Erstellt am 23. Juli 2016, 14:28

Bluttat von München war ein Amoklauf. Die Gewalttat mit zehn Toten in München war nach Angaben der Ermittler ein Amoklauf. Der 18-jährige Täter aus München habe keinen Bezug zur Terrormiliz Islamischer Staat gehabt, sagte Münchens Polizeipräsident Hubertus Andrä am Samstag. Bei Durchsuchungen im Zimmer des Schülers habe man Unterlagen zum Thema Amok gefunden. Der Deutsch-Iraner hat laut Polizei alleine gehandelt.

 |  APA/ag.

Die Ermittler gehen von einem Zusammenhang mit dem Attentat des Norwegers Anders Behring Breivik aus. "Diese Verbindung liegt auf der Hand", sagte Andrä. Am Freitag war der fünfte Jahrestag von Breiviks Amoklauf.

Der junge Mann hatte am Freitagabend im Olympia-Einkaufszentrum neun Menschen erschossen und dann sich selbst getötet. Danach gab es Gerüchte über mehrere Täter, was zu Panik in ganz München führte. Polizeipräsident Andrä sagte, es habe keine weiteren Täter geben, der 18-Jährige sei ein Einzeltäter. "Tat und Täter haben überhaupt keinen Bezug zum Thema Flüchtlinge", stellte er klar.

Der junge Mann hatte den Angaben zufolge eine illegale 9 mm Glock-Pistole und mehr als 300 Schuss dabei. Die Seriennummer war ausgefräst.

Viele Todesopfer waren minderjährig. Zwei 15-Jährige und drei 14-Jährige seien ums Leben gekommen, berichteten die Ermittler. Die weiteren Opfer seien 17, 19, 20 und 45 Jahre alt gewesen. Unter den neun Todesopfern seien drei Frauen gewesen. Das kosovarische Außenministerium teilte mit, unter den Toten seien drei Kosovaren im Alter zwischen 14 und 21 Jahren.

Aus Sicherheitsgründen müssten in München am Wochenende nach Angaben Andräs keine Veranstaltungen abgesagt werden. Zur Zeit seien noch 800 Einsatzkräfte in der Stadt im Einsatz. Es sei noch nicht klar, ob es Opfer gab, die einen Bezug zum Täter hatten. Das werde untersucht, dazu werde das gesamte Umfeld des 18-Jährigen untersucht. Die Familie des Täters wohnte gemeinsam in einer Wohnung. Es gab keine Festnahmen, sagte Polizeipräsident Andrä.

Die GSG9 hat bei der Durchsuchung der Wohnung des Täters mitgeholfen und stand für weitere Einsätze bereit. Die Eltern des Täters sind derzeit nicht vernehmungsfähig, erklärte Polizeipräsident Andrä.

Es gibt erste Erkenntnisse, dass der Täter einen Facebook-Account gehackt hat, um Menschen zu dem Schnellrestaurant zu locken. Das müsse allerdings verifiziert werden, sagte Robert Heimberger vom Bayerischen LKA. Es spreche aber vieles dafür, dass dies der Fall sein.

Wegen der Bluttat brach der deutsche Innenminister Thomas de Maiziere am Abend eine USA-Reise ab. Er ordnete eine bundesweite Trauerbeflaggung an allen Dienstgebäuden des Bundes an. Dies geschehe als "Zeichen der Anteilnahme nach der abscheulichen Gewalttat in München".

Bayerns Ministerpräsident Horst Seehofer äußerte sich erschüttert über den Anschlag. "Die brutale und menschenverachtende Bluttat erfüllt uns alle mit Trauer und Entsetzen. Für die Solidarität und das Mitgefühl, das wir weltweit erfahren haben, sind wir dankbar", erklärte er Samstag früh.

Bundeskanzler Christian Kern (SPÖ) schrieb auf Facebook von "erschütternden, dramatischen Stunden", sein Stellvertreter Reinhold Mitterlehner (ÖVP) zeigte sich "entsetzt über den schrecklichen Angriff". FPÖ-Chef Heinz-Christian Strache zeigte sich "einfach sprachlos und wütend" darüber, dass der Terror "Einzug hält". Bundespräsidentschaftskandidat Alexander Van der Bellen betonte: "In d(en) Augenblicken d(es) Horrors müssen wir zusammenstehen." Sein FPÖ-Kontrahent Norbert Hofer erklärte: "Diese Taten sind furchtbar."

Grüne und NEOS sprachen den Opfern des Amoklaufes ihre Anteilnahme aus. Die FPÖ zieht indessen via Social Media die Erklärung der deutschen Behörden in Zweifel, die den Angriff als Amoklauf ohne Bezug zum IS-Terror werten. "Ein iranischstämmiger Terrorist, der Allahu akbar schreit und dann Kinder in München tötet, ist eh kein Terrorist. Man lernt nie aus", twitterte FPÖ-Generalsekretär Harald Vilimsky am Samstag.

Vilimsky bezog sich damit auf einen CNN-Bericht, wonach eine Augenzeugin einen "Allahu Akbar"-Ruf des Täters gehört haben will - ein anderer mutmaßlicher Augenzeuge hatte dem Sender berichtet, der Täter hätte angegeben, Deutscher zu sein und Ausländer umbringen zu wollen. Auch Parteichef Heinz-Christian Strache berichtete via Facebook von dem angeblichen "Allahu Akbar"-Ruf und kritisierte "die gefährlichen und unverantwortlichen Beschwichtigungsvertreter".

International wurde die Schießerei, die sich am fünften Jahrestag des rechtsextremen Attentats von Anders Behring Breivik mit 77 Toten in Norwegen ereignete, mit Bestürzung kommentiert. US-Präsident Barack Obama sagte Deutschland "jegliche Unterstützung" zu. Der britische Außenminister Boris Johnson äußerte sich "zutiefst schockiert" und "traurig", sein französischer Amtskollege Jean-Marc Ayrault sprach von einer "schweren Prüfung" für Deutschland. Der Iran verurteilte "die Ermordung von schutzlosen Unschuldigen".

Der Amokläufer von München schoss nach Angaben der Ermittler mit einer Pistole Glock 17 vom Kaliber neun Millimeter. Er hatte zwei Magazine mit je 17 Patronen. Gaston Glock hatte diese Waffe Anfang der 1980er-Jahre für das Bundesheer entwickelt. Sie gilt heute als meistverkaufte Pistole der Welt und ist auch Dienstwaffe der österreichischen Polizei.

Der in Deutsch-Wagram (Bezirk Gänserndorf) ansässige Waffenhersteller wirbt so für seine Waffe: "Keine Pistole ist einfacher zu bedienen. Sie bietet stets die höchste Feuerkraft ihres Kalibers." Sie wiege nur 625 Gramm und ist somit ziemlich leicht. Das erfülle die Anforderungen von Polizei, Spezialeinheiten, Sicherheitsdiensten und Militärs. "Die Glock 17 im Kaliber 9x19 ist die weltweit meistbenützte Behördenpistole", heißt es weiter.

Auch der norwegische Amokläufer Anders Breivik hatte bei seiner Tat vor fünf Jahren neben einem Gewehr eine Glock-Pistole benutzt. Der Amokläufer Adam Lanza, der 2013 im US-Staat Connecticut 20 Volksschulkinder, sechs Lehrer und sich selbst erschoss, benutzte ebenfalls eine Glock. Auch Cho Seung-Hui, der 2007 an einer Hochschule im US-Staat Virginia 32 Menschen und sich selbst tötete, hatte eine Glock.