Erstellt am 23. Mai 2016, 16:54

von APA Red

Bayer gibt milliardenschweres Angebot für Monsanto ab. Der Chemie- und Pharmakonzern Bayer will für insgesamt 62 Milliarden Dollar (umgerechnet rund 55 Milliarden Euro) den US-Saatgutriesen Monsanto übernehmen.

Bayer hegt Pläne in der Agrarwirtschaft  |  NOEN, APA (dpa)

Pro Monsanto-Aktie wolle man 122 US-Dollar zahlen, teilte das Leverkusener Unternehmen am Montag mit. Das sei eine erhebliche Prämie für die Monsanto-Aktionäre.

"Bayer will durch Übernahme von Monsanto ein weltweit führendes Unternehmen der Agrarwirtschaft werden", erklärte der Konzern.

Die Akquisition solle durch eine Kombination aus Fremd- und Eigenkapital finanzieren werden. Der Eigenkapitalanteil soll voraussichtlich rund 25 Prozent des der Transaktion zugrundeliegenden Unternehmenswerts abdecken, vornehmlich durch eine Bezugsrechtskapitalerhöhung. Die Monsanto-Aktien hatten am Freitag bei 101,52 Dollar geschlossen.

Bayer hofft nun bei Monsanto auf Gegenliebe für sein 62 Mrd. Dollar schweres Übernahmeangebot. "Wir befinden uns in konstruktiven Gesprächen mit Monsanto", sagte der neue Bayer-Chef Werner Baumann am Montag in einer Telefonkonferenz mit Journalisten. "Wir sind vollkommen überzeugt von unserer Offerte." Bayer erwarte eine positive Antwort von Monsanto.

Ob der Leverkusener Konzern gegebenenfalls auch eine feindliche Übernahme, gegen den Willen von Vorstand und Verwaltungsrat des Glyphosat-Herstellers, machen würde, kommentierte Baumann nicht.

Die Übernahme sei komplett finanziert, Portfoliomaßnahmen wie etwa ein schnellerer Ausstieg bei der Kunststofftochter Covestro, seien dafür nicht nötig.

Die Monsanto-Übernahme biete für Bayer eine "überzeugende" Gelegenheit, "ein weltweit führendes Unternehmen für Saatgut, Pflanzeneigenschaften und Pflanzenschutz zu schaffen", teilte Bayer mit. Monsanto hatte das Angebot von Bayer in der vergangenen Woche als "ungebeten und unverbindlich" bezeichnet.

Mit der Übernahme von Monsanto - der auch das hoch umstrittene Pflanzenschutzmittel Glyphosat produziert - würde die Sparte Pflanzenschutz zur größten des Konzerns.

Bayer machte mit rund 117.000 Beschäftigten im vergangenen Jahr einen Umsatz von 43,6 Mrd. Euro. Monsanto mit rund 21.000 Mitarbeitern wies im Geschäftsjahr 2014/2015 einen Umsatz von 15 Mrd. aus.

An der Börse waren die Pläne zunächst nicht gut angekommen. Die Bayer-Aktien waren eingebrochen, da die Anleger eine kostspielige Übernahme befürchteten, die mittels Kapitalerhöhung finanziert werden könnte.

Am Montagmorgen lagen die Bayer-Aktien bei Lang & Schwarz zwei Prozent im Minus. "Das Angebot ist ziemlich hoch, wenn man bedenkt, dass das der erste Versuch ist", kommentierte ein Aktienhändler die Bayer-Offerte.

Der weltweite Markt für Pflanzenschutzmittel und Saatgut wird mit Syngenta, Monsanto, Bayer, DuPont Pioneer, Dow Chemical und BASF nur von einer guten Handvoll Firmen kontrolliert. Monsanto und Bayer würden zusammen ein breites Angebot im Pflanzenschutz und Saatgut auf die Beine stellen.

Der Zukauf könnte aber vor allem in den USA auf kartellrechtliche Hürden wegen Überlappungen im Saatgutgeschäft, insbesondere bei Sojabohnen, Baumwolle und Raps, stoßen.

Bei einer Übernahme der US-Amerikaner muss sich der neue Bayer-Chef Werner Baumann aber noch auf ganz andere Kritik einstellen: Kein anderer Konzern der Branche hat ein derart schlechtes Image wie Monsanto.

Der Saatgutriese steht immer wieder wegen seiner aggressiven Geschäftspraktiken und seiner gentechnisch veränderten Produkte in der Kritik. Die US-Amerikaner sind zudem der Entwickler des Unkrautvernichtungsmittels Glyphosat, das im Verdacht steht, krebserregend zu sein.

Der Bayer-Betriebsrat begrüßt den Plan Monsanto zu übernehmen. "Die Übernahme von Monsanto sichert nachhaltig die Zukunftsfähigkeit von Bayer", sagte Gesamtbetriebsratschef Oliver Zühlke der in Düsseldorf erscheinenden "Rheinischen Post".

Bayer habe sich in einer dreiseitigen Erklärung verpflichtet, am Kündigungsschutz bis 2020 festzuhalten und auch keine Geschäftsaktivitäten zur Finanzierung der Übernahme zu verkaufen. Auch soll es keinen Stellenabbau geben.

"Rationalisierungsmaßnahmen zur Finanzierung der Akquisition werden in Deutschland nicht stattfinden", heißt es laut Zeitung in der Erklärung. Sie sei unter anderem von Zühlke und Bayer-Chef Werner Baumann unterzeichnet worden. Zudem werde Bayer weiter in deutsche Standorte investieren.