Erstellt am 14. März 2016, 09:10

von Martin Kalchhauser

Thema berührte die Herzen der Gäste. Horner Hospizsymposium zog gleich von der ersten Minute an die über 400 Teilnehmer in seinen Bann.

Hospizsymposium Horn: Schüler der HLW Horn bei ihrer szenischen Darstellung der Trauer. Foto: Martin Kalchhauser  |  NOEN, Kalchhauser
Die alle zwei Jahre stattfindenden Hospizsymposien in Horn sind für ihre hohe Qualität bekannt – diesmal hatten wegen des enormen Interesses fast 50 Personen abgelehnt werden müssen. Das Vereinshaus war bei der 13. Auflage mit über 400 Teilnehmern bis auf den letzten Platz gefüllt. Obfrau Roswitha Helwig ortete bei der Begrüßung der Referenten und Gäste eine „wunderbare Atmosphäre, bei der Gefühle in Bewegung kommen“.

Schüler vermittelten Gefühle spürbar

Dies passierte auch gleich beim Auftakt, den die Schülerinnen und Schüler der 3HLWB-Klasse (HLW Horn) gestalteten. Lehrerin Stefanie Frischauf-Busta und ihren Schülern Lisa Peter, Gregor Hofbauer, Julia Eder, Alina Höfinger, Hannah Bichler, Fabia Pfeiffer, Emilia Greylinger, Denise Chadim, Jasmin Böhm, Katja Hörmansdorfer, Viktoria Schalko, Dominik Hofbauer, Julia Neumeister und Lena Hörmann hatten sich mit dem Themen Sterben, Verlust und Trauer auseinandergesetzt und diese aus der Sicht verschiedener Betroffener szenisch dargestellt. Dass dies „nicht ohne Gefühlsebene machbar“ sei, wie die Pädagogin in ihrem Statement meinte, war den Gästen nicht nur klar, sondern für diese auch deutlich spürbar.

„Und ist’s Gefühl, wer weiß, wie weit es reicht …“

„Und ist’s Gefühl, wer weiß, wie weit es reicht …“ (Rainer Maria Rilke) war heuer das Thema. So wie der Auftakt durch die Schülergruppe rührten auch die allesamt hochkarätigen Beiträge der Referenten ans Herz. Vizebürgermeisterin Gerda Erdner sprach namens der Stadt Horn Dank an die Organisatoren um Christine Zeiner sowie den Verein Mobiles Hospiz im Bezirk Horn mit Obfrau Roswitha Helwig aus: „Es braucht zu allem immer ein Team, aber auch einen Motor – und das bist du.“

Fachleute gaben sich auch rhetorisch keine Blöße

Die Referenten – allesamt Spezialisten ihrer Bereiche und zudem rhetorisch brilliant – lieferten den Teilnehmern viele wertvolle Impulse und bestärkten sie in ihrem (meist ehrenamtlichen) Engagement im Hospizbereich. Geborgenheit und Vertrautheit nannte Udo Baer aus Duisburg im Vortrag „Das Herz wird nicht dement“ als Mittel im Kampf gegen Demenz, der evangelische Pfarrer Traugott Roser aus Münster wagte sich profund an das Thema „Zärtlichkeit und Sexualität Sterbender und Trauernder“. „Mystik im Sterben“ war Thema der Psychologin Doris-Anna Biermeier, die im Landesklinikum Waldviertel in Horn tätig ist.

Anleitung zum schnellsten Weg ins Burnout

Arnold Mettnitzer setzte sich in seinem Beitrag mit „Beileid zwischen Höflichkeit und Anteilnahme“ auseinander. Mit ihren Ausführungen zum Thema „Mei, Schwester, wie halten Sie das denn aus?“ sprach die Pflegewissenschafterin Monika Müller aus Bonn den zahlreichen Pflegefachkräften in Auditorium im wahrsten Sinne des Wortes aus der Seele. Sie setzte sich mit der psychischen Belastung durch die wiederholte Konfrontation mit Sterben, Tod und Trauer auseinander. Unter anderem gab sie den Schwestern und Pflegern auch eine – nicht ganz ernst gemeinte – Anleitung zum schnellsten Weg ins Burnout mit auf den Weg.

Änderungen im Recht der Patienten stehen bevor

Neben den ausschließlich hochkarätigen Vorträgen von Fachleuten aus Medizin, Pflege und Psychotherapie gab es am Ende noch einen Beitrag Justizminister Wolfgang Brandstetters, in dem er auf Themen wie Patientenverfügung und Vormundschaft einging und dabei eine Reihe von Gesetzesänderungen in nächster Zeit ankündigte. Sein Appell: Die mit der Praxis gut Vertrauten Helferinnen und Helfer mögen beim Einsatz für Veränderungen im positiven Sinn seine Verbündeten sein.

RANDNOTIZEN

Zum Horner Hospiz-Symposium gehören zwei Männer schon immer dazu: Die Ärzte Dietmar Weixler und Friedrich Eckhard agierten wieder in gefälliger Manier als Moderatoren. Eckhards Einstieg: „Jetzt kommen die beiden Unvermeidlichen!“ Und in Anspielung auf seine Pension: „Ich sehe die Medizin jetzt auch von der anderen Seite.“
 
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Referent Udo Baer hatte in seinem bewegenden Referat eine Randbemerkung fallen lassen. Neben Umarmungen seiner Frau sei für ihn der beste Trost Schokolade der Marke Ritter Sport Nougat. Ein aufmerksamer Gast und Freund des Hospizvereins machte sich noch während des Vortrags auf den Weg und besorgte die Schokolade. Obfrau Roswitha Helwig nützte später eine kurze Pause, um dem Duisburger die tröstliche Süßigkeit zu überreichen. Die nette Geste fand viel Beifall.
 
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Terminlich mussten sich die begehrten Vortragenden für ihre Teilnahme am Horner Symposium „nach der Decke strecken“. Udo Baer etwa saß drei Stunden nach seinem „Gastspiel“ in Horn schon wieder im Flugzeug Richtung Deutschland. Und Justizminister Wolfgang Brandstetter war wenige Stunden vor seinem Besuch in Horn im Ö1-Mittagsjournal in der Reihe „Im Journal zu Gast“ interviewt worden. Aber letztlich ging sich für alle alles aus.
 
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Durchwegs positive Rückmeldungen gab es zur Verpflegung der Tagungsteilnehmer. Vereinshaus-Wirt Thomas „Jimmy“ Barta lieferte nicht nur wie gewohnt Top-Qualität beim Essen, die Abwicklung des Mittagsbuffets erfolgte trotz des riesigen Andrangs von über 400 Hungrigen klaglos und in kürzester Zeit. Gerne genützt wurde auch das Angebot der Bücherstube, die einen eigenen Stand aufgebaut hatte und einschlägige Fachliteratur – teilweise Bücher der Referentinnen und Referenten – im Angebot hatte.