagte sich die Theatergruppe Eggenburg bei der diesjährigen Aufführung des Stückes „STOPP“ (Helmut Korherr & Wolfgang Becvar).

Regisseurin Brigitte Zach setzte die Geschichte des Handelsreisenden Liebermann (Martin Jarmer in der Hauptrolle in Hochform), der im wahrsten Sinn des Wortes durch sein Leben jagt – und dabei zwei Frauen in den Sarg und sich selbst in den Rollstuhl befördert –, auf der breiten Bühne der Landesberufsschule gekonnt um.

Skurrile Elemente und fast slapstickartige Szenen

Mithilfe eines Verfolgers (beweglicher Schweinwerfer) holt sie die Akteure zu zweit oder einzeln ins Rampenlicht und versenkt sie danach wieder im Dunkeln. Alle zwölf Akteure im Stück sind über Liebermann miteinander „verbunden“ – egal, ob als Ehefrau, Freundin oder deren Bezugspersonen.

Höchst skurrile Elemente (zwei ehemalige Beifahrerinnen im Sarg) und fast slapstickartige Szenen mit einem strohdummen Polizisten wechseln mit nachdenklich machenden Passagen und halten für die Zuschauer ein Wechselbad der Gefühle bereit. Nicht jeder weiß mit dieser Art von Botschaft über die Lieblosigkeit etwas anzufangen, wie sich auch bei den Premierengästen zeigte.

Unbestritten bleibt die gute Leistung des Ensembles. Von den vier Neulingen ist Jana Czvitkovits als Liebermanns Affäre – anfangs hofiert, am Ende frustriert – hervorzuheben. Unaufgeregt souverän trägt Patricia Hrovat drei Lieder zur Handlung vor. Wie recht sie mit dem einen Text doch hat: „Die Liebe ist ein seltsames Spiel“ – im Leben und im Stück „STOPP“.


„STOPP“: Aufführungen der Theatergruppe der Stadt Eggenburg finden zu folgenden Terminen statt:

Sa, 31. 10., 19.30 Uhr; So, 1. 11., 18 Uhr; Sa, 7. 11. und 14. 11., jeweils 19.30 Uhr; So, 8. und 15. 11., jeweils 18 Uhr.

Karten: 12 Euro/10 Euro; Infos, Reservierung: 02984/2500-22.


„Professionell gespielt“

Theaterstück gerettet | Manuskript war nur einmal vorhanden. Autor Helmut Korherr lobt Aufführung.

x  |  NOEN, Martin Kalchhauser
Helmut Korherr, gemeinsam mit dem bereits verstorbenen Wolfgang Becvar Autor des Theaterstücks „STOPP“, wohnte der Uraufführung in Eggenburg bei.

NÖN: Wie hat Ihnen die Aufführung gefallen?
Korherr: Die Uraufführung hat mir sehr gut gefallen. Das Stück wurde sehr professionell gespielt. Ich habe es mir so ähnlich vorgestellt – vielleicht bis auf einige wenige Details.

Warum war dieses Stück eigentlich verschollen?
Ich habe es vor rund 30 Jahren – damals haben wir noch in Goggendorf gewohnt – dem damaligen Leiter der Eggenburger Theatergruppe, Karl „Carlo“ Frank gegeben, dann total darauf vergessen. Jetzt wurde es von Brigitte Zach wieder aus der Versenkung geholt. Wenn es sich hier nicht gefunden hätte, wäre es verloren gewesen. Es gibt nur das eine Original, das meine Mutter damals mit der Schreibmaschine getippt hat.

Was war Ihre Intention mit diesem Theaterstück?
Ich wollte kein Lehrstück schreiben, habe ein absurdes Theaterstück geschaffen. Natürlich gibt es ein paar Pointen, Komödie ist es aber keine. Mein Thema war die Lieblosigkeit – oder vielleicht besser: die Liebe unter falschen Voraussetzungen. Leider ist das nach 30 Jahren noch immer aktuell.