Erstellt am 15. Mai 2015, 07:30

von Martin Kalchhauser

„Die Laien mehr einbinden!“. Pfarrer Andreas Brandtner will Pfarrangehörigen mehr Agenden übertragen und sieht die Pfarrhöfe als „Hoffnungszeichen“ in unserer benachteiligten Region.

Pfarrer Andreas Brandtner vor seinem Langauer Pfarrhof: »Wir müssen in den Gemeinden die Letzten sein, die zusperren!«  |  NOEN, Martin Kalchhauser

Unerwartet rasch hat Bischof Klaus Küng die Wahl des neuen Dechants Andreas Brandtner (62) bestätigt. Der Langauer Pfarrer und Prior des Stiftes Geras hat damit seit Anfang Mai die Leitung des Dekanats Geras mit 26 Pfarren und 15 Priestern über.

Drei große Anliegen gibt es, denen Brandtner als „Chef“ der Pfarren seines Bereichs größtes Augenmerk widmen möchte: das verstärkte Hereinholen der Laien in die Arbeit in den Pfarren, die Stärkung der Pfarrhöfe als wichtige Stützpunkte der Seelsorge in den einzelnen Gemeinden sowie die Stärkung des Ansehens des Stifters Geras als wichtiges regionales Seelsorgezentrum, aber auch als wesentlicher Tourismus-Betrieb.

"Mehr Mitarbeiter in Pfarren hereinholen"

21 der 26 Pfarren des Dekanats werden vom Stift Geras betreut. „Von der Anzahl der Priester sind wir in einer guten Situation“, meint Brandtner. „Aber es ist wichtig, noch mehr Mitarbeiter in den Pfarren hereinzuholen.“ Es gebe in den einzelnen Pfarren viel Potenzial für Aufgaben, etwa im Bereich der Kirchenrechnungen oder der Pfarrbriefe. „Ziel ist, dass die Pfarrer mehr Zeit für ihre seelsorglichen Aufgaben finden.“

Bei den Pfarrhöfen ist Brandtner eine Inventarisierung wichtig. Positiv vermerkt er da ein Umdenken in der Diözese. Die Zeit der Pfarrhof-Verkäufe (Sallapulka, Zissersdorf) sei vorbei. „Die meisten unserer Pfarrhöfe sind in einem guten Zustand. Wichtig ist mir, dass wir seitens der Kirche ein Zeichen setzen, dass es sich ,auszahlt‘, direkt bei den Gläubigen zu sein. Das sind wichtige Hoffnungszeichen in unserer wirtschaftlich benachteiligten Region. Wir müssen die Letzten sein, die zusperren!“

Das Stift Geras mehr ins Bewusstsein zu rufen, ist das dritte zentrale Anliegen Brandtners. „Die öffentliche Wahrnehmung des Stiftes entspricht nicht dem, was das Stift tatsächlich leistet!“ Aufgrund der wirtschaftlichen Turbulenzen der vergangenen Jahre sei Geras in die Defensive geraten. „Aber wir leisten einen wichtigen Beitrag!“

Stift Geras als wichtiger Tourismus "Motor"

Vor allem der touristische Beitrag für die Region dürfe nicht außer Acht gelassen werden. „Bei rund 12.000 Nächtigungen pro Jahr in Pernegg, rund 2.300 zuletzt in Geras selbst sowie 4.000 im SOLA (Sommerlager Langau) brauchen wir unser Licht nicht unter den Scheffel zu stellen.“ Es gehe darum, dies sowohl den Menschen in der Region ins Bewusstsein zu rufen als auch der (Landes-)Politik.

Nicht zuletzt könne dies durch die Verstärkung der Beziehung des Stiftes zu den Pfarren erreicht werden. „Ein erster Schritt war die Einladung unseres Abtes Michael Proházka an die Pfarren, die Monatswallfahrten zu gestalten – ein wichtiger Auftakt zu einer Intensivierung der Beziehung, die auf mehreren Ebenen passieren muss.“

Pfarrer Andreas Brandtner vor seinem Langauer Pfarrhof: „Wir müssen in den Gemeinden die Letzten sein, die zusperren!“ Foto: Martin Kalchhauser