Erstellt am 23. November 2015, 08:35

von APA/Red

16 Festnahmen bei Anti-Terror-Einsätzen in Belgien. Bei einem groß angelegten Anti-Terror-Einsatz hat die belgische Polizei in der Nacht auf Montag 16 Verdächtige festgenommen.

Das berichtete die Staatsanwaltschaft in der Nacht auf Montag in Brüssel. Der mit internationalem Haftbefehl gesuchte Salah Abdeslam sei nicht unter den Festgenommenen, sagte der Sprecher der Staatsanwaltschaft, Eric Van der Sijpt.

Belgische Polizei und Militär durchkämmten auf der Suche nach mehreren Terrorverdächtigen mehrere Stadtviertel von Brüssel. Es gab 19 Durchsuchungen in mehreren Gemeinden der Hauptstadtregion und weitere drei Razzien in der wallonischen Industriestadt Charleroi. Es seien dabei weder Waffen noch Explosivstoffe gefunden worden.

Einer der verhafteten Verdächtigen war bei einem Fluchtversuch mit einem Auto verletzt worden, berichtete "Le Soir". Dabei ging es um eine Untersuchung in einer Bar in Molenbeek. Ein Wagen raste auf einen Polizisten zu, der Sicherheitsbeamte schoss daraufhin zwei Mal auf das flüchtende Fahrzeug. Der Lenker wurde verletzt und konnte kurze Zeit später verhaftet werden.

Viele Hausdurchsuchungen

Die Hausdurchsuchungen fanden neben Molenbeek St. Jean auch in Anderlecht, Jette, Schaerbeek, Woluwe-Saint-Lambert und Forest statt. Außerdem gab es drei weitere Untersuchungen in der Stadt Charleroi, ungefähr 50 Kilometer von Brüssel entfernt. Weitere Einzelheiten der Aktion wurden nicht genannt. Es hieß, dies könnte für die weiteren Ermittlungen schädlich sein.

Die Schulen und Universitäten blieben am Montag wegen der anhaltenden höchsten Terrorwarnstufe vier geschlossen. Auch die U-Bahnen fuhren nicht. Das tägliche Leben war auch aufgrund dieser Beschränkung des öffentlichen Verkehrs stark beeinträchtigt. Aus der 60 Kilometer südlich von Brüssel gelegenen Stadt Namur pendeln täglich 150.000 Menschen zur Arbeit.

Wie es weitergeht, soll am späteren Montagnachmittag nach einem neuerlichen Krisentreffen der Regierung mit dem Krisenstab entschieden werden. Die EU-Institutionen nehmen ihren Betrieb zwar auf, doch wurden nicht so wichtige Treffen abgesagt. Die EU-Räte zu Bildung und Jugend finden aber ebenso statt wie die Eurogruppe am Nachmittag.

Zwei Verdächtige in Brüssel

In Brüssel sollen sich zwei Terrorverdächtige aufhalten, darunter möglicherweise der seit einer Woche gesuchte Salah Abdeslam. Er ist der Bruder eines der Pariser Selbstmordattentäter und wohnte zuvor im Brüsseler Stadtteil Molenbeek. Abdeslam soll sich am 13. November an den Anschlägen in Paris mit 130 Toten beteiligt haben und seitdem in Brüssel verstecken.

Nach einem Bericht der Zeitung "La Libre Belgique" entdeckten Sicherheitskräfte einen Verdächtigen in der Region der ostbelgischen Stadt Lüttich. Es könnte sich um Salah Abdeslam gehandelt haben, berichtete das Blatt auf seiner Internetseite. Der Mann soll mit einem BMW auf der Autobahn in Richtung Deutschland geflüchtet sein, so die Zeitung. Die Autobahn verbindet Lüttich mit Aachen. Die Staatsanwaltschaft berichtete bei ihrer kurzen Darstellung nicht von einem Einsatz in Lüttich. Auch auf deutscher Seite gab es keine Berichte über einen Polizeieinsatz im Grenzgebiet um Aachen.

Kampf gegen die IS

Frankreichs Präsident Francois Hollande beginnt am Montag Gespräche mit international führenden Politikern über Konsequenzen aus den Terroranschlägen, für die die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) die Verantwortung übernommen hat. Dazu empfängt der Staatschef zunächst den britischen Premierminister David Cameron im Elyseepalast. Cameron will in dieser Woche einen Plan zum Kampf gegen die IS vorlegen und britische Luftangriffe auf IS-Stellungen in Syrien ausweiten.

Anschließend kommt Hollande mit EU-Ratspräsident Donald Tusk zusammen. Auf Grundlage der EU-Verträge hatte Frankreich in der vergangenen Woche die EU-Staaten offiziell um Unterstützung im Kampf gegen den Terror gebeten. Am Dienstag reist Hollande zu Gesprächen mit US-Präsident Barack Obama nach Washington, für Donnerstag ist ein Treffen mit dem russischen Präsidenten Wladimir Putin in Moskau vorgesehen. Am Sonntag empfängt Hollande den chinesischen Präsidenten Xi Jinping in Paris.