Erstellt am 10. Februar 2016, 04:43

von Martin Kalchhauser

Wird Windpark in der Wild ganz neu geplant?. Zwangspausen bei Projekten, weitere Gutachten in Meiseldorf nötig. Neuer Plan mit zehn Anlagen bei „Drei-Bezirke-Projekt“ in Arbeit.

Ewald Schrenk, Andrea Neuwirth und Alfred Schmudermayer (von links) von den Waldviertler Bürgerinitiativen stellten bei der EVN-Hauptversammlung kritische Fragen zum Thema Windkraftanlagen im Wald(-viertel). Foto: privat  |  NOEN, privat

Die Aktionärsversammlung der EVN nützten Vertreter der Waldviertler Bürgerinitiativen, die gegen Windkraft im Wald auftreten, um 39 Fragen zu stellen. Die EVN („Die Beantwortung hätte den Rahmen der Versammlung gesprengt!“) will an den Projekten festhalten. Allerdings gibt es zeitliche Verzögerungen und ein „neues Layout“ für den geplanten Windpark in der Wild.

„Ergänzende ornithologische Gutachten nötig“

„Unsere Fragen wurden nebulos, oberflächlich oder vielfach gar nicht beantwortet“, beklagt sich Ewald Schrenk von der Initiative „Freunde des Waldviertels“ darüber, wie mit den Windparkgegnern verfahren wurde. „Der Vorsitzende hat sie in zunehmend schnellerem Tempo verlesen, sodass manche Passagen völlig unverständlich wurden.“

Zu den konkreten Fragen in Bezug auf die den Bezirk Horn betreffenden Projekte (Repowering Windpark Japons, Errichtung der Windparks in der Wild und in Meiseldorf) habe es keine Antworten gegeben.

Die NÖN bemühte sich um Antworten. „Eine ausführlichere Beantwortung der Fragen hätte den Rahmen der Hauptversammlung gesprengt“, bedauert die EVN in einer von Sprecher Michael Kovarik übermittelten Stellungnahme. Man stehe aber mit den Bürgerinitiativen und interessierten Bürgern in ständigem Austausch und habe viele Fragen schon in Gesprächen oder persönlichen Mails beantwortet.

Zum Windpark Meiseldorf, wo die Gegner Schwarzstörche vermuten, gesteht die EVN zu, dass „ergänzende ornithologische Gutachten nötig“ sind. Mit den Untersuchungen werde begonnen, sobald die Zugvögel wieder zurück im Waldviertel seien. „Auf Basis dieser Ergebnisse werden wir entscheiden, wie bei diesem Projekt weiter vorgegangen wird.“

EVN zuversichtlich für Kompromiss mit Heer

Beim Windpark in der Wild würden aktuell, wie die NÖN berichtete, von den ursprünglich 14 projektierten Anlagen in den Gemeinden Brunn, Göpfritz und Ludweis-Aigen nur fünf übrig bleiben. Grund: Einsprüche des Bundesheeres wegen der Einflugschneise in den Truppenübungsplatz Allentsteig.

„Wir sind seit Monaten in Abstimmung mit Experten des Bundesheeres, um die Windpark-Planung auch mit der militärischen Nutzung des Gebiets in Einklang zu bringen, und zuversichtlich, einen Kompromiss zu finden“, berichtet Kovarik. Derzeit sei ein „neues Park-Layout“ mit zehn Windkraftanlagen in Ausarbeitung.

Was die Ökologie des Gebiets betrifft, widerspricht die EVN den Bedenken. Es handle sich nicht um eine vom Land ausgewiesene „Eignungszone“, und das Projekt benötige nur 0,5 % des Gebiets der sogenannten „Wild“ – noch dazu einen Bereich, wo bereits eine „intensive fortwirtschaftliche Waldnutzung“ stattfinde.

EVN: „Keine schlechte Stimmung für Windkraft!“

In Japons gehe es beim bestehenden Windpark um ein „Repowering“, also den Ersatz von sieben Windrädern „der ersten Generation“ durch vier neue. Zum Vorwurf der Initiativen, man baue Anlagen nach zehn Jahren ab, obwohl ihre Lebensdauer mit 20 Jahren vorhergesagt war: Die Räder in Japons würden 2019/2020, also knapp 16 Jahre nach ihrer Errichtung, abgebaut. „Sie waren in etwa auf diese Lebensdauer ausgelegt. Die neue Generation wird dann etwa 20 bis 25 Jahre in Betrieb sein.“

Die Planungen für 2019 müssten allerdings schon jetzt beginnen. Und es könne nur im Sinne der Umweltschützer sein, mit nur „etwas mehr als der Hälfte der Windräder beinahe doppelt so viel Strom wie bisher zu erzeugen“. Von einer „Neuplanung“ eines Windparks, wie Initiativen vermuten, sei keine Rede. Dennoch werde es unter anderem neue ornithologische Gutachten geben.

Last not least stellt sich die EVN dem Argument der Windparkgegner entgegen, es gebe in der Region eine „schlechte Stimmung“ in Bezug auf die Windenergienutzung. Kovarik: „Meinungsumfragen und Ergebnisse von Volksbefragungen zeigen, dass die große Mehrheit der Bevölkerung hinter dem Ausbau der Windkraft steht.“ Von allen Kraftwerken weise diese mit 87,6 % Zustimmung den höchsten Wert unter allen Kraftwerksarten auf. Im Waldviertel liege dieser sogar bei 86,2 und damit knapp über dem des Weinviertels (84,2).