Erstellt am 18. Februar 2016, 10:27

Anschlag auf türkisches Militär. Einen Tag nach dem schweren Anschlag von Ankara mit 28 Toten sind bei einem neuen Angriff auf die türkische Armee im Südosten des Landes mindestens sechs Soldaten getötet worden.

 |  NOEN, APA (AFP)

Ziel des Anschlags in der Ortschaft Lice in der Provinz Diyarbakir sei Donnerstagfrüh ein Militärkonvoi gewesen, hieß es aus Kreisen der Sicherheitskräfte.

Diese machten die verbotene Arbeiterpartei Kurdistans (PKK) für den Angriff verantwortlich, ebenso wie für den verheerenden Anschlag in der türkischen Hauptstadt Ankara. Der PKK-Kommandeur Cemil Bayik sagte der PKK-nahen Agentur Firat am Donnerstag: "Wir wissen nicht, wer das (in Ankara) getan hat. Es könnte aber ein Vergeltungsschlag für die Massaker in Kurdistan gewesen sein."

Der türkische Ministerpräsident Ahmet Davutoglu macht dagegen die PKK und ihren syrischen Ableger YPG für den Anschlag verantwortlich. Er sagte, ein 1992 in Syrien geborener YPG-Kämpfer habe den Anschlag in der Hauptstadt mit Unterstützung der "separatistischen Terrororganisation" PKK in der Türkei verübt.

Neun Personen seien in Zusammenhang mit dem Anschlag festgenommen worden, sagte der Premier. Bei dem Autobombenanschlag auf einen Militärkonvoi im Regierungsviertel von Ankara waren am Mittwoch 28 Menschen getötet und mehr als 60 weitere verletzt worden. Zunächst bekannte sich niemand zu der Tat. Der syrische Kurde wurde den Medienberichten zufolge nun mittels bei seiner Einreise genommener digitaler Fingerabdrücke identifiziert. Ob es sich um einen Selbstmordattentäter handelte, stand zunächst nicht fest.

Seit dem bisher blutigsten Anschlag in der Türkei, bei dem im Oktober bei einer prokurdischen Friedensdemonstration in Ankara 103 Menschen getötet wurden, gilt die höchste Terrorwarnstufe. Die türkischen Behörden machten damals die Jihadistenorganisation Islamischer Staat (IS) für die Tat verantwortlich.

Wie das Militär am Donnerstag mitteilte, wurden in der Nacht Ziele in der Grenzregion Haftanin bombardiert. Die Armee hatte in der PKK-Hochburg demnach bis zu 70 Kämpfer im Visier.

Im Südosten des Landes geht die Armee mit aller Härte gegen die verbotene Arbeiterpartei Kurdistans (PKK) vor. Die Rebellen verüben immer wieder Anschläge auf die türkischen Sicherheitskräfte. Der jahrzehntelange Konflikt mit der PKK eskalierte im vergangenen Sommer wieder, nachdem der Friedensprozess mit der türkischen Regierung zusammengebrochen war.