Erstellt am 02. Dezember 2015, 13:37

von NÖN Redaktion

Naturschutzverbände gegen Kraftwerksprojekt im Kamptal. Das Kraftwerksprojekt der EVN in Rosenburg (Bezirk Horn) stößt bei Naturschutzverbänden auf Kritik.

Das Krafthaus soll modernisiert werden.  |  NOEN, EVN
Die "Aktionsgruppe Lebendiger Kamp" als gemeinsame Plattform befürchtet eine Zerstörung "einer der wertvollsten Flussstrecken Österreichs" in einem Europaschutzgebiet und kündigte in einer Aussendung am Mittwoch Widerstand an.

Für den Ausbau des Kraftwerks Rosenburg ( ) wolle der niederösterreichische Energieversorger eine Wasserspiegelanhebung im Oberwasser von zweieinhalb Metern sowie eine Eintiefung des Kamp im Unterwasser um eineinhalb Meter zur Genehmigung beim Mehrheitseigentümer, dem Land Niederösterreich, einreichen. Dadurch würde der Kamp auf eineinhalb Kilometern Länge durch Stauverlängerung und Unterwassereintiefung zusätzlich zerstört, meinen die Kritiker.

Kritik an "veralteten" Ausbaukonzepten

WWF, Naturschutzbund, Riverwatch, BirdLife Österreich, Forum Wissenschaft und Umwelt sowie etliche Fachleute hätten in ihren Stellungnahmen unisono die vorgeschlagenen Neubauvarianten als nicht vertretbaren Eingriff in eine der letzten freien und geschützten Fließstrecken Österreichs abgelehnt. "Dass die EVN nun exakt jene Variante einreichen will, die sie schon im Juni präsentiert hat, ist eine herbe Enttäuschung und empfinden wir als Frotzelei", wurde Christoph Litschauer, Flussexperte des WWF, zitiert. Die EVN sollte anstatt in "veraltete" Ausbaukonzepte "endlich" in ein modernes, auf Energieeinsparung ausgerichtetes Versorgungskonzept investieren.

Appell an Umweltlandesrat Pernkopf

"Die letzten paar Kilometer an freien, unverbauten Fließstrecken für eine lächerliche Stromausbeute zu fluten bzw. auszubaggern kann doch nicht der Weisheit letzter Schluss sein", forderte die Aktionsgruppe Umweltlandesrat Stephan Pernkopf (ÖVP) auf, sich gegen die Zerstörung des Kamp auszusprechen. Sollte das Land hier nicht die Notbremse ziehen, könnte ein "möglicherweise jahrelanger Konflikt im Kamptal" drohen.

"Wir lassen uns das Kamptal nicht zerstören", so Sprecher Werner Gamerith. Das EVN-Variantenpapier sei lückenhaft und die Kritik der NGO an den Mängeln der EVN-Untersuchung seien nicht eingearbeitet worden, wurde bemängelt. Verwiesen wurde auch auf eine EVN-Informationsveranstaltung am Dienstagabend, bei der Besucher die "Schönfärberei" durch den Versorger kritisiert und die Zahlenangaben zur Stromproduktionssteigerung als nicht nachvollziehbar angezweifelt hätten.

EVN: Naturverträglichkeit im Fokus

„Wir haben entschieden, die Revitalisierung des historischen Kraftwerks Rosenburg weiter voranzutreiben. Wie die Visualisierungen zeigen, steht dabei allerdings weniger die Ökonomie, als vielmehr die Naturverträglichkeit im Vordergrund", will EVN-Sprecher Stefan Zach die Vorwürfe nicht gelten lassen. 

Gleichzeitig stellt er klar: "Die Forderung des Abrisses des historischen Wasserkraftwerks Rosenburg durch einige NGOs erscheint im Kontext mit dem Klimaschutz allerdings als problematisch. Wir sehen es als unsere Pflicht künftigen Generationen gegenüber, möglichst viel Strom aus erneuerbaren Ressourcen zu erzeugen. Das deckt sich auch mit den Wünschen der überwiegenden Mehrheit der Bevölkerung.“


 


Hintergrund: Modernisierungspläne für Kleinwasserkraftwerk

Das KW Rosenburg erzeugt seit 1907 Strom für die Region. 2002 wurde die alte Wehranlage bei einem Hochwasser größtenteils zerstört und danach provisorisch erneuert. Auch die alten Turbinen, Generatoren und Anlagenteile erreichen nun bald das Ende ihrer Lebenszeit und müssen ersetzt werden. Die EVN möchte daher den historischen Kraftwerksstandort Rosenburg revitalisieren.
 
Die EVN will damit einen weiteren Beitrag zu den Zielen des Landes NÖ leisten, die vorsehen, die erneuerbaren Energien auszubauen. Dazu zählt neben der Nutzung von Wind, Sonne und Biomasse auch die Wasserkraft. “Unser Ziel ist hier eindeutig die Revitalisierung und Modernisierung bestehender Wasserkraftwerke“, so Zach.

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