Erstellt am 11. November 2015, 04:07

von Martin Kalchhauser

Chor-Verein „entschläft“. „Musica Sacra über die Grenzen“ wird am 14. November Einstellung seiner Aktivitäten beschließen. Idee lebt im Süden weiter.

Obmann Abt Michael Proházka: »Nachdenkpause«, um Weiterführung des Linsbauer-Erbes zu überlegen. Foto: Eric Deron, Kalchhauser  |  NOEN, Martin Kalchhauser

Der Verein „Musica Sacra über die Grenzen“ (MSüG), der in den vergangenen 20 Jahren mit Chorveranstaltungen in Österreich, Tschechien und der Slowakei wichtige Impulse zur Überwindung der Grenzen setzte, wird am Samstag (14.11.) in der Vollversammlung stillgelegt.

Fehlendes Interesse und große Konkurrenz

Bereits in den letzten beiden Lebensjahren stellte der im Oktober 2013 verstorbene Gründer und „Motor“ des Vereins, Manfred Linsbauer, Überlegungen zur Zukunft an. Aufrufe zu Vorschlägen blieben ohne Widerhall, sodass sich die Obmann-Stellvertreterin Veronika Linsbauer-Willer entschloss, die Stilllegung zu betreiben.

Fehlendes Interesse von Chören mitzuwirken („Nach Österreich zu kommen, hat nach 25 Jahren nicht mehr den Reiz wie nach der Grenzöffnung!“), Schwierigkeiten heimischer Chöre (eigenes umfangreiches Programm) und die große Konkurrenz durch hochkarätige und hochdotierte Festivals nennt Linsbauer-Willer als Grund für die Flaute.

„Ich selbst sah mich als Alleinkämpferin mit Zustimmung und Bemühen des Stiftes Geras“, diagnostiziert die Wienerin mit Wohnsitz in Langau. Neben ihrer Berufstätigkeit und Leitung des Wiener Vokalensembles sei das nicht mehr zu bewerkstelligen.

Hoffnungsschimmer im Süden Österreichs

Linsbauer-Willer sieht trotz der traurigen Situation auch Positives: „Es sind viele persönliche Freundschaften entstanden, die auch ohne den Verein weiterleben.“ In Kroatien habe sich die junge Hotelmanagerin Ines Kovacic-Drndic in die MSüG-Idee verliebt und Anfang Oktober ein Chorfestival unter dem Namen des Vereins veranstaltet. Sieben Chöre aus Österreich, Italien, Tschechien und Kroatien waren dabei. „Sie möchte das weiterführen – unter meiner Patronanz, aber ohne den Verein im Norden.“

Weil der Schritt nicht endgültig sein solle, werde der Verein auch nur stillgelegt. Linsbauer-Willer: „Vielleicht kommen ja eines Tages eine zündende Idee und ein Durchstarter oder eine Duchstarterin? Besser, unsere Freunde und Sympathisanten sagen ,Schade!‘ als: ,Naja, früher war es besser.‘“

Abt Michael Proházka, der als Obmann fungiert: „Es ist schade und schmerzhaft, dass das in der Form zu Ende geht. Aber das Projekt war sehr auf die Person Manfred Linsbauer und seine guten Kontakte zugeschnitten.“ Der Geraser Abt sieht den aktuellen Schritt als eine „Nachdenkpause“ und möchte das Linsbauer-Erbe auf jeden Fall weiterführen. „Wir werden uns überlegen, in welcher Form das geschehen kann.“