Erstellt am 13. April 2017, 15:52

von APA Red

Sozialministerium will 24-Stunden-Pflege verbessern. Angesichts einer neu aufgeflammten Diskussion über Missstände in der 24-Stunden-Pflege hat das Sozialministerium am Donnerstag eine weitere Verbesserung der Qualität in Aussicht gestellt.

24-Stunden-Betreuung wichtiger Pflegebestandteil  |  APA (Symbolbild/dpa)

 Dabei will das Ressort von Minister Alois Stöger (SPÖ) die Ergebnisse der derzeit laufenden Prüfung des Rechnungshofes berücksichtigen.

Der RH-Bericht soll zur Jahresmitte vorliegen. Diesen wolle man abwarten und dann die Ergebnisse genau prüfen und als Basis für weitere Verbesserungen heranziehen, hieß es am Donnerstagnachmittag im Büro Stögers gegenüber der APA. Das soll dann gemeinsam mit dem Koalitionspartner, konkret mit dem für das Gewerbe zuständigen Wirtschaftsminister Reinhold Mitterlehner (ÖVP), umgesetzt werden.

Das Sozialministerium verweist aber darauf, dass jetzt schon tausende Hausbesuche zur Qualitätskontrolle durchgeführt werden. Im Vorjahr wurden vom Ressort 4.950 Hausbesuche bei rund 23.500 zu Betreuenden organisiert. Dabei habe sich herausgestellt, dass grundsätzlich eine sehr hohe Qualität und auch hohe Zufriedenheit bei zu Betreuenden und Angehörigen vorhanden sei. Aber es gebe auch schwarze Schafe bei den Vermittlungsagenturen, gestand das Stöger-Büro zu. Schon Ende 2015 wurden im Zuge der Trennung des Gewerbes der Personenbetreuung von der Vermittlung auch Verbesserungen bei der Qualität der Verträge (Aufklärungspflichten, Transparenz etc.) vorgenommen.

Im Rahmen der geplanten Aktion 20.000 zur Beschäftigung älterer Arbeitslosern denkt Stöger auch darüber nach, in Kooperation mit Anbietern von Pflege- und Betreuungsdiensten und den regionalen Entscheidungsträgern leistbare mehrstündige Alltagsbegleitungen zu etablieren. Dabei soll es sich nicht um Betreuung oder Pflege als solche handeln. Denkbar wären etwa gemeinsame Spaziergänge, Kartenspielen oder Gespräche als Lückenschluss zwischen einstündiger und 24-Stunden-Betreuung. Damit könnten Angehörige ebenfalls nachhaltig entlastet werden. Das Sozialministerium betont aber, dass dazu noch Gespräche notwendig seien.

Neben den Grünen hat am Donnerstag auch Volksanwalt Günther Kräuter (SPÖ) für mehr Kontrolle und eine neue gesetzliche Regelung plädiert. Martin Gleitsmann, der Leiter der Sozialpolitischen Abteilung der Wirtschaftskammer, sieht dafür hingegen keine Notwendigkeit und verweist darauf, dass es bereits klare gesetzliche Spielregeln bei der Vermittlung der Betreuerinnen gebe.

Seit ihrer Legalisierung im Jahr 2007 ist die 24-Stunden-Betreuung zu einem wichtigen Teil der Betreuungslandschaft in Österreich geworden. Rund 27.000 Personen werden zu Hause "rundum-die-Uhr" betreut. Das sind sechs Prozent aller pflegebedürften Personen in Österreich. Diese Zahl ist in den letzten Jahren ständig gestiegen. Die Zahl der Personenbetreuerinnen in Österreich steigt jährlich um 5.000 bis 7.000 Personen, zuletzt waren knapp 57.000 Betreuerinnen - fast ausschließlich Frauen - in Österreich tätig. Insgesamt haben seit 2007 in Österreich bereits 169.000 Personen das Gewerbe der Personenbetreuung angemeldet. Der überwiegende Teil der Betreuerinnen (84 Prozent) kommt aus der Slowakischen Republik und aus Rumänien.