Brunn an der Wild

Erstellt am 12. Oktober 2016, 02:25

von Martin Kalchhauser

„Viele freuen sich mit mir!“. Elisabeth Allram, die erste Bürgermeisterin im Bezirk Horn, über ihren Weg zur Nummer 1 der Gemeinde Brunn, ihre Stärken und Pläne für die kommenden Jahre.

„Liebe Leute, es ist endlich soweit, Brunn ist für die erste Bürgermeisterin bereit.“ Mit einem originellen Transparent gratulierten Freunde in St. Marein Elisabeth Allram zur Bürgermeisterwahl.  |  NÖN - Martin Kalchhauser

NÖN: „Frau Bürgermeister“ oder „Frau Bürgermeisterin“? Wie wollen Sie angesprochen werden?
Allram: Mich stört weder „Frau Bürgermeisterin“ noch „Frau Bürgermeister“. Ich fühle mich angesprochen und muss das „in“ nicht dabeihaben. Mir ist das egal.

Haben Sie beim Einstieg in die Gemeindepolitik 2015 mit dieser Entwicklung gerechnet? War das Bürgermeisteramt Ihr Ziel?
Damit habe ich natürlich nicht gerechnet. Das war auch für die weitere Zukunft kein Ziel. In den Gemeinderat bin ich gegangen, weil mein Mann Norbert als Mandatar aufgehört hat und St. Marein dann in der Gemeinde nicht vertreten gewesen wäre. Daher habe ich mich bereit erklärt, für den Gemeinderat zu kandidieren. Als erster Schritt zu einer weiteren Karriere hatte ich das nicht geplant. Das hat sich erst ergeben, als es geheißen hat, Josef Gumpinger hört auf. Dann bin ich vorgeschlagen worden, und es hat längere Gespräche gegeben.

Warum, glauben Sie, hat es so lange gedauert, bis es eine erste Frau an der Spitze einer Gemeinde im Bezirk Horn gegeben hat?
Das Bürgermeisteramt war immer eine Männerdomäne. Und wenn eine Frau kleine Kinder zu versorgen hat, dann kann sie das Amt nicht einfach so übernehmen, weil es ja viele Abendveranstaltungen gibt, die man besuchen muss. Auch bei uns ist im Club diskutiert worden, und einige haben offen gesagt, sie seien der Meinung, der Bürgermeister sollte ein Mann sein. Aber letztlich hat sich die Auffassung, die auch mein Vorgänger und natürlich die Frauen im Gemeinderat vertreten haben, dass es kein Mann sein muss, durchgesetzt.

Dann hat es plötzlich mehrere Kandidatinnen gegeben …
Nein, diese Darstellung war nicht richtig. Es war von Anfang an nur ich im Gespräch.

Was waren Ihre Überlegungen, als das Thema spruchreif wurde?
Ich habe mich anfangs schon dagegen gewehrt. Wir haben ja die Firma zuhause! Aber irgendwer hat sich ja schließlich bereit erklären müssen. Und ich bin als Mitarbeiterin im Unternehmen quasi „selbstständig“, kann mir die Arbeit selbst einteilen und auch untertags fast jederzeit weg. Kleine Kinder haben wir keine mehr, und eine interessante Aufgabe ist dieses Amt sicher.

Was waren die Reaktionen in der eigenen Familie?
Mein Mann war anfangs sehr dagegen. Er hat es mir schon zugetraut, aber geraten, ich solle mir das nicht antun. Die Tochter war sofort dafür, und der Sohn unterstützt die Entscheidung ebenfalls. Die engere Familie trägt meine Entscheidung voll mit.

Was waren die Reaktionen nach der Wahl?
Bei der Erntedankmesse am Sonntag haben mir viele Menschen gratuliert, es gab viele Anrufe, auch aus meiner früheren Heimatgemeinde Irnfritz-Messern. Viele freuen sich mit mir, auch in der Ortschaft.

Hat man es als Frau schwerer?
Nein, das glaube ich nicht. Wenn ich mich bei einem Thema gut auskenne und gut vorbereitet bin, spielt das sicher keine Rolle.

Was sind Ihre persönlichen Stärken und Schwächen?
Sicher ist, dass ich gerne überall anpacke und mitarbeite. Ich denke, das habe ich bei den Vereinen, in denen ich aktiv bin, bewiesen. Und ich denke, dass ich mit den Leuten gut kann. Öffentlich aufzutreten stört mich nicht, aber mit dem Reden habe ich noch ein kleines Problem.

Sie haben einige „Baustellen“ übernommen. Brunn braucht einen Arzt, der Nahversorger sperrt 2017 zu …
Für die Arztstelle gibt es nun eine Bewerberin. Wir sind mit ihr im Gespräch, und wir hoffen, dass das etwas wird. Das Kaufhaus Riss wird voraussichtlich Mitte des Jahres zusperren. Wir sind auf Standortsuche. Da gibt es unter anderem Überlegungen im Zusammenhang mit dem ehemaligen Gasthaus Schmiedl.

Was sind Ihre Ziele für die Zukunft?
Es ist viel geschehen in den letzten 20 Jahren. Das sollten wir erhalten, und es geht darum, den Zuzug junger Familien zu fördern.

Wie steht es um das Windenergie-Projekt in Brunn?
Persönlich bin ich für die Windenergie. Die verkleinerte Version des Windparks könnte realisiert werden. Es wird aber noch verhandelt.

Was macht Brunn für Sie lebenswert?
Wir haben eine tolle Infrastruktur, sind ein guter Standort für Firmen. Die Leute halten zusammen, und in den kleinen Ortschaften sind die Gemeinschaften noch intakt.