Erstellt am 26. Februar 2016, 11:53

von APA/Red

Außerordentlicher FIFA-Kongress in Zürich eröffnet. FIFA-Interimspräsident Issa Hayatou hat am Freitagvormittag den außerordentlichen Kongress des Fußball-Weltverbands eröffnet.

Hayatou: "Die Augen der ganzen Welt ruhen auf uns."  |  NOEN, APA (AFP)

"Dieser Kongress wird sicherlich ein Schlüssel in der Geschichte der FIFA sein", sagte der dienstälteste FIFA-Vizechef aus Kamerun im Zürcher Hallenstadion. "Die Augen der ganzen Welt ruhen auf uns."

Als Höhepunkt des Kongresses findet die Wahl eines Nachfolgers des gesperrten Amtsinhabers Joseph Blatter statt. "Es ist die Zeit gekommen, die geeignetste Person zu finden, die uns durch diese schwierige Zeit führen kann", sagte Hayatou. Als Favoriten gelten Scheich Salman bin al Chalifa aus Bahrain und UEFA-Generalsekretär Gianni Infantino aus der Schweiz. Zudem stehen der Jordanier Prinz Ali bin al-Hussein, Jerome Champagne aus Frankreich und der Südafrikaner Tokyo Sexwale zur Wahl.

Zuvor wurden umfangreiche Reformen verabschiedet. Das Paket, das unter anderem eine Machtbeschränkung für den Präsidenten und die Exekutivmitglieder vorsieht, erhielt bei der Versammlung der FIFA-Mitglieder die notwendige Drei-Viertel-Mehrheit. Insgesamt stimmten 179 von 207 Verbänden für die Reformen.

"Wir müssen eine Botschaft an die Welt richten, eine Botschaft der Einheit", sagte FIFA-Interimspräsident Hayatou. Der Kameruner schwor die Landesverbände auf die notwendigen Umstrukturierungen ein. "Die FIFA beginnt ihre Reise mit dem Ziel, Vertrauen wieder herzustellen."

Mit der Reform will der Weltverband die politische von der ökonomischen Entscheidungsebene trennen. Zudem gilt für den FIFA-Präsidenten und die Mitglieder des neuen Councils, das das umstrittene Exekutivkomitee ablösen soll, eine Beschränkung auf drei Amtszeiten zu je vier Jahren. Mitglieder müssen sich vor Amtsantritt einer externen Integritätsprüfung unterziehen. Ihre Gehälter werden offengelegt.

Die FIFA steht durch die diversen Korruptionsskandale vor finanziellen Verlusten in dreistelliger Millionenhöhe. Finanzdirektor Markus Kattner sprach in Zürich von einem zu erwartenden Defizit für den Zyklus bis 2018 von 550 Millionen Dollar. Dies würde die Rücklagen des Fußball-Weltverbandes von rund 1,5 Milliarden Dollar um rund ein Drittel reduzieren.

"Wir befinden uns in einem schwierigen ökonomischen Umfeld", sagte Kattner. Der Druck der juristischen Behörden sei groß. Nur durch die Annahme des Reformpaketes könne neues Vertrauen geschaffen werden, das für den Abschluss notwendiger neuer Sponsorenverträge essenziell sei. Im vergangenen Jahr hatten mehrere Geldgeber die Zusammenarbeit mit der FIFA beendet.

Das vergangene Geschäftsjahr dürfte mit einem Minus von 108 Millionen Dollar zu Buche schlagen, sagte ein FIFA-Finanzbeobachter bereits am Donnerstag. "Die Situation ist sehr kritisch, weil die FIFA-Finanzen erstmals seit rund 20 Jahren ein Defizit aufweisen" erklärte Suketu Patel von den Seychellen. "Es sind circa 108 Millionen, das ist Fakt." Laut einem FIFA-Sprecher will der Weltverband die genauen Jahresergebnisse im März bekanntgeben.