Erstellt am 09. April 2017, 14:53

von APA Red

Dutzende Tote bei Anschlägen auf Christen. Bei Selbstmordanschlägen auf Kirchen koptischer Christen sind am Palmsonntag in Ägypten Dutzende Menschen getötet worden.

Das Außenministerium sieht einen Anschlag auf ganz Ägypten  |  APA/dpa/ag.

Wenige Stunden nach einem Attentat in der ägyptischen Stadt Tanta mit mindestens 25 Todesopfern wurden bei einem weiteren Anschlag auf eine Kirche im nahegelegenen Alexandria zumindest elf Menschen getötet.

Insgesamt seien rund 100 weitere Menschen verletzt worden, teilte das ägyptische Gesundheitsministerium am Sonntag mit. Die koptische Kirche erklärte, ihr Oberhaupt Papst Tawadros II. habe in der Kirche in Alexandria am Palmsonntagsgottesdienst teilgenommen. Zunächst bekannte sich niemand zu den Anschlägen.

Die koptischen Christen in Ägypten sind aber seit längerem im Visier islamistischer Gruppen. Die ägyptische Regierung sprach von Terror: "Der Terrorismus trifft Ägypten erneut, dieses Mal an Palmsonntag", sagte der Sprecher des Außenministeriums, Ahmed Abu Seid, auf Twitter. Es sei eine weitere widerwärtige Tat gegen alle Ägypter.

Mit der Feier des Palmsonntags bereiten sich die Kopten wie Christen in aller Welt auf das Osterfest in einer Woche vor. Am 28. und 29. April will das Oberhaupt der katholischen Kirche, Papst Franziskus, Ägypten besuchen und dabei auch seine Solidarität mit den Kopten bekunden.

Beim Angelusgebet am Palmsonntag verurteilte Franziskus unter anderem den Anschlag in Ägypten. Er bete für die Opfer und deren Angehörige, sowie für all jene, die wegen Kriegen leiden, sagte Franziskus.

Kriege seien eine Plage der Menschheit, sagte der Heilige Vater vor tausenden auf dem Petersplatz versammelten Gläubigen. Der Papst bekundete seine Nähe zu dem ägyptischen Volk. Gott bekehre die Herzen der Menschen, die "Terror, Gewalt und Tod" säen, sagte der Papst. Er bete auch für die Bekehrung all jener, die mit Waffen handeln.

Die Kopten sind die größte christliche Glaubensgemeinschaft im Nahen Osten und machen etwa zehn Prozent der rund 90 Millionen Einwohner Ägyptens aus. Die Minderheit sieht sich immer wieder gewaltsamen Angriffen ausgesetzt. Im Dezember vergangenen Jahres hatte sich ein Selbstmordattentäter während einer Sonntagsmesse in der koptischen Kirche St. Peter und Paul in Kairo in die Luft gesprengt und 29 Menschen getötet.

Im Februar flohen Hunderte ägyptische Christen aus dem Norden der unruhigen Sinai-Halbinsel. Vorangegangen war eine Mordserie an Mitgliedern der religiösen Minderheit, hinter der die Terrormiliz IS vermutet wurde.

Mit dem Sturz des islamistischen Präsidenten Mohammed Mursi 2013 hatten die Angriffe gegen Christen in dem Land zeitweise zugenommen. Unter Mursis Nachfolger, dem autoritären Präsidenten Abdel Fattah al-Sisi, beruhigte sich die Lage wieder etwas.

Bundespräsident Alexander Van der Bellen und Außenminister Sebastian Kurz (ÖVP) verurteilten die Bombenanschläge. "Wir trauern um die Opfer, unser Mitgefühl ist bei ihren Angehörigen", ließ der Bundespräsident via Twitter wissen.

Kurz twitterte ebenfalls: "Meine Gedanken sind bei Familien u Freunden d Opfer." Und weiter: "Müssen alles tun, um entschieden gegen Verfolgung von religiösen Minderheiten und vor allem auch gegen #Christenverfolgung vorzugehen!"

In Deutschland fanden Außenminister Sigmar Gabriel (SPD) und Innenminister Thomas de Maiziere (CDU) scharfe Worte. "Erneut sind christliche Gläubige Ziel einer Bluttat geworden", erklärte Gabriel am Sonntag in Berlin. "Dass eine solche Tat Menschen in Ausübung ihrer Religion während des Gottesdienstbesuches am Palmsonntag trifft, empört mich besonders", erklärte de Maiziere ebenfalls in Berlin.

Russlands Präsident Wladimir Putin betonte unterdessen die Notwendigkeit des gemeinsamen Kampfes gegen den Terrorismus. "Die Terroristen versuchen nicht nur, die Menschen einzuschüchtern, sie wollen auch Zwietracht zwischen den Vertretern verschiedener Konfessionen säen", hieß es in einem Schreiben Putins an den ägyptischen Präsidenten Sisi am Sonntag in Moskau.

Alle Länder müssten im Kampf gegen Terrorismus eng zusammenarbeiten. "Unsere Länder müssen in der Lage sein, sich gegen die Kräfte des Terrors zu wehren und diese menschenverachtende Ideologie auszurotten", schrieb Putin.

Sisi hatte zuvor den nationalen Sicherheitsrat einberufen. Dieser solle noch am Sonntag die "Konsequenzen" aus den Angriffen beraten, berichtete das staatliche ägyptische Fernsehen.

Auch Griechenland bezeugte Solidarität: "Solche Fälle barbarischer und blinder Gewalt werden nicht den toleranten und multireligiösen Charakter der ägyptischen Gesellschaft treffen", erklärte das griechische Außenministerium. Griechenland sei schockiert, stehe Ägypten bei und spreche den Angehörigen der Opfer und der ägyptischen Regierung sein Beileid aus, hieß es weiter. Griechenland und Ägypten unterhalten traditionell enge und vielfältige Beziehungen