Erstellt am 18. Juli 2012, 00:00

Mit Mut auf Zeitreise. KRITIK / In Österreich einzigartig: Barockwerke werden in ihrer Ursprünglichkeit präsentiert.

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VON GUDRUN KALCHHAUSER

ALTENBURG / Wer sich von Teatro Barocco im Stift Altenburg ein Orchesterkonzert barocker Werke erwartete, wird enttäuscht gewesen sein. Wer ein barockes Theaterstück sehen wollte, kam auf seine Rechnung. Teatro Ba rocco sprengte herkömmliche Erwartungen und bestach durch Andersartigkeit und den Mut, vom Weg des Sommerlustspiels abzuweichen. Die beiden Stücke wurden mit viel Bedacht gewählt und sollten wohl den Einstieg in diese für viele von uns „unbekannte Welt“ erleichtern.

Tänzerische Dramatik und  stimmgewaltiger Humor

Das selten gespielte (Spätbarock-)Werk Georg Anton Bendas „Ariadne auf Naxos“ gewinnt durch die Ausstattung und Optik des barocken Bühnenbildes ebenso wie durch die dezente Beleuchtung (Kerzen), im Besonderen aber durch die tänzerische Gestik Bernd Roger Bienerts. Überzeugend dramatisch war auch die Darstellung Ariadnes durch Kira von Zierotin.

Humorvoll und stimmgewaltig geht es in der Oper „Der Bassgeiger zu Wörgl“ zu. Sie erzählt die Geschichte eines betrunkenen Mannes, der von seiner Frau nicht ins Haus gelassen wird. Beide Sänger, Simone Vierlinger (Sopran) und Rafael Fingerlos (Bariton), waren stimmlich großartig. Dass die Bassgeige nicht zu Ton kam, macht aus dem Titel ein ungelüftetes Geheimnis. Johann Michael Haydns Werk zeichnet sich auch durch die Wahl des Tiroler Dialekts aus.

Ein Sonderapplaus für das  barocke Musik-Ensemble

Die bildgewaltige Musik zu diesen Stücken ist der eigentliche Erzähler. Die Einheit zwischen Darstellern und durchwegs exzellenten Musikern verdient sich Extra-Applaus. Vielleicht lernt der in beiden Stücken im Einsatz stehende Sprecher noch, seinen Sprachtrichter so einzusetzen, dass er als Verstärker wirkt. Die Gäste in den hinteren Reihen würden es ihm danken…

Bernd R. Bienert und seinem Team darf gratuliert werden. Es verlangt Courage, vor allem aber gute Kenntnis des Barock, um diesen Weg zu gehen. Am Können mangelt es jedenfalls nicht. Jetzt fehlt nur noch ein barockfreudiges Publikum, das sich auf diese literarische Zeitreise einlässt und sich Werken in ihrer Ursprünglichkeit stellt. Dafür bietet Altenburg eine in Österreich einzigartige Chance.