Erstellt am 01. August 2016, 15:17

Mehr Arbeitslose im Juli trotz Beschäftigungsrekords. Im Juli ist die Arbeitslosigkeit in Österreich erneut gestiegen, obwohl auch die Beschäftigtenzahl einen neuen Rekordstand erreichte.

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Die Zahl der Arbeitslosen und Schulungsteilnehmern zusammen kletterte um 0,8 Prozent auf 379.679 Personen. Die Arbeitslosenquote sank um 0,1 Prozentpunkt auf 8,0 Prozent. AMS-Chef Johannes Kopf nennt Zuwanderung sowie die gestiegene Zahl von Flüchtlingen als Grund.

Laut AMS-Chef Kopf geht auch die Zuwanderung aus osteuropäischen Nachbarländern sowie aus Deutschland auf den heimischen Arbeitsmarkt weiter, so Kopf im Ö1-"Mittagsjournal" des ORF-Radio. Während die Arbeitslosigkeit (vorgemerkte Arbeitslose plus Schulungsteilnehmer) bei Inländern um 2,3 Prozent gesunken ist, stieg sie bei Ausländern um 9,8 Prozent an. Aktuell 25.168 Flüchtlinge ohne Job bilden einen Anteil von 6,6 Prozent aller vorgemerkten Arbeitslosen oder Schulungsteilnehmer in Österreich. Das bedeutet, dass jeder 15. Arbeitslose oder Schulungsteilnehmer in Österreich ein Flüchtling ist.

Ende Juli 2016 waren 13.044 anerkannte Flüchtlinge und 2.281 subsidiär Schutzberechtigte als arbeitslos vorgemerkt. Weiters befanden sich 9.843 Flüchtlinge in Schulungsmaßnahmen des AMS. Die Zahl der Arbeitslosen stieg um 25,8 Prozent, jene der Schulungsteilnehmer um 95,9 Prozent gegenüber dem Vorjahresmonat. Zwei Drittel aller arbeitslosen Flüchtlinge leben in Wien.

Gegliedert nach Bundesländern zeigt sich ein West-Ost-Gefälle. Demnach hat sich die Arbeitsmarktlage am stärksten in Tirol verbessert, wo die Zahl der vorgemerkten Arbeitslosen und Schulungsteilnehmer zusammengezählt um 7 Prozent sank. Auch in Salzburg (-4,1 Prozent) und Kärnten (-3,1 Prozent), Vorarlberg (-1,7 Prozent) und der Steiermark (-1,0 Prozent) gab es einen Rückgang. In den östlicheren Bundesländern allerdings war durchwegs ein Anstieg zu verzeichnen: Am stärksten stieg die Arbeitslosigkeit in Wien (+3,2 Prozent), gefolgt von Niederösterreich (+2,4 Prozent), Oberösterreich (+1,0 Prozent) und dem Burgenland (+0,9 Prozent).

Tourismus stagnierte

Bei den Branchen zog der Arbeitsmarkt am Bau und in der Warenproduktion an, während die Lage im Tourismus stagnierte und im Handel sowie im Sozial- und Gesundheitswesen mehr Leute auf Jobsuche waren. Das Alter der Arbeitslosen spielte eine große Rolle: Bei den bis zu 24-Jährigen sank die Arbeitslosigkeit um 6,6 Prozent, bei den Über-50-Jährigen stieg sie um 5,9 Prozent an.

Bei den Parteien sorgte die Arbeitslosenlage für gemischte Reaktionen. FPÖ-Sozialsprecher Herbert Kickl fordert ein nachhaltiges Maßnahmenpaket zum Schutz des österreichischen Arbeitsmarktes. So müsse der Zugang zum österreichischen Arbeitsmarkt für EU-Bürger und für Drittstaatsangehörige beschränkt sowie die Entsendung ausländischer Arbeitnehmer nach Österreich sektoral und temporär gestoppt werden. Die Grüne ArbeitnehmerInnensprecherin Birgit Schatz urgiert Strukturreformen vom neuen Bundeskanzler Christian Kern (SPÖ), etwa eine moderne Arbeitszeitpolitik mit mehr Flexibilität für alle Beteiligten sowie ein Arbeitsrecht, das unternehmerische Dynamik zu fairen Konditionen für Arbeitnehmer unterstützt. NEOS-Sozialsprecher Gerald Loacker urgiert rasche Maßnahmen zur Entbürokratisierung sowie eine Senkung der Lohnnebenkosten.

Team Stronach-Sozialsprecherin Waltraud Dietrich vermisst ein unternehmerfreundliches Klima und will mehr Freiraum für Unternehmer. Und für den ÖVP-Wien-Obmann Gernot Blümel ist die heimische Arbeitslosigkeit ein Wiener Problem: Aber anstatt hier konkrete Maßnahmen wie etwa die überfällige Abschaffung der Vergnügungssteuer zu setzen, werde weiterhin "Sozialromantik" praktiziert und Reformverweigerung prolongiert.