Erstellt am 22. Mai 2016, 16:12

Amoklauf auf Konzertgelände in Vorarlberg: Drei Tote!. Wahnsinns-Tat im Bezirk Bludenz forderte drei Todesopfer und elf Verletzte!

 |  NOEN, APA

Ein 27-jähriger Vorarlberger ist Sonntagfrüh bei einem Konzert in Nenzing im Bezirk Bludenz Amok gelaufen. Offenbar nach einem Beziehungsstreit feuerte er mit einer Langwaffe ziellos auf die rund 150 Besucher des Festivals. Zwei Personen wurden dabei getötet, elf weitere erlitten Schussverletzungen. Anschließend lief der 27-Jährige auf einen Parkplatz und brachte sich um, teilte die Polizei mit.

Der Täter geriet gegen 3.00 Uhr auf dem Parkplatz des Konzertgeländes in einen heftigen Streit mit einer Frau. Als die Auseinandersetzung eskalierte, holte der Mann aus seinem Fahrzeug eine Langwaffe, begab sich auf das Konzertgelände und eröffnete das Feuer. Nach Angaben von Polizei-Sprecherin Susanne Dilp hielten sich zur Tatzeit etwa 150 Besucher beim Festival auf. Das Konzert wurde von einem Motorradklub organisiert, das Publikum beschränkte sich aber nicht nur auf Motorradfans.

Massenpanik brach aus

Ersthelfer begannen am Tatort sofort mit Wiederbelebungsmaßnahmen, dennoch kam für zwei der Konzertbesucher jede Hilfe zu spät. Von den elf verletzten Personen - sie wurden auf die umliegenden Krankenhäuser aufgeteilt - befand sich Sonntagmittag zumindest eine weitere in Lebensgefahr. Die Verletzten hatten sowohl Steckschüsse als auch Durchschüsse erlitten. Bei den zwei Getöten handelte sich nach Angaben der Polizei um zwei Männer im Alter von 48 und 33 Jahren, die aus der Region stammten. Zwei der Verletzten konnten das Krankenhaus bereits wieder verlassen.

Nach den Schüssen des 27-jährigen Mannes sei eine Massenpanik ausgebrochen. Viele der Festgäste seien in angrenzende Wiesen und Wälder und sogar auf die Autobahn geflohen, schilderte Nenzings Bürgermeister Florian Kasseroler (FPÖ) die dramatischen Ereignisse aus der Tatnacht. Die Betroffenheit in der 6.200 Einwohner-Gemeinde sei riesengroß, so das Gemeindeoberhaupt.

30 und 40 Schüsse abgegeben

Der Bürgermeister sprach von einem "traditionell friedlichen Fest, das von vielen Jugendlichen besucht wird". Seinen Informationen zufolge - die auf einer Einschätzung eines waffenkundigen Festbesuchers beruhten und nicht gesichert waren - dürfte der Täter zwischen 30 und 40 Schüssen abgegeben haben. "Es war offenbar eine Beziehungstat. Aber da muss viel zusammenkommen, dass eine solche Reaktion erfolgt", sagte Kasseroler.

Bei der Tatwaffe könnte es sich um ein Kalaschnikow-Sturmgewehr handeln. Das Portal oe24.at spezifizierte den von der Polizei gebrauchten Begriff "Langwaffe" als Kalaschnikow und berief sich dabei auf eine anonyme Quelle an Ort und Stelle. Von der Polizei gab es auf Anfrage keine diesbezügliche Bestätigung.

Seitens der Polizei wurde erklärt, dass es am Sonntag keine neuen Informationen mehr geben werde. Man werde am Montag im Rahmen einer Pressekonferenz ausführlich Stellung nehmen und auch die Waffenfrage klären.

Auch wenn es zu früh ist, über eindeutige Motive für den Amoklauf zu spekulieren, wollte der Mann mit seiner Tat wohl "ein möglichst großes Zeichen setzen". Amokläufern gehe es bei ihren Gewaltdelikten "um alles", sagte Psychologe Cornel Binder-Krieglstein. Der eigene Selbstmord wird dabei oft miteingeplant.

"Grundsätzlich gibt es zwei Möglichkeiten: Entweder der Täter handelt im Affekt oder die Tat war geplant", sagte Binder-Krieglstein. Besonders Aufsehen erregende Amokläufe wie etwa bei der Premiere eines "Batman"-Films, bei der ein 24-Jähriger in einem Kino der Stadt Aurora bei Denver (Colorado) zwölf Menschen getötet hat, haben oft eine lange Vorgeschichte. Hier können auch psychische Erkrankungen eine Rolle spielen.

Grundsätzlich gehen Amokläufen subjektiv erlebte Kränkungen hervor. Die Täter fühlen sich gedemütigt, bis schließlich "eine Grenze überschritten wird und die Hemmschwelle fällt", sagte der Psychologe.

Amoklauf kam aus dem Nichts

Auch der Amoklauf in Nenzing dürfte nicht aus dem Nichts gekommen sein. Ungewiss ist aber, ob der Täter im Affekt gehandelt hat. Bisher gibt es noch keine Informationen darüber, ob der Verdächtige die Waffe stets in seinem Auto hatte oder speziell zu dem Treffen mitgenommen hat. Besonders nach Taten, die im Affekt begangen werden, folgen Diskussionen um den privaten Besitz von Waffen.

Dass die Lebensgefährtin unverletzt blieb, ist für Binder-Krieglstein nicht überraschend. "Es ging ihm darum, ein möglichst großes Zeichen nach Außen zu setzen, das seiner inneren Kränkung entspricht", meinte der Psychologe. Der Selbstmord ist da nur folgerichtig: "Es ging ihm um alles".