Erstellt am 27. September 2015, 23:49

von APA/Red

Flüchtlings-Sonderzüge nach Deutschland werden weitergeführt. Auch in dieser Woche soll es zur Entlastung Österreichs weitere Sonderzüge für Flüchtlinge von Salzburg nach Deutschland geben.

Sonderzüge werden weiter bereitgestellt  |  NOEN, APA (epa)

Die Innenministerien beider Länder hätten sich am Sonntag darauf geeinigt, den Einsatz zu verlängern, sagte ein Sprecher des deutschen Innenministers Thomas de Maiziere in Berlin. Das österreichische Innenministerium war für eine Stellungnahme am Abend nicht erreichbar.

Nach Angaben der Deutschen Bahn werden am Montag zwei Sonderzüge ab Salzburg fahren, einer ins Ruhrgebiet, der andere nach Berlin. Die Stadt Salzburg hatte am Samstagabend in einer Aussendung mitgeteilt, dass die Sonderzüge mit Montag eingestellt werden sollen. Auch das Innenministerium sei informiert, hieß es. Dessen Sprecher Alexander Marakovits sagte Sonntagfrüh: "Ja, die Information haben wir auch erhalten. Dürfte so sein."Über das weitere Vorgehen ab Montag bestehe aber noch Unklarheit.

Seit Wochen überqueren Tausende Flüchtlinge im Osten Bayerns die deutsche Grenze. Sie waren zuvor über die Balkanroute nach Österreich gekommen. Wegen der von Deutschland wieder eingeführten Grenzkontrollen zu Österreich ist der reguläre Zugverkehr auf der Strecke Salzburg-München seit dem 17. September unterbrochen. Seitdem wurden Flüchtlinge in Sonderzügen nach Deutschland gebracht. Die Stadt Salzburg hatte zuvor vor einer "humanitären Katastrophe" gewarnt, sollte der Einsatz beendet werden.

Die Bundespolizei in Bayern registrierte nach Angaben eines Sprechers in München am Samstag mit knapp 3.500 Neuankömmlingen mehr als doppelt so viele illegale Grenzübertritte wie am Freitag (1.518 Flüchtlinge). Mit den Zügen seien zuletzt täglich bis zu 1.200 Flüchtlinge nach Deutschland gebracht worden, während täglich Hunderte in Salzburg einträfen. Am Sonntag erklärte die Stadtverwaltung, die aktuelle Lage sei unklar.

Am Bahnhof Salzburg entspannte sich die Situation am Sonntag vorerst leicht. Ein Sonderzug mit 421 Personen hat zu Mittag den Hauptbahnhof verlassen, rund 400 Flüchtlinge wurden mit sieben Bussen nach Oberösterreich gebracht. Für den Abend war ein weiterer Sonderzug für 400 Menschen geplant. Ob dies der vorerst Letzte ist, war am Sonntag in Salzburg unklar.

Aus den Notunterkünften im Süden Österreichs sind am Sonntag vorerst keine Weitertransporte von Flüchtlingen nach Salzburg geplant gewesen. In den steirischen Notquartieren Graz-Webling und Feldkirchen bei Graz waren am Vormittag rund 1.500 Personen untergebracht. Im Klagenfurter Notquartier am Südring befanden sich 526 Migranten, in der Früh war außerdem das Villacher Notquartier mit 360 Personen belegt worden, sagte der Kärntner Polizeisprecher Markus Dexl.

Ein geplanter Transport von rund 200 Flüchtlingen via Sonderzug von Kärnten nach Kufstein in Tirol wurde am Sonntag wieder abgesagt. Es gebe dort keine entsprechenden Unterkünfte, sagte Polizeisprecher Markus Dexl zur APA. Die 200 Personen bleiben somit vorerst im Notquartier in Villach. Im Klagenfurter Quartier wurde unterdessen für Mitternacht die Ankunft von 150 neuen Migranten erwartet.

Aktuell sind etwa 15.000 Flüchtlinge in Österreich, 13.000 Menschen haben die Nacht auf Sonntag in betreuten Notquartieren verbracht - diese Bilanz zog Gerry Foitik, Bundesrettungskommandant des Österreichischen Roten Kreuzes (ÖRK), gegenüber der APA. Mehrere Tausend Flüchtlinge sind auch am Sonntag nach Österreich gekommen. Am Grenzübergang Nickelsdorf im Burgenland trafen von Mitternacht bis zum frühen Sonntagabend mehr als 6.000 Flüchtlinge ein, teilte die Polizei mit.

Am Nachmittag war ein Zug in Hegyeshalom angekommen, zwischen 21 und 22.00 Uhr wurde noch einer erwartet. Insgesamt rechne man somit für Sonntag nach derzeitiger Einschätzung mit einer Gesamtzahl von 7.500 bis 8.000 Flüchtlingen, hieß es von der Landespolizeidirektion. Am Samstag waren etwa 12.000 Personen ins Burgenland gekommen.

Nach Deutschland kommende Syrer können nicht mit einer weiteren Vereinfachung ihrer Asylverfahren rechnen. Sie erhalten derzeit in aller Regel Schutz gemäß der Genfer Flüchtlingskonvention und damit eine Aufenthaltserlaubnis für drei Jahre. Der "Spiegel" berichtete ohne Angabe von Quellen, das deutsche Bundeskanzleramt plane, syrische Flüchtlinge aus dem Asylverfahren herauszunehmen. Sie sollten stattdessen direkt eine vorläufige Aufenthaltserlaubnis für drei Jahre erhalten. Die Regierung dementierte dies jedoch umgehend.

Knapp 4.000 Flüchtlinge haben am Sonntag das griechische Festland erreicht. Fähren brachten die Menschen von der Ägäis-Insel Lesbos nach Piräus, wie das staatliche Fernsehen (ERT) berichtete. Befragt von Reportern, wohin sie wollen, nannten die Flüchtlinge fast einstimmig Westeuropa als ihr Ziel.

Vor der türkischen Küste ertranken nach einem Bericht der Nachrichtenagentur Anadolu am Sonntag 17 Flüchtlinge auf der Überfahrt zur griechischen Insel Kos. Vor der libyschen Küste rettete die deutsche Bundeswehr 140 Flüchtlinge aus Seenot.