Erstellt am 11. November 2015, 05:07

von Martin Kalchhauser

Verkaufsstand jetzt ohne „Überwachung“. Bürger-Unmut wegen privater Überwachung. Landwirt behält sich persönliche Überwachung seiner Reisig-Geschäfte vor.

Franz Wögenstein, hier bei seinem Reisigstand am Horner Hauptplatz, kündigt weiter Kontrollen gegen »Gratiseinkäufer« an. Foto: Martin Kalchhauser  |  NOEN, Martin Kalchhauser

Weil sich einige Passanten darüber alteriert hatten, dass der Landwirt Franz Wögenstein seinen Reisig-Verkaufsstand am Horner Hauptplatz mit einer Kamera überwachte, wurde die Stadtgemeinde aktiv. Jetzt ist die Vorrichtung – laut Wögenstein war es nur eine Attrappe – weg.

Potenziellen Kunden kündigte ein Schreiben am Stand an, dass sie fotografiert würden. So wollte der Christbaumbauer erreichen, dass sie auch die 7 Euro pro Bund Reisig in die Kasse des Selbstbedienungs-Standes einwerfen. Weil sich der Stand am Hauptplatz befindet, gab es Zweifel, wer aller fotografiert oder gefilmt werde und vor allem, ob Fotos „Unverdächtiger“ auch wirklich gelöscht würden.

„Verwirrend und Unruhe stiftend“

„Der Betreiber einer Videoüberwachung braucht eine Bewilligung der Datenschutzbehörde, wir haben ihm als Gemeinde nur den Platz für den Verkaufsstand vermietet“, erklärte Stadtamtsdirektor Johann Steininger Ende der Vorwoche zur Sachlage. „Von einer technischen Ausrüstung ist nie die Rede gewesen. Das ist jedenfalls verwirrend und Unruhe stiftend. Wir werden ihn auffordern, die Kamera zu entfernen.“

Wögenstein hat dies am Wochenende getan. „Das war ohnehin nur eine Dummy-Kamera, wie ich sie auch an anderen Verkaufsständen verwende“, erklärt er. „Wenn der Stand nicht überwacht wird, sinkt der Durchschnitt, den Kunden für Reisig zahlen von 4,80 auf 3,50 Euro“, berichtet er aus langjähriger Erfahrung.

Daher behält er sich vor, beim Stand in Horn künftig persönlich Kontrollen zu machen. „Wenn jemand Reisig wegnimmt und nicht bezahlt, fotografiere ich ihn und gebe das Bild der Polizei, damit sie den Täter ausforscht.“ Diese Maßnahme würden ehrliche Kunden überhaupt nicht spüren.

Leider zahle eben nicht jeder. „Ich könnte mit fünf Euro pro Bund auch leben. Aber die Ehrlichen müssen den Schwund durch die Diebe mitzahlen.“

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