Erstellt am 02. April 2016, 05:34

von Thomas Weikertschläger

Praktikum in Ghana: „In einer anderen Welt“. Die Hornerin Stefanie Gruber absolvierte ein sechswöchiges Praktikum in einer Klinik in Ghana und lernte positive und negative Seiten des afrikanischen Landes kennen.

Auch mit wenig sehr glücklich: Beeindruckt war Stefanie Gruber von der Offenheit und Zufriedenheit, die die jungen Ghanaer trotz ihrer Armut ausstrahlten. Die Kinder der Stadt Onwe schlossen die Hornerin rasch in ihr Herz. Fotos: privat  |  NOEN, privat

Die Hornerin Stefanie Gruber, Diplomkrankenpflegerin am Landesklinikum Horn, setzte einen lang gehegten Wunsch in die Tat um: Sie arbeitete sechs Wochen als Pflegerin in einer Klinik im westafrikanischen Land Ghana – und tauchte damit in eine „andere Welt“ ein, wie sie selbst sagt.

EKG oder Röntgen standen nicht zur Verfügung

Gemeinsam mit dem Schremser Thomas Süß, mit dem sie gemeinsam ihre Ausbildung in der Schule für Allgemeine Gesundheits- und Krankenpflege in Horn absolviert hatte, machte sie sich nach Onwe, eine 2.000 Einwohner zählende Stadt in der Ashanti Region, auf. Dort arbeitete sie in einer Klinik, die über 30 Betten in sechs Stationen verfügt.

„Zu meinen Aufgabenbereichen zählten unter anderem Vitalzeichenerhebung, Verbände wechseln, Medikamente und Infusionen verabreichen, Impfen, Daten von Babys und Kleinkindern erheben und versuchen, Arbeitsweisen und Einstellungen zu verstehen und anzunehmen“, erzählt Gruber.

Denn vieles werde in Ghana anders gehandhabt als in Österreich, „und das zu akzeptieren, fällt nicht immer leicht“, so Gruber. Denn die technische Ausstattung des Spitals ist spärlich, Defibrillator, Ultraschallgerät, EKG oder Röntgen standen nicht zur Verfügung, sondern „lediglich ein Stethoskop, wenige Laborwerte und die Hände der Ärzte“, wie Gruber meint.

Den Pflegern komme in Ghana mehr Kompetenz zu, dafür werden viele pflegerische Arbeiten wie das Verabreichen von Essen, Waschen oder das Versorgen von Kindern von den Angehörigen übernommen.

Ungewohnt war aber auch das tägliche Leben bei der Gastmutter. Gruber: „Das Leben ist sehr einfach, das hat es am Anfang schwierig gemacht.“ Wasser gab es nur morgens und abends, Stromausfälle standen auf der Tagesordnung, als WC gab es nur ein Plumpsklo mit nicht fest montierter Muschel, gekocht wurde am Boden mit Gas oder Holzkohle, die Wäsche musste per Hand gewaschen werden

„Außer einem Bett gab es in unserem Zimmer nichts, wir haben sechs Wochen aus dem Koffer gelebt“, so Gruber. Man arrangiere sich schnell mit den Gegebenheiten und akzeptiere, „dass es einfach so ist.“

„Erfahrungen sind mehr Wert als Geld“

Bereut hat Gruber die Entscheidung zu diesem Praktikum nie: „Es war eine wundervolle Erfahrung.“ Vor dem Praktikum sei sie oft gefragt worden, warum sie das mache, schließlich musste sie das Praktikum selbst finanzieren und dafür ihren Urlaub und Zeitausgleich in Anspruch nehmen: „Weil es den Menschen dort zugute kommt. Und weil das, was man davon mitnimmt, mehr wert ist als Geld“, war ihre Antwort.

Die gewonnenen Eindrücke werden mich ein Leben lang begleiten. Sie haben mich in vielen Sichtweisen inspiriert, positiv wie auch negativ. Positiv aufgefallen sei, mit wie wenig Menschen glücklich sein könnten: „Sie sind mit dem bisschen, das sie haben, zufrieden.“ Auch die Offenheit und Gastfreundschaft der Ghanaer sei beeindruckend gewesen, haben gleichzeitig aber auch eine negative Facette: „Viele haben noch nie einen Weißen gesehen und wollten uns ständig angreifen.“

Negativ sei auch die Müllproblematik („es wird alles achtlos weggeworfen“) oder der Umgang mit Kindern („ein Stock gehört zur Grundausrüstung jedes Lehrers“). Die Zustände in einem Kinderheim in der Nähe hätten sie schockiert („Das Gebäude war wie eine trostlose Baustelle.“).


Daten & Fakten

Ghana ist ein Staat in Westafrika, der an die Elfenbeinküste, Burkina Faso, Togo sowie im Süden an den Golf von Guinea (Atlantischer Ozean) grenzt.

Hauptstadt: Accra

Fläche: 238.537 km2 (Österreich: 83.879 km2)

Einwohner: ca. 26 Millionen (8,7 Millionen)

BIP/Einwohner (nominal): 1.858 USD (48.957 USD)