Erstellt am 22. September 2016, 11:03

Stöger will Ausdehnung des Sorgerechts. Sozialminister Alois Stöger (SPÖ) spricht sich in einem Interview mit dem "Standard" (Donnerstag-Ausgabe) dafür aus, das Sorgerecht auf mehrere Personen auszudehnen. So soll es etwa möglich sein, neue Partner der biologischen Eltern einzubeziehen. Das Familienministerium reagierte noch zurückhaltend.

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Angesprochen auf die Debatte in Deutschland, wo man eine Ausdehnung des Sorgerechts auf bis zu vier "soziale Eltern" pro Kind erwägt, zeigte sich Stöger erfreut: "Die Rechte und Pflichten von Bonuseltern auszubauen, wäre eine große Erleichterung für viele bestehende Familien, und für homosexuelle Paare würden sich neue Möglichkeiten auftun." Familienverbände haben schließlich nicht zwangsläufig etwas mit Abstammung zu tun, begründet der Minister. Die Gesellschaft habe sich verändert: "Da sind wir gesetzlich derzeit kleinkariert", so Stöger im Interview.

Aktuell können Lebensgefährten etwa Pflegeurlaub nehmen oder in Familienhospizkarenz gehen, hieß es aus dem Sozialministerium gegenüber der APA. Nicht möglich ist eine Elternkarenz, Elternteilzeit oder der Bezug des Kinderbetreuungsgeldes. Eine Ausdehnung auf diese Bereiche soll mit dem Koalitionspartner ÖVP besprochen werden, erklärte Stögers Sprecher. Dem Minister gehe es darum, dass das Recht die Lebensrealität der Familien abbildet.

Das Familienministerium reagierte auf Anfrage der APA zurückhaltend auf diese Überlegungen. Alles, was die Vereinbarkeit verbessert, sei grundsätzlich willkommen. Schon jetzt gebe es aber punktuelle Rechte für Patchwork-Eltern, erklärte eine Sprecherin von Ressortchefin Sophie Karmasin (ÖVP): "Elternrechte ja, aber das Kindeswohl muss im Vordergrund stehen." Sollte es konkrete Vorschläge geben, müssten diese erst im Detail geprüft werden.