Erstellt am 18. September 2015, 23:10

Abwarten für Einsatzkräfte in Heiligenkreuz. Bei Heiligenkreuz im Südburgenland bereiteten sich am Freitagabend die Einsatzkräfte auf das Eintreffen jener Flüchtlinge vor, die von Kroatien zur ungarischen Grenze gebracht und von dort aus Medienberichten zufolge in Richtung Österreich weitergeschickt worden waren. Noch gebe es keine genauen Informationen: "Wir harren der Dinge, die da kommen", so Polizeisprecher Helmut Marban zur APA.

Flüchtlinge wurden mit Bussen nach Wien gebracht.  |  NOEN, APA (Archiv/Schlager)

"Wir sind da vorbereitet, wir sehen der Situation ins Auge, wenn sie eintrifft", sagte Marban. Das Rote Kreuz sei an Ort und Stelle, auch Bundesheer-Zelte seien aufgestellt, in denen man Flüchtlinge unterbringen könne. Er gehe aber davon aus, dass man die Menschen "zeitnah" mit Bussen - diese stünden voraussichtlich in ausreichender Zahl und Menge zur Verfügung - an andere Orte in Österreich bringen könne.

In der Nacht auf Freitag habe man rund 580 Personen, die angekommen seien, mit Bussen teilweise nach Wien und nach Graz gebracht, berichtete Marban. Falls die nun erwarteten Flüchtlinge in Ungarn noch in Registrierungslager transportiert und dort auch registriert würden, dann werde es noch etwas dauern: "Dann werden sie irgendwann um Mitternacht oder später die Grenze erreichen."

"Wir sind den ganzen Tag vor Ort, auch das Bundesheer ist vor Ort, es sind die nötigen Vorbereitungen im Gang", schilderte der Polizeisprecher. Mit Tretgittern habe man ähnlich wie schon in Nickelsdorf eine Art Straße eingerichtet, "damit es zu keinen Drängeleien kommt beim Besteigen der Busse", erläuterte Marban. Diese Form des Crowd Management habe sich in Nickelsdorf sehr bewährt.

Das für seine Musik-Events bekannte Festival-Gelände in der burgenländischen Gemeinde Wiesen wird zum Großquartier für Flüchtlinge. Das teilte das Innenministerium Freitagabend mit Dank an Land, Gemeinde und Arbeiter-Samariterbund, der die Betreuung übernimmt, mit. Bis zu 400 Personen sollen ab Samstag im überdachten Bereich des Geländes unterkommen.

Begründet wird die Maßnahme mit der hohen Zahl an Asylanträgen, die in Österreich derzeit gestellt würden. Dadurch sei es zu vorübergehenden Engpässen in den Verteilerquartieren gekommen. Notunterkünfte wie jene in Wiesen würden nun helfen, die Neuankommenden vor Obdachlosigkeit zu schützen. Um eine Dauerunterkunft handelt es sich in Wiesen freilich nicht.

Seit Deutschland wieder Grenzkontrollen eingeführt hat, ist die Zahl der Asylansuchen in Österreich wieder deutlich nach oben gegangen. Alleine von Dienstag bis Donnerstag wurden laut "Presse" mehr als 1.470 Anträge abgegeben.

In Salzburg entspannte sich die Flüchtlingssituation bereits in der Nacht auf Freitag deutlich. Die deutschen Behörden hatten gegen Mitternacht noch einen Sonderzug von Salzburg nach Freilassing genehmigt, mit dem rund 600 Menschen die ersehnte Einreise nach Deutschland gelang. Am Grenzübergang Saalbrücke nahmen die Reisenden über die Nacht das Notquartier an.

Weiterhin unterbrochen blieb auch am Freitag der fahrplanmäßige Bahnverkehr zwischen Salzburg und Bayern. Einzig die Korridorzüge zwischen Salzburg und Kufstein durften wieder über das "Deutsche Eck" - also via Rosenheim - fahren, allerdings würden die deutschen Behörden in Salzburg vor der Weiterfahrt Kontrollen in den Zügen durchführen, sagte ÖBB-Sprecher Rene Zumtobel, was zu leichten Verzögerungen führen dürfte. Zumtobel empfahl den Fahrgästen, sicherheitshalber ein Reisedokument mitzuführen. Wann auch der Fern-und Nahverkehr nach Deutschland wieder möglich ist, darüber lagen noch keine Informationen aus Bayern vor.

Johannes Greifeneder, Sprecher der Stadt Salzburg, lobte am Freitag ausdrücklich die Hilfsbereitschaft der Zivilbevölkerung. Gleichzeitig bat er aber auch dringend, keine weiteren Hilfsgüter zum Grenzübergang Saalbrücke zu bringen, weil diese dort nur zum Müllproblem würden und zu Spannungen unter den Leuten führten. "Es waren zu viele Hilfsgüter. Die Verpflegung dort ist ausreichend."

An der deutsch-österreichischen Grenze bei Passau zeichnete sich nach Behördenangaben kein weiterer Anstieg bei der Anzahl von neuankommenden Flüchtlingen pro Tag ab. Zwischen Passau und Burghausen verzeichnete die deutsche Bundespolizei bis zum Nachmittag rund 2.000 neue Flüchtlinge, nach Angaben eines Sprechers weniger als im Vortageszeitraum. "Die Lage entspannt sich etwas", sagt der Sprecher.