Erstellt am 23. Dezember 2015, 04:58

von Martin Kalchhauser

Loidolt optimistisch für 104 Feuerwehr-Wahlen. Bezirkskommandant Werner Loidolt über seinen Abschied, seinen designierten Nachfolger und die Wichtigkeit kleiner Einheiten.

Werner Loidolt (57) ist seit 43 Jahren bei der Feuerwehr, war 16 Jahre Kommandant der FF Horn und ist seit 2005 Bezirkskommandant. Foto: Martin Kalchhauser  |  NOEN, Martin Kalchhauser

BEZIRK HORN | Seit 2005 ist Werner Loidolt (57) Bezirksfeuerwehrkommandant. Im Februar kandidiert er nicht mehr. Die NÖN führte anlässlich der anstehenden Wahlen in allen Wehren Anfang 2016 mit ihm ein Gespräch.

NÖN: 2016 wählen auch im Bezirk Horn die 104 Feuerwehren ihre Kommandanten neu. Wird es schwer werden, überall geeignete Kandidaten zu finden?

Loidolt: Es gibt Probleme bei einigen Wehren, bei denen ich dann selbst draußen war, quasi als Mediator. Ich bin guter Dinge, dass wir wieder alle Kommandos zusammenbringen.

„Die künftigen Kommandanten wissen,
wo sie mich einteilen können“

Was kann auf Bezirksebene gemacht werden, um die Kandidatenfindung zu erleichtern?

Meistens bin ich mit den Bürgermeistern bei den Feuerwehren, und wir versuchen, auf die betreffenden Personen einzuwirken. Es gibt konkret sieben bis acht Feuerwehren, wo die Situation schwierig ist, bei fünf oder sechs zeichnet sich schon eine Lösung ab.

Sie hören als Bezirkskommandant auf. Kehren Sie dem Feuerwehrwesen gänzlich den Rücken? Einen Loidolt ohne Feuerwehr kann man sich nicht vorstellen …

Ich trete nur aus der ersten Reihe zurück. Meine anfangs ausgegebene Devise war, dass zwei Perioden mein Ziel sind. Elf Jahre sind genug. Dazu kommt, dass mein Wunschkandidat Christian Angerer zugesagt hat zu kandidieren. Aber es gibt viele Aufgabenbereiche, in denen ich tätig werden möchte. Die künftigen Kommandanten wissen, wo sie mich einteilen können. Ein Leben ohne Feuerwehr kann ich mir wirklich nicht vorstellen.

Warum halten Sie Ihren Wunschnachfolger Christian Angerer für geeignet? Was sagen Sie zur Kritik, dass er ja in seinem Zivilberuf in Wien arbeitet und daher ein wenig „vom Schuss“ ist?

Es gibt derzeit keinen Gegenkandidaten, daher nehme ich an, dass Christian Angerer gewählt wird. Er ist der perfekte Nachfolger. Er hat schon in den vergangenen Jahren mit mir gemeinsam den Bezirk geführt und ist ein ausgezeichneter Mann. Die Funktion des Bezirkskommandanten ist quasi ein Managerposten. Natürlich muss man bei gewissen Ereignissen vor Ort sein, aber man kann vieles managen, ohne direkt dabei zu sein. Und er kann sich auch kurzfristig freispielen.

„Wegen der Atemschutz-Untersuchungen
kämpfe ich seit zehn Jahren“

Was sind die aktuellen Probleme der Feuerwehren?

Erstens ist es nicht leicht, immer Funktionäre zu finden, die Verantwortung auf sich nehmen, und es wird auch immer schwieriger, Geld für die Feuerwehren zu lukrieren. Ich würde mir wünschen, dass mehr Jugendliche zur Feuerwehr kommen. Da hoffe ich, dass sich gute, engagierte Leute finden und dass neue Jugendgruppen entstehen. Das ist unsere Zukunft! Ein großes Problem bleiben die Atemschutz-Untersuchungen. Da kämpfe ich seit zehn Jahren. Wir arbeiten jetzt gerade ein neues Modell aus, weil das mit den Spitälern nicht funktioniert hat, was mir sehr leidtut. Wir haben für ein neues Programm führende Kardiologen gewonnen. Auch die Ärztekammer ist auf unserer Seite, weil man erwartet, dass durch die Untersuchung auch das Gesundheitsbewusstsein ansteigen wird. Dieses Modell wird hoffentlich 2016 etwas. Das war immer mein größtes Steckenpferd.

Könnte eine Strukturreform – Zusammenlegung der vielen Kleinstfeuerwehren – nicht die personelle Lage verbessern?

Das ist genau die Frage, die man sehr schwer beantworten kann. Wenn in einer Gemeinde vier Feuerwehren sind und ich mache eine zur Stützpunkt-Feuerwehr, die die anderen Gebiete mitbetreuen muss, stellt sich für mich die Frage, ob dann von den einzelnen Wehren alle Mitglieder wechseln. Wenn das nicht so ist, wird das Personalproblem nämlich noch größer, weil ja auch die Anzahl der Einsätze steigt. Eine Zentralisierung ist meiner Meinung nach nicht gut.

Was ist Ihr größter Wunsch zum Abschied aus der Führungsposition im Bezirk Horn?

Ich hoffe sehr, dass alle 104 Feuerwehren bestehen bleiben, denn Elementarereignisse gibt es immer, und sie werden ja eher mehr. Wenn eine Feuerwehr fehlt, sind die Leute in den betroffenen Orten sicher nicht so gut betreut. Und ich wünsche allen Kameraden, dass sie immer gesund von ihren Einsätzen nach Hause kommen.

Was sagt die NÖN.at-Community zum Thema Kleinst-Feuerwehren? Stimmt bei unserer Umfrage mit:




FF im Bezirk Horn:

Aktuelle Zahlen (Stand: 20. Dezember 2015)

Feuerwehren:
Abschnitt Eggenburg   23
Abschnitt Gars   21
Abschnitt Geras   32
Abschnitt Horn   28
Summe   104

Mitglieder:
Aktive   3.263
Reservisten   860
FF-Jugend (elf Gruppen)   99
Summe   4.222

Einsätze 2015:
Technische Einsätze   1.061
Brandeinsätze   88
Brandsicherheitswachen   111
Fehlausrückungen   71
Summe   1.331

Eingesetzte Mitglieder   6.787
Einsatzstunden   14.643